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Rendsburg : Prozess gegen Finanzamt-Schützen beginnt am 11. März

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

An fünf Verhandlungstagen will das Schwurgericht die Tötung eines Finanzbeamten aufarbeiten. 16 Zeugen und zwei Sachverständige werden geladen.

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2015 | 10:20 Uhr

Rendsburg | Der Steuerberater und frühere Fockbeker Bürgermeister-Kandidat Olaf Lauenroth (55) muss sich ab dem 11. März vor dem Kieler Schwurgericht verantworten. Das bestätigte am Mittwoch Gerichtssprecherin Rebekka Kleine gegenüber der Landeszeitung. Lauenroth wird beschuldigt, am 1. September vergangenen Jahres einen 57-jährigen Abteilungsleiter des Rendsburger Finanzamtes in dessen Büro erschossen zu haben. Die Staatsanwaltschaft klagt den mutmaßlichen Täter des Mordes an. Ihm droht eine lebenslängliche Freiheitsstrafe.

Das Schwurgericht unter Leitung des Vorsitzenden Richters Jörg Brommann hat insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt. 16 Zeugen sollen geladen werden. Zudem zieht das Gericht zwei Sachverständige hinzu: Ein psychiatrischer Gutachter wird die Persönlichkeit des Angeklagten beleuchten, ein Rechtsmediziner schildert die Ergebnisse der Obduktion des Opfers. Gerichtssprecherin Kleine sagte, dass es eine Nebenklägerin gibt. Nach Informationen der Landeszeitung soll es sich um die Witwe des getöteten Beamten handeln.

Die Bluttat hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt und in der Region eine tiefe Betroffenheit ausgelöst. Dementsprechend dürfte es im Gerichtssaal eng werden: „Wir erwarten ein großes öffentliches Interesse an dem Prozess“, so Gerichtssprecherin Kleine. Lauenroth war unmittelbar nach der Tat von Polizeibeamten im Finanzamt festgenommen worden. Einen Tag später erließ ein Richter Haftbefehl. Seitdem befindet sich der Verdächtige in der Justizvollzugsanstalt Lübeck. Dass Lauenroth in der Hansestadt und nicht in Neumünster einsitzt, ist auf seinen Gesundheitszustand zurückzuführen. Lauenroth ist nach einem Unfall zeitweise auf den Rollstuhl angewiesen. In der JVA Lübeck können auch körperbehinderte Verdächtige und Verurteilte untergebracht werden.

Die entscheidende Frage in dem Prozess wird nach Einschätzung von Beobachtern sein, ob der Verdächtige mit dem festen Vorsatz in das Finanzamt gegangen ist, den Beamten zu töten. Lauenroth soll in einem Flur im Erdgeschoss der Behörde auf sein Opfer gewartet haben. In dessen Büro kam es dann laut Polizeibericht zu einem lautstarken Streit. Lauenroth soll plötzlich eine Beretta-Pistole gezogen und zwei Schüsse auf den Finanzbeamten abgegeben haben. Dieser wurde schwer verletzt in die Rendsburger Imland-Klinik eingeliefert, wo er kurz darauf verstarb. Als Motiv für die Tat vermuten die Ermittler einen jahrelangen Streit zwischen dem Fockbeker Steuerberater und dem Finanzamt.

Olaf Lauenroth war bis zu seiner Verhaftung kommunalpolitisch aktiv. Über die FDP-Liste ist ihm bei der jüngsten Kommunalwahl der Einzug in die Fockbeker Gemeindevertretung gelungen. Das Mandat besitzt er noch immer. Sollte er jedoch wegen Mordes verurteilt werden, würde er seinen Sitz laut Strafgesetzbuch automatisch verlieren.

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