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Stegner, Kubicki, Günther, Heinold : Politboxen vor der Landtagwahl: Showdown im Boxring

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Top-Riege der Landespolitik traf in der Nordmarkhalle aufeinander.

Rendsburg | Wenn man Politik spannend inszeniert, kann sie sogar an einem Samstagabend die Menschenmassen mobilisieren. Mehr als 500 Zuschauer wollten das „Polit-Boxen“ in der Nordmarkhalle sehen. Zwei Wochen vor der Landtagswahl traf die erste Riege der Landespolitik in einem verbalen Schaukampf aufeinander. SPD-Landeschef Ralf Stegner und Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) gegen den CDU-Spitzenkandidaten Daniel Günther und FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki. Es wurde argumentiert, kritisiert, geschimpft und sogar geflucht.

In 90 Minuten gingen die Akteure auf Einladung des Rendsburger IQ-Instituts für Bildungsdienstleistung einen bunten Strauß an Landesthemen durch. Die Fragen kamen aus dem Publikum. Die Zuschauer gaben auch vor, wer im Boxring die Fragen beantworten und wer die Gegenrede halten soll. Die spontane Konfrontation stand im Mittelpunkt. Wer steht für was? Die Politiker sollten sich voneinander abgrenzen, Oberflächlichkeiten inklusive.

Die Kontrahenten in der Einzelkritik.

Ralf Stegner (SPD), angekündigt als der „Rote Rambo“
Ralf Stegner stellte in Hasloh die Ziele seiner Partei vor.
Ralf Stegner stellte in Hasloh die Ziele seiner Partei vor. Foto:Ute Springer

 

Der Polit-Profi drängt seine Gegner argumentativ gern in die Arme-Sünder-Ecke, stellt sie als unerfahren und fachlich schlecht dar. Doch die Rechnung ging diesmal nicht auf. Seine Angriffe auf Daniel Günther wirkten bisweilen weit hergeholt und wenig überzeugend. Bei den Themen Grunderwerbssteuer und Flüchtlinge hatte er die schlechteren Karten. Keiner im Ring setzte so viele Spitzen ein wie der SPD-Landeschef.  Was einem bei Stegner jedoch stets Respekt abnötigt: Der Mann lässt sich nicht einschüchtern, wirkt prinzipientreu. Als ihn die ganze Halle wegen seiner Äußerungen zur CDU-Flüchtlingspolitik kräftig auspfiff, hielt er lautstark dagegen.

Daniel Günther (CDU), angekündigt als „Black Daniel“
Der CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther im Interview. /Archiv
Der CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther im Interview. /Archiv Foto:Carsten Rehder

 

Auf den Wahlplakaten wirkt er wie der freundliche Konfirmand, der Scheu vor dem Pastor hat. Doch wenn’s drauf ankommt, kann er knallhart austeilen. Hielt der Landesregierung sachlich, aber prägnant eine Fülle von Versäumnissen und Fehlern vor. Je aggressiver Stegner wurde, umso souveräner wurde Günther. Er nahm den Genossen gleich bei mehreren Themen auseinander, zum Beispiel als es um die hohe Schulabbrecherquote ging. In der Flüchtlingsdebatte wurde er emotional und ließ sich von Stegner nicht in die rechte Ecke stellen. Der CDU-Mann lieferte eine überzeugende Leistung ab. Er bekam viel mehr Applaus als sein sozialdemokratisches Gegenüber.

Monika Heinold (Grüne), „Money-Moni“
Schick muss auch sein: Fürs Foto vorm Leuchtturm Holtenau verzichtete Monika Heinold auf die grüne Jacke.
Schick muss auch sein: Fürs Foto vorm Leuchtturm Holtenau verzichtete Monika Heinold auf die grüne Jacke. Foto: Michael Staudt

 

Die einzige Frau und zierlichste Person im Ring, aber unterbügeln ließ sie sich nicht. Die Finanzministerin war die Überraschung des Abends. In der Sache hart, aber dennoch charmant vertrat sie ihre Positionen. Dabei gelang es ihr sogar, das HSH-Nordbank-Desaster noch als Pluspunkt zu verkaufen, frei nach der Devise: „Wir räumen die Trümmer weg, die andere uns hinterlassen haben.“ Als Wolfgang Kubicki ihr zu Unrecht vorhielt, Unternehmer pauschal als Verbrecher zu betrachten, nahm sie ihn dafür ins Kreuzverhör – und gewann. Bekam sogar von CDU-Anhängern Beifall.

Wolfgang Kubicki (FDP), „Die liberale Eminenz“
FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki vor einem Wahlkampfplakat.
FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki vor einem Wahlkampfplakat. Foto:dpa

 

In der Muppet-Show wäre Kubicki einer der beiden Alten in der Loge, die mit beißender Ironie alles auseinandernehmen, was auf der Bühne geschieht. Er hatte zu allem etwas Pointiertes zu sagen, allerdings nicht immer tiefschürfend – so erwischte ihn Monika Heinold mit der Frage, was er denn beim HSH-Nordbank-Desaster besser gemacht hätte als die Regierung. Zu Stegner war Kubicki  aggressiver: „Wenn Sie Spitzenkandidat wären, läge die SPD bei 20 Prozent.“ Kubickis Art, sich als „Anwalt der kleinen Leute“ zu verkaufen, machte ihn in der Nordmarkhalle zum Publikumsliebling.

 

Dabei entstanden spektakuläre Rede-Duelle. Die größten Emotionen löste eine Diskussion darüber aus, ob man abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan abschieben dürfe. Günther und Kubicki waren im Rahmen rechtstaatlicher Regeln dafür, Stegner und Heinold lehnten es ab, die Menschen in ein „unsicheres Land“ zu bringen. Als Stegner nachlegte und Günther vorwarf, er habe im Landtag gegen Flüchtlinge gehetzt und übernehme teilweise rechtpopulistische Parolen, sah sich der SPD-Mann einem gellenden Pfeifkonzert ausgesetzt. Während Günther die Äußerungen des politischen Gegners lautstark als „bodenlose Unverschämtheit“ bezeichnete, wandte sich Stegner an das Publikum: „Pfeifen Sie ruhig, die Humanität siegt im Land, das sag’ ich Ihnen“.

Günther und Kubicki provozierten ihre politischen Gegner vor allem dann, wenn sie den Eindruck erweckten, dass die Landesregierung eine Politik gegen die kleinen Leute betreibe. Das Land habe die höchste Schulabbrecherquote in der Bundesrepublik und sei auch bei der Grunderwerbssteuer ganz vorn dabei, die die Kieler Koalition auf 6,5 Prozent erhöht hat. „Damit ist das Land beim Wohnraum der größte Preistreiber, das ist unsozial“, sagte Günther, worauf Stegner erwiderte, dass die Menschen bei einem Hauskauf heute deutlich weniger belastet seien, weil die Zinsen so niedrig sind. Sollten die Zinsen steigen, könne man auch über eine Verringerung des Steuersatzes reden. Damit gaben sich Günther und Kubicki nicht zufrieden. Sie versprachen ihren Wählern, die Steuer nach einem Wahlsieg zu senken – ohne Wenn und Aber.

Die Polizei sicherte die Veranstaltung mit zahlreichen Einsatzkräften.
Die Polizei sicherte die Veranstaltung mit zahlreichen Einsatzkräften.
 

Kubicki und Heinold stritten sich vor allem über die HSH-Nordbank und die Windkraft. Kubicki forderte Heinold zu weniger Planwirtschaft und mehr Wettbewerb auf. Die Windkraft werde hochsubventioniert. Die Netzentgelte seien viel zu hoch. Heinold hielt dagegen, dass man daran im Bundestag arbeite. Zudem sei auch der Atomstrom stets subventioniert gewesen, wenn man die hohen Kosten für die Entsorgung des „Scheiß-Mülls“ miteinbeziehe, so die Ministerin.

Seitenhiebe gab es bis zum Schluss, auch bei der Frage, ob die Akteure ein weiteres Mal am Polit-Boxen teilnehmen würden. Stegner sagte: „Mit dem allergrößten Vergnügen. Bei so schwachen Gegnern macht das Spaß.“ Kubicki konterte: „Ja, ich mache mit, auch wenn Herr Stegner sich nicht in meiner Gewichtsklasse befindet.“

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erstellt am 24.Apr.2017 | 07:26 Uhr

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