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Rader Hochbrücke: Heißes Eisen sorgt für Schweigen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Experten wollen sich zur Zukunft des Bauwerks nicht äußern / Nachrichtensperre im Ministerium: „Wollen keine Gerüchteküche befeuern“

Das Thema brodelt. Und so schnell wird es auch nichts von seiner Aktualität einbüßen. Denn während die Reisewelle über die Osterfeiertage immer näher rückt, gibt es zur Rader Hochbrücke eigentlich nur Fragen. In Expertenkreisen ist sie momentan ein Dauerthema. Warum ging die Prognose zur Lebensdauer der Brücke bei ihrer Fertigstellung so weit daneben? Warum dauert es so lange, ehe ein Ersatzbauwerk fertig ist? Bis zu 20 Jahre stehen im Raum. Mit möglichen Antworten auf die Fragen will sich derzeit niemand die Finger verbrennen. Das Ministerium in Kiel verweist auf ein Statikgutachten, das Mitte des Jahres fertig sein soll.

Auch Wigand Grawe, Geschäftsführender Gesellschafter beim Ingenieurteam Trebes GmbH & Co. KG (Kiel/Rendsburg), lehnt sich nicht aus dem Fenster. Aber er wagt zumindest Vermutungen. Eine genaue Einschätzung der Gründe für die falsche Prognose hält der Rendsburger Diplom-Ingenieur für schwierig: „Wir planen zwar häufig Brücken, aber ein Bauwerk in dieser Größenordnung haben wir noch nicht bearbeitet.“ Generell sei aus Sicht einer nicht direkt involvierten Firma schwer zu beurteilen, woran es bei der Rader Hochbrücke liegen könnte. Grawe kann sich aber vorstellen, dass es bei der damaligen 100-Jahr-Prognose nicht vorherzusehen war, dass die Verkehrsbelastung in der Zukunft derart stark zunimmt. „Vor allem der Schwerlast- und Lkw-Verkehr tut den Brücken weh. Speziell der ständige Lastwechsel ermüdet die Baustoffe, egal ob Stahl oder Beton“, erklärt er.

Als mögliche Zukunftslösung wurde unter anderem ein kombinierter Straßen- und Schienentunnel ins Gespräch gebracht (wir berichteten). Eine Idee, die Wigand Grawe nur auf den ersten Blick plausibel findet. Denn: „Der Schienenverkehr verträgt nicht so starke Neigungen wie der Straßenverkehr. Von daher müsste die Rampe für die Anschlussgleise auf beiden Seiten des Kanals sehr lang sein.“ Das wiederum könne eine einschneidende Veränderung der kompletten Verkehrsführung nach sich ziehen. Aus dem Stegreif hat auch Grawe keine Patentlösung parat. Favorisieren würde er aber ein Ersatzbauwerk, also eine neue Brücke, neben der jetzigen Rader Hochbrücke. „Das dauert durch das Planfeststellungsverfahren zwar ein paar Jahre länger. Doch ein Abriss und Neubau an Ort und Stelle würde bedeuten, dass die A7 quasi für ein paar Jahre wegfällt. Und wozu das führt, konnte man während der Teilsperrung im vergangenen Jahr sehen.“

Zwölf Jahre hat die Rader Hochbrücke noch, dann soll wie berichtet Schluss sein. Die bei der Fertigstellung 1972 erhoffte Lebensdauer von 100 Jahren wird eine Utopie bleiben. Doch Fragen zur Zukunft bleiben unbeantwortet. Beim Bau der Brücke involvierte Firmen – zum Beispiel das Rendsburger Planungsbüro BCS – Building Complete Solutions GmbH oder das Ingenieurbüro Grassl GmbH (Hamburg/Itzehoe) – dürfen sich ohne Zustimmung des Auftraggebers nicht äußern. Der wiederum, der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV), möchte es nicht. Nachrichtensperre auch in Kiel: „Wir wollen keine Gerüchteküche befeuern“, erklärt der Sprecher des Verkehrsministeriums, Harald Haase. Bevor das Statikgutachten fertig sei, werde es keine öffentlichen Äußerungen geben, um sich nicht an Spekulationen zu beteiligen.

Den Nord-Ostsee-Kanal zu überqueren, könnte in nicht allzu ferner Zukunft zu einer schwierigen Aufgabe werden. Es droht ein Verkehrskollaps. Denn die Umsetzung möglicher Maßnahmen könnte Jahre dauern – und zwar mehr als zwölf.

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