Auftakt einer Seminar-Reihe : Psychisch kranke Eltern: Auch die Kinder leiden mit

Hat die Mutter Depressionen leidet auch das Kind.
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Hat die Mutter Depressionen, leidet auch das Kind.

Imland-Klinik und Kinderschutzbund machen sich für die „vergessenen Kinder“ stark. Sie wollen Fachleute vernetzen, damit erkannt wird, wo Hilfen nötig sind. Denn Kinder psychisch kranker Eltern erkranken oft später ebenfalls.

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11. Juli 2014, 06:00 Uhr

„Wenn Eltern an Depressionen erkrankt sind, liegt das Risiko der Kinder, ebenfalls zu erkranken, bei 60 Prozent.“ Aber es muss nicht sein. „Wer trotz genetischer Disposition behütet aufwächst, kann dennoch gesund bleiben“, sagt Anna Christina Schulz-Du Bois. Sie ist Leiterin der Abteilung Psychiatrie und Psychosomatik an der Imland Klinik. Gemeinsam mit dem Kinderschutzbund des Landes hat sie eine Seminarreihe initiiert, die die Kinder psychisch kranker Eltern im Blick hat. Zum gestrigen Auftakt im Hohen Arsenal kamen mehr als 330 Fachleute aus dem ganzen Land.

Bis zu drei Millionen Kinder wachsen in Deutschland mit einem psychisch kranken Elternteil auf. Das Problem, so Schulz-Du Bois: „Die Kinder lernen die Verhaltensmuster der kranken Eltern und übernehmen diese für sich“. Unterstütze man sie rechtzeitig, könnten sie jedoch im besten Fall genügend Resilenz (Widerstandsfähigkeit) entwickeln, die sie vor einer psychischen Erkrankung schütze. Dafür muss aber einmal erkannt werden, welche Kinder betroffen sind. Doch ebenso wie die Erwachsenen schweigen sie oft, denn sie stecken in einer Zwickmühle: „Sie wollen ihre Eltern nicht verraten. Sie haben Angst und wollen nicht weg von den Eltern“, weiß die Imland-Ärztin. Dabei würde man die Kinder heute so lange wie möglich in der Familie belassen.

Eine weitere Schwierigkeit: Erwachsenen-Psychiater würden Kinder nicht unbedingt als Angehörige sehen und nicht mit ihnen sprechen. „Später haben die Kinder dann erklärt, dass sie es stark vermisst haben, dass keine Fachperson sie über die Krankheit der Eltern aufgeklärt hat“, so die Ärztin. „Es ist ein großer Bedarf vorhanden“, hat Schulz-Du Bois diagnostiziert. Sowohl an Hilfe als auch an Wissen. Sozialpädagogen, Erzieher, Hebammen, Ärzte, Mitarbeiter von Jugendhilfen und von freien Trägern sowie Lehrer nahmen an der gestrigen Veranstaltung teil. „Es ist uns ein Anliegen, die professionellen Helfer, die mit psychisch kranken Eltern und ihren Kindern in Berührung kommen, zusammen zu bringen“, sagt die Fachfrau aus Rendsburg. „Durch ihre Weiterbildung und Vernetzung soll die Versorgungssituation verbessert werden“.

Wichtig für die Kinder sei es, dass die Krankheit nicht tabuisiert werde und dass sie einen festen Ansprechpartner haben, der sie stützt, erläutert Schulz-Du Bois. Freizeitangebote können ihnen helfen, mit der häuslichen Situation fertig zu werden. Um zu erkennen, welche Kinder betroffen sind, „ist es gut, wenn in den Schulen geschaut wird, ob Schüler verhaltensauffällig sind, zum Beispiel aggressiv oder ob sie sich zurückziehen“. Ein erster Schritt in diese Richtung ist getan.

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