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Bredenbek : Politisches Statement wurde zum australischen Märchen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bildhauer Jörg Plickat aus Bredenbek wurde mit dem höchsten Kunstpreis des fünften Kontinents ausgezeichnet.

shz.de von
erstellt am 04.Nov.2015 | 12:56 Uhr

Den Jetlag haben sie noch nicht ganz überwunden. Erst vor einigen Tagen sind Jörg Plickat und seine Frau aus dem frühlingswarmen Sydney ins herbstliche Bredenbek zurück gekehrt. Doch trotz Müdigkeit sind sie begeistert. „Den größten Preis eines Kontinents hatte ich noch nicht im Portfolio“, sagt der Bildhauer. Er ist Gewinner des mit 60 000 australischen Dollar dotierten „Macquarie Group Sculpture Prize“. Das ist selbst für den erfolgsgewohnten Plickat etwas Besonderes. „Es ist wie ein Märchen.“

Cortenstahl ist eines der bevorzugten Materialen, die Jörg Plickat in seiner Bredenbeker Werkstatt bearbeitet. Gerade hat er wieder Nachschub bestellt. Denn die riesige Skulptur „Divided Planet“ („Gespaltener Planet“) hat nun ihren Platz in Australien gefunden: Bis Ende dieser Woche noch in Bondi Beach, einem Strand von Sydney, an dem die Freiluftausstellung „Sculpture by the Sea“ seit einigen Jahren Kunstgenuss mit Meeresrauschen verbindet, später im Headland Park.

Plickats Werk sind Teile eines gewaltigen Ringes, voneinander abgespalten. „Statt dass die Politiker gemeinsam die dringenden Probleme wie globale Erwärmung und Armut lösen, ist unser Planet in politische Blöcke gespalten, die ihre Energien bei blödsinnigen Auseinandersetzungen verschwenden“, begründete er bei der Preisverleihung den Titel für seine Skulptur. Das Foto von Plickat zwischen den Ringen des Werks entstand übrigens unter erschwerten Bedingungen. Plötzlich fegte vom Pazifik kommend ein gewaltiger Windstoß über das Ausstellungsgelände hinweg, gefolgt von Regenschauern. „Sorry – ich habe dieses Wetter aus Schleswig-Holstein mitgebracht“, entschuldigte sich der Künstler. Er hatte sein Werk in viele Einzelteile zerlegt, damit er es in Containern verschiffen konnte. Zwei Monate lang war die Einzelteile unterwegs, eine Woche lang musste der 61-Jährige sie wieder zusammenschweißen.

60 000 Dollar Preisgeld – das klinge nur nach sehr viel, erklärt der Bildhauer. Das seien zirka 38  000 Euro, und die Summe würde gerade eben Material und Transport abdecken. Aber „Spaßfaktor und Ehre“ sind es ihm wert. Außerdem befinde sich die Skulptur in bester Gesellschaft: sie steht neben einem Werk des Amerikaners Peter Lundberg, der im vergangenen Jahr mit dem australischen Preis ausgezeichnet wurde und von dem in Büdelsdorf neben der ACO-Thormannhalle ein gewaltiger Bogen aus Beton in den Himmel ragt.

Und noch etwas begeistert den Bredenbeker. „Mehr als eine Million Menschen haben das Werk gesehen.“ Denn zu Beginn des Jahres hatte er es schon beim dänischen Ableger von „Sculpture by the Sea“ in Aarhus präsentiert, wo allein am Eröffnungstag 50  000 Besucher gezählt wurden und insgesamt 500 000 bis Ausstellungsende – ebenso viele wie bei der Schau in Sydney.

Auch im fernen China ist Plickat präsent. Er lehrt nicht nur an zwei renommierten Kunsthochschulen, sondern stellt auch aus. „Connecting Hemispheres“ steht in Jiwu, dem historischen Ausgangspunkt der Seidenstraße. Und das nächste Projekt ist schon in Vorbereitung – eine große Ausstellung in Perth, im Westen Australiens. Damit das Werk bis Mitte Februar dort ist, muss es noch vor Weihnachten auf die Reise gehen. Also keine Zeit zum Ausruhen für den 61-Jährigen.

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