Rendsburg-Eckernförde : Polizisten rufen um Hilfe – per Brief

.
Foto:
1 von 3
.

Stellenabbau bei immer mehr Aufgaben: Gewerkschaft prangert Missstände in einem Schreiben an Kreistagsabgeordnete an.

shz.de von
19. Januar 2015, 09:35 Uhr

Mit einem Brandbrief hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) auf die Situation ihrer Mitglieder im Gebiet der Polizeidirektion Neumünster hingewiesen. „Machen Sie sich für Ihre Polizei in der Landespolitik stark!“, fordern die Verfasser in dem Schreiben auf. Darin nehmen sie kein Blatt vor den Mund: Stellenstreichungen, zu hohe Belastungen, Sonderaufgaben – die Polizei im Kreis Rendsburg-Eckernförde und der Stadt Neumünster steht am Rand ihrer Leistungsfähigkeit. Gerichtet war das Schreiben an den Polizeibeirat des Kreises Rendsburg-Eckernförde. Der besteht aus den Mitgliedern des Hauptausschusses. Damit wendet sich die Gewerkschaft an den Kreistag und seine Abgeordneten.

„Das kommt wie ein Hilferuf bei uns an“, sagte Jörg Hollmann (CDU), Vorsitzender des Hauptausschusses und damit des Polizeibeirats. Er halte es für richtig, dass die Gewerkschaft der Polizei auf diese Weise auf die Probleme der Beamten aufmerksam mache.

In dem Brief prangert sie den Stellenabbau bei der Polizei an, während immer neue Aufgaben auf die Beamten zukommen. Bereits vor Jahren sei von der Landesregierung festgestellt worden, „dass der Polizei 160 Kollegen für ihr Aufgabenfeld fehlen, und das, obwohl wir uns im Lande noch nicht den Rockern entgegenstellen mussten und Cybercrime noch ein Fremdwort war“, heißt es in dem Brief. „In naher Zukunft sollen weitere 282 Stellen abgebaut werden!“ Dem gegenüber stehen den Polizisten zufolge allein in der Direktion Neumünster „weitere personalintensive Herausforderungen unmittelbar bevor.“

Was damit gemeint ist, erklärt Ulrich Bahr. Er ist als stellvertretender Vorsitzender der Regionalgruppe Mitte der Gewerkschaft der Polizei Mitunterzeichner des Briefes. „Wir sind gebeutelt, weil wir seit 1999 das Erstaufnahmelager für Flüchtlinge mit eigenen Kräften betreuen“, sagte Bahr zur Landeszeitung. Dafür seien der Polizeidirektion einmal sieben zusätzliche Stellen versprochen worden, die aber nie angekommen seien. Für die Außenstelle in Boostedt waren zudem weitere vier versprochen – insgesamt fehlten also bereits elf Stellen. Außerdem stehe der Ausbau der Autobahn 7 an.

„Aus Erfahrung wissen wir, dass dafür mehr Einsatzkräfte notwendig sind. Bei Unfällen müssen wir schnell vor Ort sein, um diese wichtige Nord-Süd-Achse am Laufen zu halten.“ Es sei aber schon jetzt klar, dass aus anderen Direktionen keine Unterstützung zu erwarten sei. „Die Decke ist überall zu kurz“, kritisierte Bahr.

Die vorgeschriebene Mindestpräsenz könne immer häufiger nicht eingehalten werden, berichtet die Gewerkschaft in dem Brief an den Polizeibeirat. „Das heißt, die erforderlichen Streifenwagen fehlen in den Städten wie auf dem Land.“ Das liege an Sondereinsätzen wie Fußballspiele, Rockerkontrollen, Demonstrationen – auch außerhalb Schleswig-Holsteins – und an dem hohen Krankenstand unter den Polizisten. „Wartezeiten für den Bürger von 45 Minuten und mehr sind – auch bei Soforteinsätzen – keine Ausnahmen mehr. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass das keine Regelmäßigkeit wird!“, fordern die Polizisten die Politiker auf. Laut Ulrich Bahr droht die Gefahr, dass die Polizei sich immer weiter von den Bürgern entferne. „Das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung ist im Keller“, sagte er. Tatsächlich sind erst Ende 2014 mehrere kleine Polizeistationen in Rendsburg-Eckernförde geschlossen worden. Hohn, Hamdorf, Schacht-Audorf, Groß Vollstedt, Waabs und Fleckeby waren von den Plänen betroffen. Die Beamten wurden auf andere Stationen verteilt. Deshalb wollte die Polizeiführung nicht von einem Rückzug aus der Fläche sprechen.

Mit einem Zitat eines Ehepaars aus einer Gemeinde in Rendsburg-Eckernförde, das unerkannt bleiben will, verdeutlicht die Gewerkschafts-Regionalgruppe jedoch das Gegenteil in ihrem Brief: „Wenn ich nachts Geräusche von Einbrechern höre, rufe ich nicht die Polizei, sondern die Feuerwehr. Da weiß ich wenigstens, dass die in ein paar Minuten da sind!“

„Die Verantwortlichen müssen sich Gedanken machen, wie die Polizei neu aufgestellt werden soll“, begründete Ulrich Bahr den Brief. Jörg Hollmann sagte dazu: „Unser Einfluss ist gering. Wir können nur versuchen, den politischen Druck zu erhöhen. Die Landespolitik ist gefordert.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen