Nord-Ostsee-Kanal : "Promille-Kapitän" wird keine Fähre mehr steuern

Seit dem Vorfall vergangene Woche steuert die Kanal-Fähre „Memel“ nun ein Ersatz-Kapitän. Foto: Höf
Seit dem Vorfall vergangene Woche steuert die Kanal-Fähre „Memel“ nun ein Ersatz-Kapitän. Foto: Höf

Nach der Fährfahrt im Rotwein-Rausch: Der 50-jährige Kapitän muss sich jetzt vor Gericht verantworten. Und eine Fähre wird er nie wieder fahren dürfen.

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04. November 2011, 11:47 Uhr

Rendsburg | Er hatte Rotwein im Kaffeebecher und 4,02 Promille im Atem: Der Kapitän der Fähre, der vergangene Woche betrunken im Dienst erwischt worden war, wird nie wieder Passagiere über den Nord-Ostsee-Kanal befördern. Gut eine Woche nach dem Vorfall zieht das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Kiel diese Konsequenz.
"Bei uns herrscht ein striktes Alkoholverbot, der Mann wird keine Fähre mehr fahren", sagte WSA-Sprecherin Dagmar Hees-Rave. Zudem ruhe sein Kapitänspatent für die Binnenschifffahrt vorerst, bis über weitere arbeitsrechtliche Folgen entschieden sei. "Nicht nur für die Sicherheit der Passagiere, auch für ihn selbst ist der Vorfall eine Katastrophe", sagte Hees-Rave.
Der Kapitän sei zurzeit krank geschrieben und brauche Ruhe. "Wir begleiten ihn im Genesungsprozess und bieten Unterstützung an, etwa in der Sozial- und Suchtberatung", sagte Hees-Rave und kündigte weitere Schritte an.
Geld- oder Freiheitsstrafen drohen
"So ein Vorfall wirft natürlich Fragen auf - wie konnte das passieren, und warum ist es nicht aufgefallen?" Aus diesem Grund würden nun Dienstvereinbarungen, Arbeitsanweisungen und Kontrollmechanismen überprüft. "Wir müssen genauer hingucken, auch unsere Kommunikationsprozesse hinterfragen und Vorgesetzte wie Mitarbeiter umfangreich für das Thema Alkohol sensibilisieren", so Hees-Rave.
Der Kapitän (50), ein langjähriger Mitarbeiter des WSA, war vergangene Woche sturzbetrunken am Steuer der Kanalfähre "Memel" erwischt worden. Ein Fahrgast hatte morgens die Polizei wegen der unsicheren Fahrweise des Mannes alarmiert. Beamte der Wasserschutzpolizei waren daraufhin an der Fährstelle Nobiskrug an Bord gegangen. Ein erster Atemalkoholtest des Kapitäns auf der zwischen Rendsburg und Schacht-Audorf verkehrenden Fähre ergab 4,02 Promille. Zum Erstaunen der Ermittler zeigte der Kapitän dennoch "erstaunlich geringe Ausfallerscheinungen".
Die Staatsanwaltschaft in Kiel ermittelt nun wegen Trunkenheit im Verkehr. Der 50-Jährige wird sich vor Gericht verantworten müssen. Nach Informationen der Landeszeitung drohen ihm eine Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr.

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