Proteste gegen den Muezzin-Ruf

Protest: Dieser Gegner des Muezzin-Rufs fordert von Bürgermeister Andreas Breitner 'mehr Selbstbehauptungswillen für unsere Abendländische Kultur'.  Foto: Schönstedt
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Protest: Dieser Gegner des Muezzin-Rufs fordert von Bürgermeister Andreas Breitner "mehr Selbstbehauptungswillen für unsere Abendländische Kultur". Foto: Schönstedt

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03. Februar 2010, 05:59 Uhr

Rendsburg | Nach der Pressekonferenz wurden die Journalisten gestern Nachmittag von einem Dutzend Demonstranten empfangen. Mitglieder der Bürgerinitiative "Kein öffentlicher Gebetsruf" protestierten im Rathaus mit Plakaten, um auf den aus ihrer Sicht bevorstehenden Untergang des Abendlandes aufmerksam zu machen. Der Sprecher der Initiative, Hubert Scheiding, sieht durch die Genehmigung der Stadt "die Islamisierung Rendsburgs eingeleitet". Die nächsten Schritte seien womöglich ein Ostereier- und Weihnachtsbaumverbot, sagte Scheiding.

Er habe kein Vertrauen in das Schallschutzgutachten und sehe trotz der auf 42 beschränkten Dezibelzahl weiterhin eine Lärmbelästigung für die Anwohner der Moschee in der Eckernförder Straße. Auch das Einlenken des Islamischen Zentrums, dass trotz umfangreicher Genehmigung lediglich am Freitag zum Mittagsgebet rufen lassen will, habe keinen Einfluss. "Egal, wie laut der Ruf ist, wir wollen ihn nicht", betonte Scheiding. Der Verbindung des Islamischen Zentrums zur vom Verfassungsschutz beobachteten Islamischen Gemeinschaft Milli Görus sei nicht zu tolerieren.

Auf diesem Standpunkt steht auch Fritjof Wilken. Der Ratsherr (Modernes Rendsburg) mischte sich unter die Demonstranten, nachdem er zuvor unter lautstarkem Protest von Bürgermeister Andreas Breitner (SPD) der Pressekonferenz verwiesen worden war. Wilken verteilte im Namen seiner Fraktion Flugblätter mit dem Titel "Keine Toleranz gegenüber Intoleranz", in denen er ein Verbot des Muezzin-Rufs fordert. "Milli Görüs sorgt mit ihrer türkisch-nationalistischen Anschauung für eine von ihr dominierte Parallelgesellschaft, speziell in Rendsburg und Büdelsdorf. Dadurch entsteht ein selbst gewähltes Ghetto."

Wilken erklärte nachher, er fühle sich vom Bürgermeister in seinen Rechten als Ratsmitglied beschnitten. "Ich habe die Informationen vorher nicht erhalten und will nicht nur aus der Zeitung informiert werden. Von der Kommunalaufsicht erwarte ich eine Auskunft, ob der Rauswurf rechtmäßig war."

Unterstützung erhielt Wilken von Morten Jochimsen, dem Fraktionsvorsitzenden des SSW. Auch er sprach sich gegen den Gebetsruf aus und kritisierte Wilkens "Rauswurf".

Die Reaktionen aus der Rendsburger Politik allerdings sind gespalten. Die Fraktionsvorsitzenden Thomas Krabbes (CDU), Helge Hinz (SPD) und Klaus Schaffner (Grüne) zeigten sich erfreut über den Kompromiss und vor allem über die Selbstbeschränkung des Islamischen Zentrums. "Das ist eine Basis für Annäherung. Wir können nur in einer Gesellschaft leben, wenn alle Nachbarn versuchen, ihre Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen", erklärte Krabbes. Hinz bewertete es positiv, dass das Islamische Zentrum darauf verzichtet, seine Rechte voll auszunutzen. "Das ist ein gutes Zeichen." Ähnlich lautete der Kommentar von Klaus Schaffner. "Es war unsere Forderung, dass nur zum Freitagsgebet gerufen wird." Nicht nachvollziehen wollte Schaffner die Einstellung von Wilken: "Es ist alles nach Recht und Gesetz abgelaufen."

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