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Theater Rendsburg : Professionelle Schönheitskur für historische Scheiben

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

185 000 Euro plus 66 000 Euro werden für Sanierungsarbeiten am Rendsburger Theater gezahlt. Der größte Teil wird für kunstvolle Bleiglasfenster aufgewendet. Eine Paderborner Firma restaurierte die Bleiglas-Scheiben.

Wer vom Beisenkötter-Platz auf das Theater blickt, kann nicht erkennen, welcher Schatz die großen Fenster im so genannten Theater-Foyer sind. Fast schwarz wirken sie von außen. Doch innen offenbaren die Scheiben ihre wahre Schönheit. „Wenn die Sonne herein scheint, leuchtet der ganze Raum farbig“, schwärmt Bühnentechniker Rüdiger Schlieter. Seit gestern sind die Kunstwerke aus Glas wieder an ihrem Platz. Einige Wochen lang waren die Malereien und Bleiverglasungen von Fachleuten restauriert worden. Die farbigen Fenster stammen aus dem Jahre 1901 (siehe Info-Kasten am Artikelende) und stehen – wie das gesamte Theater – unter Denkmalschutz. „Soweit wir wissen, sind sie das erste Mal komplett ausgebaut worden“, sagt Maren Stüdtje. Die Hochbauingenieurin bei der Stadt Rendsburg betreut städtische Bauprojekte. Sie weiß, dass bei den Scheiben an vielen Stellen die Bemalung „aufgekocht“ war – durch Wärme warf die Farbe kleine Bläschen. Beim Putzen löste sie sich dann ab. „Und es wurde zusehends mehr.“ Außerdem waren die Bleiverbindungen weich geworden, es regnete hindurch. „Dadurch hat die Farbe weiter gelitten.“

Dass das Theater damals derart aufwändige Scheiben erhalten hat, liegt an der ursprünglichen Planung. Eine Stadthalle sollte es werden, in der auch Bälle, Tagungen und Ausstellung veranstaltet werden konnten. Einst waren in einem oder mehreren Fenster wohl auch große Türen, so dass Kaiser oder Stadtoberhäupter von hier aus dem Volk zuwinken konnten. Durch eine kleine Tür im mittleren Fenster gelangt man noch heute auf einen schmalen Balkon.

An die Kaiserzeit erinnert der preußische Adler, der das mittlere Fenster ziert. Auf dem linken Fenster ist das Rendsburger, auf dem rechten das schleswig-holsteinische Wappen abgebildet. Der Raum im ersten Stock, heute als Foyer bezeichnet, war damals der kleine Festsaal, weiß Theatertechniker Schlieter. Er schaut zu den farbigen Fenstern, die sich in der gegenüberliegenden Spiegelwand noch einmal zeigen. „Schön, dass sie wieder da sind.“

Alle Scheiben waren ausgebaut und nach Paderborn transportiert worden, wo sie einer intensiven Schönheitskur unterzogen wurden. Die „Glasmalerei Peters Studios“ gelten auf ihrem Gebiet weltweit als eines der führenden Unternehmen, „auch was Neuanfertigungen betrifft“, erklärt Restaurator Felix Busse. Der Glasveredler in Glasmalerei – so seine Berufsbezeichnung – hat Scheibe für Scheibe in Händen gehalten, mit dem Pinsel und einem Spiritus-Gemisch vorsichtig vom Schmutz befreit. Auch „unschöne Ausführungen aus vorangegangenen Restaurationen“ hat er fachgerecht entfernt. Das waren unter anderem Scheiben, die nicht in das Gesamtbild passten. „Gemeinsam mit der Denkmalpflege wurde jetzt Glas ausgesucht, das dem von 1901 ähnelt“, erklärt Maren Stüdtje.

„Wir haben ein paar Jahre darauf hingearbeitet, die Restaurierung zu finanzieren“, berichtet die Mitarbeiterin aus dem Fachdienst Hochbau. Insgesamt zahlt die Stadt für Arbeiten am Theater (darunter Dachabdichtungen und Malerarbeiten) 185 000 Euro. Zusätzlich wurden 66 000 Euro aus Fördermitteln der Gebiets- und Entwicklungsplanung für den Lebens- und Wirtschaftsraum Rendsburg (GEP) für die Fenster bewilligt. Denn auch die Bleiverbindungen galt es teilweise zu erneuern. Außerdem werden noch von außen Scheiben aus herkömmlichem Glas angebracht. Sie sollen die historischen Fenster vor Winddruck, Wettereinflüsse und Vandalismus schützen.

Stichwort: Ferdinand Müller

> Die Fenster im heutigen Landestheater wurden 1901 von der Firma Ferd. Müller in Quedlinburg angefertigt. Das dokumentiert auch ein Schriftzug in der rechten unteren Ecke im linken Fenster.

> Ferdinand Müller war gelernter Glaser.

> Müllers „Kunstanstalt für Glasmalerei“ war mit 70 Angestellten eine der größten Werkstätten dieser Art in Deutschland und Hoflieferant. Ausgestattet wurden meist evangelische Kirchen.

> Die Glasmalereien waren international bekannt.

> Erhaltene Glasfenster finden sich noch im Dom zu Breslau, im Halberstädter Dom, in der Martinskirch von Apolda, im Rathaus von Quedlinburg und anderen Bauten.

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