Obereiderhafen in Rendsburg : Prügelei eskalierte: Büdelsdorfer half wehrlosem Opfer

Als es am Freitagabend zu einer Schlägerei am Obereiderhafen kam, ging Martin Gnewuch (Foto) dazwischen. Gemeinsam mit seinem Kumpel war er der Einzige, der dem 22-Jährigen zu Hilfe kam, der auf der Straße am Bahndamm lag.
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Als es am Freitagabend zu einer Schlägerei am Obereiderhafen kam, ging Martin Gnewuch (Foto) dazwischen. Gemeinsam mit seinem Kumpel war er der Einzige, der dem 22-Jährigen zu Hilfe kam, der auf der Straße am Bahndamm lag.

Als es zu einer Schlägerei am Hafen kam, schauten die meisten Passanten einfach weg. Mit Ausnahme von Martin Gnewuch und seinem Freund Daniel Al-Dairy.

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28. Mai 2015, 18:01 Uhr

Rendsburg | Zwei Jugendliche schubsen einen jungen Mann am Obereiderhafen zu Boden, treten immer wieder zu, springen auf ihn rauf. Als Martin Gnewuch (27) aus Büdelsdorf dieses Szenario am Freitagabend beobachtete, war für ihn sofort klar: „Da muss ich eingreifen, der Mann braucht Hilfe.“ Zusammen mit seinem Freund ging er dazwischen, hielt die Angreifer fest und rief die Polizei. Der Mann am Boden musste in der Klinik ambulant behandelt werden, die beiden Freunde konnten durch ihr Eingreifen Schlimmeres verhindern. Doch dass die anderen Passanten ihnen nicht zu Hilfe kamen, sondern einfach wegschauten – darüber zeigte sich der Büdelsdorfer bestürzt.

Eigentlich war Martin Gnewuch mit seinem Kumpel Daniel Al-Dairy (25) aus Rickert zum Angeln verabredet, sie wollten sich bei gutem Wetter einen entspannten Abend am Hafen machen. Da waren sie nicht die Einzigen, berichtete der Büdelsdorfer. „Es war richtig viel los – bestimmt 50 Leute dort.“ Um 20.30 Uhr sahen die beiden dann in zirka 200 Metern Entfernung, wie zwei junge Männer (17 und 19 Jahre alt) einen dritten zu Boden warfen und immer wieder auf ihn eintraten. Martin Gnewuch und sein Freund überlegten nicht lang. Sie rannten los, um dem jungen Mann zu helfen, der wehrlos auf der Straße am Bahndamm lag. Als die zwei Angler dazwischen gehen wollten, ließen die Männer von ihrem Opfer ab und versuchten zu fliehen. „Wir sind dann hinterher gerannt, haben sie gestoppt und sie so lange in Schach gehalten, bis die Polizei kam“, erzählte der Büdelsdorfer.

Für Martin Gnewuch sei der Einsatz selbstverständlich gewesen. „Mir war klar, dass wir uns auch selber in Gefahr bringen. Aber wir mussten einfach was tun. Wir hätten lieber selber etwas abbekommen, als dass der Typ ins Koma fällt.“ Dass aber so viele Leute nichts taten, einfach nur wegschauten – das kann er ein paar Tage nach dem Vorfall noch immer nicht fassen. „Wir hätten uns auch sicherer gefühlt, wenn da noch mehr geholfen hätten. Aber niemand hat etwas gemacht außer ein paar Mädchen, die den Verletzten versorgten – das war wirklich hart.“

Polizeisprecher Sönke Hinrichs bestätigte gestern auf LZ-Anfrage den Vorfall am Obereiderhafen. Er lobte den kühnen Einsatz der Angler, sagte aber gleichzeitig, dass man sich nicht selbst in Gefahr bringen soll. In solch einem Fall wie am Obereiderhafen habe man laut Hinrichs drei Möglichkeiten: Selbst eingreifen, wenn man der Größere und Stärkere ist, andere Personen ansprechen und gemeinsam einschreiten oder in sicherer Entfernung bleiben und die Polizei rufen. „Zivilcourage ist uns ganz wichtig, aber man kann auch helfen, ohne sich selbst zu gefährden, nämlich indem man 110 wählt“, sagte er.

Wie es überhaupt zu der Auseinandersetzung am Hafen gekommen ist, bleibt nach Polizeiangaben unklar. „Wir vermuten aber, dass es mit erhöhtem Alkoholkonsum zu tun hatte“, so Hinrichs. Bei den drei an der Schlägerei beteiligten Männern wurde ein Atemalkoholwert von bis zu zwei Promille festgestellt.

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