Einstimmiger Beschluss : Politik kämpft gegen den Ärztemangel in Rendsburg

Welcher Arzt packt zu und kommt nach Rendsburg?

Welcher Arzt packt zu und kommt nach Rendsburg?

Der Sozialausschuss gab der Verwaltung Prüfaufträge. Es kam die Idee auf, Medizinische Versorgungszentren zu gründen.

23-78030740_23-115712672_1574691082.JPG von
26. November 2019, 17:51 Uhr

Vor gut sechs Jahren warnte der Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang  Reinke aus Mastbrook öffentlich vor einem Ärztemangel in Rendsburg. „Damals ist das in allen Fraktionen nicht so richtig ernst genommen worden“, räumte Dr. Manfred Schuckart (CDU), Chirurg in Rickert und Mitglied des Sozialausschusses, während der Sitzung des Gremiums am Montag ein. Inzwischen zeichnet sich ab, dass Reinkes Prophezeihung Realität wird. Wie berichtet, hören Ende 2020 mindestens sieben Ärzte in Rendsburg auf.

Politik gibt der Verwaltung drei Aufträge

Jetzt hat die Politik das Thema aufgegriffen. Am Montag gab der Sozialausschuss der Verwaltung einstimmig drei Aufträge: Erstens soll sie ermitteln, wie viele Ärzte es gibt und wie sich deren Zahl entwickeln wird. Zweitens soll sie die Kreisverwaltung fragen, ob diese zusammen mit Institutionen wie der Kassenärztlichen Vereinigung Initiativen gegen den Ärztemangel plant. Drittens will der Ausschuss wissen, welche Erfahrungen der Kreis Dithmarschen mit seinem neuen Koordinator für die ambulante Versorgung gesammelt hat. Das Bündnis aus CDU, Grünen, FDP und SSW hatte den Beschluss beantragt.

SPD schloss sich dem Bündnis aus CDU, Grünen, FDP und SSW an

Die SPD schloss sich an und verzichtete darauf, den Bau eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) zu beantragen. „Das ist in dem anderen Antrag mit drin“, sagte Joachim Petersen (SPD).

Die Leute wollen und können nicht mehr den Vollzeitjob machen. Horst Reibisch, Kinderarzt im Ruhestand
 

Ein MVZ könnte Ärzte anlocken, weil es ihnen den Vorteil bietet, im Angestelltenverhältnis zu arbeiten, auch in Teilzeit. „Die Leute wollen und können nicht mehr den Vollzeitjob machen“, sagte Horst Reibisch, Kinderarzt im Ruhestand und Vertreter des Kinderschutzbundes. Auch das Risiko der Selbständigkeit entfiele.

Ein MVZ würde für Rendsburg nicht ausreichen. Wir bräuchten mindestens drei. Dr. Manfred Schuckart, Mitglied des Sozialausschusses
 

Schuckart betonte: „Ein MVZ würde für Rendsburg nicht ausreichen. Wir bräuchten mindestens drei.“ Er führte aus, dass auch Kommunen MVZs gründen können.  „Im Kreis Dithmarschen wurde es umgesetzt. Wir sollten überlegen, ob wir es in Rendsburg auch umsetzen können.“

Die MQR hat ein großes Interesse, zusammen mit der Stadt Strukturen zu etablieren. Horst Reibisch, Kinderarzt im Ruhestand
 

Reibisch empfahl, die Medizinische Qualitätsgemeinschaft Rendsburg (MQR) und die Ärztegenossenschaft Nord in Bad Segeberg mit ins Boot zu holen. „Die MQR hat ein großes Interesse, zusammen mit der Stadt Strukturen zu etablieren.“ Die Vorsitzende Elke Endres (SPD) kündigte an, zur kommenden Sitzung Vertreter dieser Vereinigungen sowie vom Kreis Dithmarschen einzuladen.

Reform des Kita-Gesetzes

Die Landespolitik berät zurzeit über eine Reform des Kita-Gesetzes. Sollte es in Kraft treten, müsste die Stadt Rendsburg in ihren vier Kindergärten  zusätzlich insgesamt 1,58 Erzieherstellen schaffen. Andrea Loose, Leiterin des Fachbereichs Bürgerdienste, empfahl, die Verabschiedung des Gesetzes abzuwarten. Sie rechnet damit, dass es im Januar vorliegt. Das neue Personal müsste erst zum 1. August 2020 eingestellt werden. Für die dann verbleibenden fünf Monate des Jahres sei es haushaltsrechtlich zulässig, Mitarbeiter außerhalb des Stellenplans einzustellen. Die Ausschussvorsitzende Elke Endres gab zu bedenken, dass es schwierig werde, Stellen zu besetzen, die für fünf Monate befristet sind.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen