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Landeszeitung

19. August 2017 | 20:43 Uhr

Preisträger mit knackig-klarem Stil

vom

Pianist Jan Lisiecki wohnte einige Tage auf dem Carlshütten-Gelände / Umjubelte Generalprobe unter Lawrence Foster

Büdelsdorf | Jan Lisiecki lebt in einer eigenen Welt. Bis zum Essen wirkt er abwesend, seine Gedanken scheinen sich in anderen Sphären zu bewegen. Das äußere Leben regelt seine Managerin und Mutter, die auch die Termine am Nachmittag kennt. "Alles nacheinander, Stück für Stück", antwortet er auf die Frage dem weiteren Tagesablauf.

Zwischen der Generalprobe am Donnerstag Abend in der ACO-Thormannhalle und der Verleihung des Leonard-Bernstein-Awards gestern abend in Lübeck genießt er das schöne Wetter auf dem Carlshütten-Gelände. Die letzten Tage hat der 18-Jährige im Ahlmann-Gästehaus gelebt. "Es ist fantastisch hier. Die Freiheit und Ruhe, überall moderne Kunst, die inspiriert."

Inspiriert wurde am gleichen Ort auch schon einer seiner Lehrer, Professor Helmut Brauss. Der hatte 1996 in der Wagenremise ein Beethoven-Konzert gegeben und auch hier übernachtet. Damit war der große Bogen zwischen dem kanadischen Calgary, dem Wohnort Lisieckis, und Büdelsdorf geschlossen. Nicht nur die edle Umgebung, auch Rendsburg und Büdelsdorf genoss der junge Star-Pianist. "Hier ist alles so übersichtlich, nicht wie in London, wo zwischen Wohnen und Proben so große Entfernungen liegen, dass man viele Stunden im Auto verbringt." Auch wenn Jan viele Stunden am Flügel verbringt; sein I-Phone ist immer dabei - und zwischendurch prüft er unauffällig seine Mails.

"Wir freuen uns alle unglaublich über die volle Halle und Ihr großes Interesse" hatte Lawrence Foster am Abend zuvor das Publikum in der ausverkauften ACO Thormannhalle begrüßt. Der Altmeister-Dirigent präsentierte mit dem Schleswig-Holstein Festival Orchester herausfordernde Werke - für Musiker wie Publikum. Zuerst war es die "Stille" als Gestaltungsmerkmal in Peter Ruzickas "Tallis. Einstrahlungen für großes Orchester". Ein Hör-Pflänzchen, zunächst ganz klein und leise, bahnts sich einen Weg durch die Erdkrume zu den Ohren des Publikums, um dann ein Thema des englischen Komponisten Thomas Tallis zu entdecken.

"Jan ist fast genau vier Mal jünger als ich", hatte der 71-jährige Lawrence Foster herausgefunden und es humorvoll dem Publikum mitgeteilt. Alt und jung mussten mit Mozarts d-Moll Klavierkonzert KV 466 einen Sprung 200 Jahre in die Vergangenheit bewältigen. Altmeister Foster und der mit 18 Jahren bereits hochgelobte kanadische Nachwuchspianist Jan Lisiecki bewältigten den Zeitsprung glänzend - wobei dem jungen "Langfinger" doch deutliche Anspannung anzumerken war. Die Gelassenheit Fosters fehlte ihm angesichts hoher spürbarer Publikumserwartungen noch. Dennoch: Sein knackig-klarer, brillanter Mozartstil kam bestens an.

So gut, dass er das erste Mal in seinem Leben eine Zugabe geben musste. Dafür hatte er sich Chopins Nocturne op. posth. ausgesucht und zeigte sein wirkliches Können, das den Leonard Bernstein Award bestimmt wert ist: Um Welten entspannter, mit traumhaft empfindsamem Anschlag übertrug sich der Zauber dieser Solo-Klavierstücks ins Publikum.

Nach der Pause: Maurice Ravel pur. Zuerst die Rapsodie espagnole. Lawrence Foster hat in Spanien gelebt und weiß, wieviel Energie und Feuer in der "Habanera" oder in "Alborada des Gracioso" stecken. Unter seiner Leitung wurde der "Bolero" zu einer sensationellen Gefühlsreise und löste stehenden und tosenden Applaus aus.

Trotz aller Begeisterung hatte Foster nicht vergessen, dass dieser Abend "nur" eine Generalprobe war und "einer der besten Fagottisten, die ich seit langem gehört habe" an einer Stelle nicht so sauber wie gewünscht gespielt hat. "Would you like to play the solo again!" fragt er. Er wollte. Nun klappt es wie gewünscht. Doch aus Sicht des Publikums hätte es hiervon gerne mehr sein dürfen.

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erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

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