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Neue Verspätung : Posse um Kanaltunnel setzt sich fort

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Erneute Bau-Verzögerung um mindestens zwei Monate. Firmen-Konsortium kommt Dokumentationspflicht für Sicherheitstechnik nicht nach.

Die erst wenige Wochen alte Ankündigung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV), die Oströhre des Kanaltunnels im Mai für den Verkehr zu öffnen, ist bereits wieder hinfällig. „Die Inbetriebnahme der Oströhre ist nicht vor Sommer 2016 möglich“, verkündete gestern Ministerialdirektor Reinhard Klingen aus dem Bundesverkehrsministerium vor dem Regionalentwicklungsausschuss des Kreises. Dafür erntete er höhnisches Gelächter der Kreis-Politiker und zahlreicher Gäste. Hintergrund der jüngsten Verzögerung ist laut Klingen, dass das Baufirmen-Konsortium keine Dokumentation der jüngst installierten Betriebs- und Verkehrstechnik vorgelegt habe. Die WSV habe die Anlagen deshalb nicht abnehmen können.

„Wir sind darüber alles andere als beglückt“, sagte der Ministerialdirektor. „Auf den Punkt gebracht: Die Baufirmen haben uns bei den letzten Arbeiten an der Oströhre ziemlich hängen lassen.“ In der vergangenen Woche stand die End-Abnahme von 20 Einrichtungen der Sicherheitstechnik durch die WSV an – darum habe die Firma gebeten, die die Anlagen installiert hat. „Doch es fehlte die Dokumentation, vereinfacht gesagt: die Betriebsanleitung“, so Dr. Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt. Das Unternehmen sei nun in Verzug gesetzt worden und müsse das fehlende „Handbuch“ unverzüglich nachliefern. Reinhard Klingen zeigte sich „verärgert und wütend“ vor dem Ausschuss. „Das können wir nicht hinnehmen. Deshalb gehen wir jetzt juristisch vor und prüfen, welche vertraglichen Rechte wir für die Oströhre geltend machen können.“ Regressforderungen seien jedoch erst möglich, wenn die Firma eine Leistung erbracht hat, die die WSV und der Tüv kontrollieren und abnehmen können. „So weit sind wir noch nicht.“

Erst Ende Januar war bekannt geworden, dass sich die Fertigstellung der Oströhre von Ende Februar auf Mai verzögern werde. Klingen wollte sich gestern nicht darauf festnageln lassen, ob mit dem Abschluss der Arbeiten wirklich noch vor dem Sommer zu rechnen ist. Das Vertrauen in das Firmen-Konsortium sei nachhaltig gestört. Unter diesen schlechten Bedingungen werde noch immer über einen Zeitplan für die Bauarbeiten an der zweiten Röhre verhandelt. „Es bleibt dabei: Mit der Weströhre wird erst begonnen, wenn ein verbindlicher Bauzeitenplan vorliegt“, so Klingen. Wann es dazu komme, sei nicht absehbar. Wenn die Oströhre vorher fertig wird, werde eine Baupause eingelegt. In dem Fall werde der Tunnel vierspurig befahrbar sein, „das können wir technisch garantieren“, so Klingen.

Unter den mehr als 20 Gästen der Ausschuss-Sitzung meldete sich auch Michael Thomas Fröhlich zu Wort. Der Geschäftsführer des Unternehmensverbandes bat Klingen darum, eine mögliche Baupause auf die Bauarbeiten an der Rader Hochbrücke im Frühjahr abzustimmen, denn wenn das Bauwerk verstärkt werde, stehe nur jeweils ein Fahrstreifen zur Verfügung. Fröhlich erwarte ein Verkehrschaos in der Region, wenn in dieser Zeit auch der Kanaltunnel nur eine Spur für jede Richtung biete. „Die Nerven in der regionalen Wirtschaft liegen bereits blank“, sagte er. Seit dem 1. Januar 2014, als der Tunnel ursprünglich fertig sein sollte, haben die Verzögerungen einen Schaden von 26 Millionen Euro verursacht, rechnete Fröhlich vor.

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erstellt am 24.Feb.2016 | 13:06 Uhr

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