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Hohenwestedt : Pressluft pustet Orgelpfeifen frei

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Orgel im Hohenwestedter Gotteshaus wird in ihre Einzelteile zerlegt. Denn die Pfeifen des Instruments müssen gereinigt werden. Die Arbeiten sollen bis Weihnachten abgeschlossen sein.

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erstellt am 24.Nov.2014 | 07:00 Uhr

Die kleinste Pfeife ist einen Zentimeter lang, die größte 4,80 Meter, und insgesamt sind es 1879 Pfeifen, die derzeit im Hohenwestedter Gotteshaus sorgfältig gereinigt werden. Die Orgel der Peter-Pauls-Kirche ist dafür komplett auseinander gebaut worden. Orgelbauer Christoph Saure von der Firma Paschen (Kiel) hofft, die Reinigungsarbeiten bis Weihnachten abschließen zu können.

Die nach einem Brand neugebaute und 1770 wieder eröffnete Peter-Pauls-Kirche hatte zunächst einen Orgelkanzelaltar, das heißt: Die Kanzel war mittig vor dem Alter platziert und darüber war eine kleine „schwebende“ Orgel angebracht. 1850 bekam die Peter-Pauls-Kirche eine neue Orgel, die für ihren neuen Platz auf der Empore maßgeschneidert wurde. 1973 wurde diese Orgel von der Firma Hammer (Hannover) umgebaut. 41 Jahre später wird die Hammer-Orgel jetzt zum ersten Mal gereinigt.

„Im Schnitt sollte man eine Orgel alle 20 Jahre reinigen, aber das hängt ganz von den Gegebenheiten vor Ort ab: Wo die Orgel steht, und wie die Heizungsluft den Staub umherwirbelt“, erklärt Christoph Saure, „hier in der Peter-Pauls-Kirche sind die Bedingungen sehr gut: Die Luftfeuchtigkeit ist nicht so hoch wie in anderen Kirchen, der Staub hier klebt nicht, die Heizungsluft wird ideal im Raum verteilt.“

„Wir haben hier eher das Problem, dass es zu trocken ist“, wirft Kantor Klose ein, der Risse im Orgelholz befürchtet. Solche Risse seien aber nicht zu verzeichnen, kann Saure den Kirchenmusiker beruhigen: „Alles ist gut.“ Dass die besonders rissempfindlichen Windladen aus stabilem Sperrholz gebaut wurden, sei kein Zufall, meint Saure: „Die Materialauswahl und auch das neu Hinzugefügte sind von sehr guter Qualität, genauso wie die Art und Weise, wie das Material handwerklich verarbeitet wurde.“ „Die Orgel wurde 1973 sehr solide und nachhaltig konzipiert, vom technischen Stand her gibt es keinen Handlungsbedarf“, stellt Klose fest, „die Orgel klingt voll und ist gut einsatzfähig für Konzerte und für die Begleitung von Gottesdiensten.“

Im Zuge der Reinigungsarbeiten wird eine Renovierungsmaßnahme vorgenommen, die für mehr Klangdynamik sorgen soll. Das sogenannte Schwellwerk bekommt neue Jalousien (die alten schlossen nicht mehr richtig), und seine Seitenwände werden mit einer weiteren Holzschicht verstärkt. „So wird das Schwellwerk akustisch besser eingeschlossen“, erläutert Klose, „das erweitert die klanglichen Möglichkeiten der Orgel.“ Alle 30 Schleifenzieher des Registerschaltapparats sind in der Werkstatt der Firma Paschen in Kiel, wo sie geöffnet, geprüft und bei Bedarf repariert werden.

Alle 1879 Orgelpfeifen wurden ausgebaut und gleichmäßig über die Empore verteilt. Die 1621 Lippenpfeifen werden mit Pressluft durchgepustet und gereinigt, die 258 Zungenpfeifen müssen zusätzlich in ihre sechs bis acht Einzelteile zerlegt und – falls Oxidationsspuren vorhanden sind – mit Schleifpapier poliert werden.

„Vor meinem Studium wollte ich selbst mal Orgelbauer werden“, erzählt Kantor Norbert Klose Klose, der bei den Reinigungsarbeiten mithilft, „das ist ja mein Handwerkszeug, und deshalb ist das alles sehr spannend.“ Bemerkenswert findet der Kantor, wie es die Orgelbauer schafften, Pfeifen zu integrieren, die eigentlich viel zu lang für die Empore der Kirche sind: Holzschallbecher bringen es auf eine Länge von 4,80 Meter, obwohl bis zur Kirchendecke nur 3,50 Meter zur Verfügung stehen.

Der Kantor hat sogar Besonderheiten seiner Orgel in Erfahrung gebracht, von denen er bislang noch nichts wusste. Bei der Inspektion der Pfeifen, die auf der Vorderseite der Orgel zu sehen sind, stellte sich heraus, dass fast die Hälfte dieser Prospektpfeifen von 1850 gar keine klangliche Funktion hat. „Das sind Dummies, die nur aus optischen Gründen in das Gehäuse eingebaut wurden, um die Prospektfelder zu füllen“, so Klose, „und bei einigen anderen Prospektpfeifen klingt nur die untere Hälfte, und der Rest ist Attrappe.“

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