Infostand in der Innenstadt : Polizei Rendsburg warnt vor falschen Kollegen

So sieht das Original aus: Oberkommissar Jörg Fischer zeigt seinen „Polizei-Dienstausweis“. Alle schleswig-holsteinischen Polizeibeamten müssen dieses Dokument mit sich führen.
So sieht das Original aus: Oberkommissar Jörg Fischer zeigt seinen „Polizei-Dienstausweis“. Alle schleswig-holsteinischen Polizeibeamten müssen dieses Dokument mit sich führen.

Immer wieder werden vor allem Rentner Opfer falscher Polizisten. Doch wie erkennt man einen Betrüger?

shz.de von
12. April 2018, 10:00 Uhr

Rendsburg | Der Polizeibeamte Jörg Fischer trägt Uniform. Der Oberkommissar ist ein echter Polizist. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Immer häufiger geben sich Betrüger als vermeintliche Beamte aus, um an Geld oder Wertgegenstände ihrer Opfer zu kommen. Die Zahl der polizeibekannten Fälle hat sich innerhalb eines Jahres mehr als vervierfacht.

Die Polizei will die Bürger vor falschen Kollegen warnen. Daher gingen Fischer und sein Kollege Holger Tramm am Mittwochvormittag in die Rendsburger Innenstadt, um mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Beide gehören der Präventionsstelle der Polizeidirektion Neumünster an. Ihren Info-Stand bauten sie neben dem Wochenmarkt auf. Viele Senioren waren dort unterwegs, um einzukaufen. Ältere Menschen werden besonders häufig Opfer von Betrugsversuchen, berichtet Tramm. Er war deshalb erfreut, dass viele Marktbesucher sich von den Polizisten beraten ließen.

Beratung auf dem Marktplatz: Jörg Fischer erklärt Rentnerin Maria Horn (85), wie sie die Identität eines Beamten überprüfen kann.
Beratung auf dem Marktplatz: Jörg Fischer erklärt Rentnerin Maria Horn (85), wie sie die Identität eines Beamten überprüfen kann.
 

So auch Maria Horn. Die 85-Jährige hatte von der Zunahme falscher Beamter gehört. Sie wollte erfahren, wie sie einen echten Polizisten erkennt. Wiederholt habe sie gehört, man solle sich den Ausweis zeigen lassen, „aber ich weiß gar nicht, wie der aussieht“. Um dies zu ändern, zeigte ihr Holger Tramm seinen Dienstausweis. Das Dokument erinnert an den alten Führerschein. Doch auch jüngere Beamte weisen sich mit dem Papier aus. Name, Dienstgrad und Ausweisnummer sowie das Polizeiwappen sind auf diesem zu sehen. Auf der Rückseite befindet sich ein Foto.

Fischer riet aber gleichzeitig, sich nicht nur auf das Dokument zu verlassen. Wenn vermeintliche Beamte vor der Haustür stehen, sollte man die Tür nur mit Sicherheitskette öffnen und die 110 wählen, um die Identität des Gegenübers zu klären. Vor allem bei Einsatzkräften in Zivil sei Misstrauen angebracht. Von Betrügern in Uniform hat er noch nicht gehört. Maria Horn zeigte sich „froh“ über das Informationsangebot. Auch einer Fockbekerin konnten die Beamten weiterhelfen. Sie erhält seit Kurzem viele Anrufe, die ihr suspekt vorkommen. Die Polizisten rieten ihr, sich aus dem Telefonbuch abzumelden und die Nummern verdächtiger Anrufer der Bundesnetzagentur zu melden.

Fischer erklärte, wie sich die Betrüger ihre Opfer gezielt aussuchen: Mit einem Programm filtern sie altmodische Vornamen aus dem Telefonbuch. Eine weitere Software sorgt dafür, dass auf dem Display der angerufenen Senioren die 110 erscheint. So sichern sie sich das Vertrauen ihrer Opfer, die anschließend häufig darum gebeten werden, Wertgegenstände an vermeintliche Einsatzkräfte zu übergeben.

Viermal mehr Fälle

Wie wichtig die Aufklärungsarbeit der Polizei ist, zeigt ein Blick in die Statistik. Im vergangenen Jahr wurden landesweit  649 Fälle aktenkundig, in denen Betrüger sich als falsche Polizeibeamte ausgaben. 25 Mal gelangten die Täter an das Geld ihrer Opfer. Zum Vergleich: 2016 wurden nur 152 Taten angezeigt, darunter zwölf, bei denen die falschen Beamten ihr Ziel erreichten. Auch beim klassischen „Enkeltrick“ verzeichnet die Polizei ein Plus – das fällt jedoch sanfter aus: Vergangenes Jahr wurden 447 Taten angezeigt (15 Mal wurde Geld entwendet), 2016 waren es 377 Versuche (19).
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