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Betrieb geht weiter : Privatschule bangt um ihre Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Rote Zahlen wegen zu kleiner Schülerzahl. Insolvenzverfahren soll Weiterbetrieb ermöglichen. Gehälter für drei Monate gesichert.

shz.de von
erstellt am 08.Mär.2016 | 09:10 Uhr

Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. „Wir bewegen uns zwischen Hoffen und Bangen“, hieß es gestern aus der Elternschaft der Privatschule Mittelholstein. Am Freitag hatte Geschäftsführer Michael Claßen den Eltern seiner Schüler per E-Mail mitgeteilt, dass er beim Amtsgericht Neumünster einen Insolvenzantrag eingereicht hat. Die finanziellen Mittel der Schule reichten nicht aus, um die Februargehälter zu überweisen. Den Grund für die Schieflage erläuterte gestern ein Sprecher des Insolvenzverwalters: Für das vergangene Jahr hatte die Geschäftsführung mit 235 Schülern kalkuliert, tatsächlich waren es nur 210. Daraufhin forderte das Schulministerium zu viel gezahlte Schulkostenzuschüsse zurück. Es soll um 90  000 Euro gehen.

100 Privatschulen gibt es in Schleswig-Holstein. Für jeden einzelnen Schüler erhalten sie einen Landeszuschuss. Das Prozedere ist für alle gleich: Zum Ende eines Jahres übermitteln sie dem Schulministerium die Schülerzahl, die sie für das kommende Geschäftsjahr erwarten. Auf der Grundlage dieser Prognose zahlt das Ministerium die vorläufigen Zuschüsse aus. Sollte die Prognose von der Ist-Situation abweichen, können die Schulleitungen jeweils im September eine Korrekturmeldung ans Ministerium schicken. Zu Beginn eines neuen Jahres wird dann abgerechnet. Die Schulen müssen die exakte Schülerzahl nach Kiel melden. Zu viel gezahlte Landeszuschüsse werden vom Ministerium zurückverlangt, Stundungen sind möglich. In dieser Situation befindet sich jetzt die Privatschule Mittelholstein. War absehbar, dass sie von weniger Schülern besucht wird als prognostiziert? Ministeriumssprecher Thomas Schunck verdeutlicht: Im September sei von der Privatschule Mittelholstein keine Korrekturmeldung eingegangen.

Dass die Schülerzahl hinter den Erwartungen zurückblieb, wiegt für die Privatschule Mittelholstein doppelt schwer. Denn wie ein Sprecher des Insolvenzverwalters mitteilte, habe sie 60  000 Euro investiert, um auf die erwarteten höheren Schülerzahlen vorbereitet zu sein. Auch dadurch wird die Schule jetzt offenbar in die roten Zahlen gerissen. Die insgesamt 35 Angestellten müssen sich allerdings keine Sorgen machen, ab sofort kein Geld mehr zu bekommen. Das Insolvenzverfahren sichert ihnen ihre Gehälter für die Monate Februar, März und April.

Der Kieler Rechtsanwalt Reinhold Schmid-Sperber wurde vom Gericht zum Insolvenzverwalter bestellt. Er gilt als ausgewiesener Experte auf seinem Gebiet. Er war unter anderem verantwortlich für den erfolgreichen Verkauf des Fernseh-Traumschiffs „Deutschland“, das nach der Pleite der Reederei Deilmann in unruhiges Fahrwasser geraten war. Von Schmid-Sperber erhoffen sich die Eltern der betroffenen Schüler, dass er Wege aufzeigt, um die Privatschule Mittelholstein weiterzuführen. Denn ungeachtet des Insolvenzantrags: Bei den Schülern und Eltern genießt die Bildungseinrichtung einen guten Ruf. Die Lehrerschaft sei sehr engagiert, das pädagogische Konzept überzeugend und die Klassenstruktur mit jeweils deutlich unter 20 Schülern vergleichsweise klein. Ein Elternpaar berichtete gestern, dass man sich durchaus vorstellen könnte, die Schule über das Schulgeld hinaus finanziell zu unterstützen. Zudem solle es zwei potenzielle Investoren geben.

Nach Angaben von Ministeriumssprecher Schunck ist es das erste Mal, dass eine in Schleswig-Holstein tätige Privatschule einen Insolvenzantrag gestellt hat. Man werde die Situation beobachten. Schunck betonte, keine Insolvenz herbeireden zu wollen, gab den Eltern aber die Garantie: Sollte die Privatschule nicht weitergeführt werden können, werde es für jedes Kind einen Platz an einer staatlichen Schule geben.

Die Privatschule blickt unterdessen nach vorn. Sie lädt am Sonnabend, 19. März, zu einem Tag der offenen Tür in ihre Räumlichkeiten auf dem Oktogon-Gelände ein. Ab 10 Uhr kann man sich einen Eindruck von dem Schulkonzept verschaffen.

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