zur Navigation springen

Hilfe für Waisenkinder : Private Hilfsaktion für ein Waisenhaus in Togo

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der aus Afrika stammende Kama Tcheou und sein Freund verteilen die Spenden einer privaten Aktion im Oktober.

Kama Tcheou lebt seit 21 Jahren in Deutschland. Seit zwölf Jahren arbeitet er bei einem Logistikunternehmen als Lagerist. Reich ist er nicht. Ebenso wenig wie sein Freund Andy Vierk. Dennoch haben die zwei Rendsburger eine Hilfsaktion für Waisenkinder in Lomé gestartet. Drei Tonnen Milchpulver und acht große Pakete mit Hilfsgütern sind bereits auf dem Seeweg unterwegs in das afrikanische Togo. Am 17. Oktober fliegen die beiden hinterher, um die Verteilung zu begleiten.

„Es hat mein Herz berührt“, sagt Kama Tcheou von seinem Besuch im Waisenhaus Saint Claire im April dieses Jahres. Der 45-Jährige ist selbst Vater von zwei Töchtern und stammt aus einer Familie mit 13 Kindern. Sofort rief er seinen Freund an, und beide waren sich einig: „Wir müssen etwas tun“. Denn das Waisenhaus, das von der katholischen Nonne Aimee Awate geleitet wird, finanziert sich ausschließlich aus Spenden – von Bürgern aus Togo, aus Frankreich, aus der Schweiz. Zur Zeit werden dort 48 Kinder im Alter von zwei Monaten bis fünf Jahren betreut. „Es sind alles Findelkinder“, erzählt der Schwarzafrikaner mit dem deutschen Pass. Eine Babyklappe gebe es nicht, aber das Haus im Stadtteil Tokoin sei seit zwanzig Jahren bekannt. Gefunden werden die Babys überall, „das Kleinste auf einer Mülldeponie“, erzählt der 45-Jährige erschüttert. Später werden die Kleinen in Pflegefamilien vermittelt oder zur Adoption freigegeben, möglichst in Togo.

Mit Spendenaktionen haben Kama Tcheou und Andy Vierk keine Erfahrung. „Wir haben überlegt: Was brauchen die Kinder“, erzählen sie und baten Bekannte, Nachbarn und Firmen um Hilfe. Zahnbürsten, Windeln, Kinderkleidung und vieles mehr stapelte sich bald bei ihnen. Dann rief Waisenhausleiterin Aimee Awate an und berichtete, dass der Milchpulverlieferant abgesprungen sei. Nun saß Andy Vierk an der Quelle. Als Montageleiter im Rohrleitungs- und Anlagenbau arbeitet er im Milchtrockenwerk (MTW) in Neumünster, kennt die Firmen, die dort anliefern. „Ich habe alle angeschnackt und gebettelt“, sagt Vierk. Mit Erfolg: Drei Tonnen Pulver wurden auf den Weg gebracht. Sie werden noch mit natürlichen Vitaminen und Nährstoffen angereichert und sollen dann für drei Jahre die Versorgung der Kinder sichern.

Vierk betont: „Es ist eine private Aktion.“ Daher gibt es für die Firmen keine Spendenquittung, können sie ihre Hilfe nicht steuerlich absetzen. „Dass muss man den Unternehmen hoch anrechnen“, meint der Helfer. Dafür, dass die Spenden auch ihren Bestimmungsort erreichen, sorgen er und sein Freund persönlich. Sowohl Pakete als auch Pulver wurden mit einer Spedition verschickt, die monatlich einen Container verschifft, die Zollformalitäten abwickelt und über sichere Lager in Afrika verfügt. Auf diesem Weg lassen viele in Deutschland lebende Afrikaner ihren Verwandten Hilfsgüter zukommen.

Sie sind vielfach vor Unruhen geflüchtet, so wie Kama Tcheou als 24-Jähriger. Er konnte schnell Fuß fassen, denn er hatte Deutsch in der Schule gelernt. Geschwister und Verwandte leben in Frankreich und in Kanada, haben ihr Auskommen. Und die Familienmitglieder in Togo haben es zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Auch sie unterstützen das Waisenhaus. Dessen Leiterin weiß noch nichts von der Milchpulver-Lieferung. „Es wird eine Überraschung“, freuen sich die beiden Rendsburger auf den Moment der Übergabe im Oktober.

 


> Wer helfen möchte, kann sich an Andy Vierk wenden, Tel. 04331/4632660

zur Startseite

von
erstellt am 23.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen