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Ahnengalerie in Rendsburg : Platzverweis für NS-Landräte

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Ahnengalerie im Rendsburger Kreishaus wird umgestaltet. Die Bilder mit den Landräten der NS-Zeit sollen nicht länger unkommentiert bleiben. Außerdem werden 25.000 Euro in die wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas investiert.

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erstellt am 13.Dez.2013 | 06:15 Uhr

Rendsburg | Noch ist sein Porträt eines von vielen in der langen Reihe von 36 Landräten, alle in gleich großen Rahmen, mit Namen und Amtszeit versehen. Doch diese Art der Würdigung soll ein Ende haben. Das Bild mit dem umstrittenen Waldemar von Mohl, der in das NS-System verstrickt war, wird umgehängt. Gemeinsam mit den Ablichtungen weiterer Verwaltungschefs der Nazi-Zeit soll das Foto zu einer Gruppe zusammengefasst und mit einem Hinweis zum Nationalsozialismus versehen werden.

Die Entscheidung zur Umgestaltung der Ahnengalerie im „Raum 169“ im Rendsburger Kreishaus fiel in der Sitzung des Hauptausschusses am Mittwoch einstimmig. Die Mitglieder waren überzeugt, dass die Bilder der Verwaltungschefs, die im „Dritten Reich“ amtierten, nicht länger unkommentiert an der Stirnseite des Sitzungszimmers hängen bleiben dürfen. „Die Landräte waren unbestritten ein Teil des Systems“, sagte Kreispräsident Lutz Clefsen. Zwar sei dieses Thema in den Vorjahren schon wiederholt besprochen worden – allerdings ohne Ergebnis. „Es ist jetzt eine gute Zeit, mit der Aufarbeitung zu beginnen.“

Die aktuelle Debatte, wie mit den NS-Landräten in der Galerie umgegangen werden soll, war ausgelöst worden durch ein Gutachten über Waldemar von Mohl, der von 1933 bis 1945 die Segeberger Kreisverwaltung leitete und zuvor von 1921 bis 1932 im ehemaligen Kreis Bordesholm Landrat war. Ebenso wie in Rendsburg hängt sein Bild in der Ehrengalerie im Segeberger Kreishaus, ohne weitere Erklärung. Die Segeberger hatten die Studie beim Institut für Schleswig-Holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte der Universität Flensburg in Auftrag gegeben, um die Rolle von Waldemar von Mohl im „Dritten Reich“ zu klären.

In ihrem Bericht fassen die Wissenschaftler zusammen: Ein Demokrat nach heutigem Verständnis sei von Mohl nicht gewesen. Er habe funktioniert und sich in den Dienst eines Unrechtsregimes gestellt. In die NS-Rassenpolitik und Zwangsenteignung von jüdischen Grundbesitzern sei er durch weitreichende Kenntnis verstrickt gewesen. Die Historiker geben den Kommunalpolitikern in Bad Segeberg abschließend auch einige Empfehlungen zur Umgestaltung der Galerie. Die Vorschläge reichen von Kurzkommentaren bis zu einer Dokumentation. Vom Abhängen des Bildes raten die Experten ab.

Auch die Mitglieder des Hauptausschusses in Rendsburg lehnen es ab, die „belasteten“ Bilder sang- und klanglos zu entfernen. „Das bringt keine Erkenntnis“, meinte Kai Dolgner (SPD). Es sei allerdings auch keine Lösung, die Galerie in ihrer jetzigen Form bestehen zu lassen. So tauche zum Beispiel das Foto von Theodor Steltzer, Landrat von 1920 bis 1933 in Rendsburg, in einer Reihe mit seinem Nachfolger Wilhelm Hamkens auf, der als Nationalsozialist eine steile Karriere machte. „Steltzer hängt direkt neben seinem Verfolger“, sagte Dolgner. „Das ist kein Zustand.“

Die derzeitige Präsentation der ehemaligen Landräte in dem Raum, in dem auch der Hauptausschuss tagte, soll daher umfassend geändert werden. Zunächst sollen im ersten Quartal des neuen Jahres die Aufnahmen nach Epochen gruppiert werden: Kaiserzeit, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Bundesrepublik. Doch die räumliche Trennung der NS-Landräte von den übrigen Verwaltungschefs soll nur der erste Schritt sein. Nach einem Vorschlag des Landrats Rolf-Oliver Schwemer stimmten die Ausschussmitglieder zu, 25 000 Euro im Haushalt bereit zu stellen, um die Geschichte der NS-Landräte in der Region wissenschaftlich aufzuarbeiten. Die Verwaltung wird den Auftrag zu der Studie ausschreiben. Die Ergebnisse sollen in die Umgestaltung der Bilderreihe einfließen und die Hintergründe zu den „braunen Flecken“ in der Ahnengalerie erhellen.

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