Kitas in Rendsburg : Plätze in den Krippen sind Mangelware

Der Kita-Alltag beschränkt sich längst nicht mehr nur auf die letzten Jahre vor der Einschulung. Bereits Einjährige werden vermehrt in die Betreuung gegeben. Die Nachfrage übersteigt das Angebot.
Der Kita-Alltag beschränkt sich längst nicht mehr nur auf die letzten Jahre vor der Einschulung. Bereits Einjährige werden vermehrt in die Betreuung gegeben. Die Nachfrage übersteigt das Angebot.

Die Stadt legt neue Zahlen zur Situation in den Kitas vor. 116 Krippenplätze fehlen.

shz.de von
13. April 2018, 10:59 Uhr

Rendsburg | Braucht die Stadt überhaupt weitere Kindergartenplätze? Noch vor wenigen Jahren wurde über diese Frage in der Rendsburger Lokalpolitik erbittert gestritten. Inzwischen ist unter den Fraktionen weitgehend Konsens: An einer Erweiterung des Angebots führt kein Weg vorbei. Der Zuzug vieler auswärtiger Kinder und ein allgemeiner Babyboom in Deutschland, der auch vor Rendsburg nicht Halt macht, setzen die Kommune unter Zugzwang. Sie könnte von Eltern verklagt werden, falls nicht ausreichend Plätze zur Verfügung stehen.

Ziel ist ein Versorgungsgrad von 35 Prozent. Im Rathaus geht man davon aus, dass so viele Kinder eines Jahrgangs den Betreuungsplatz tatsächlich in Anspruch nehmen werden. Besonders groß ist der Bedarf im Norden von Rendsburg. In und um Mastbrook sowie in den östlichen Stadtteilen Schleife und Parksiedlung leben mit Abstand die meisten Jungen und Mädchen vom Baby- bis zum Vorschulalter. Von rund 1800 Kindern aus dieser Altersspanne entfallen knapp 1000 auf die beiden Bezirke an den Flanken des Stadtgebiets. Das geht aus einer neuen Übersicht aus dem Rathaus hervor, mit der sich der Sozialausschuss am kommenden Montag in öffentlicher Sitzung beschäftigen wird (18 Uhr, Altes Rathaus).

Geburtenzahlen wie zur Zeit der Bundeswehr

Das Gremium hatte auf Drängen der SPD-Fraktion im Februar mehrheitlich dafür gestimmt, eine Million Euro in den Haushalt einzustellen, um den Bau einer neuen Kita im Stadtnorden zu ermöglichen. Die Umsetzung ist für 2020 vorgesehen. Als Standort sind die Heitmann’schen Koppeln im Gespräch. Noch steckt das Projekt in den Lauflernschuhen. Im aktuellen Bebauungsplan ist kein geeignetes Grundstück auf dem Gelände südlich des Kronwerker Moors vorhanden. Auch mit diesem Thema wird sich der Sozialausschuss am Montag deshalb ausführlich befassen.

Vorgelegt wird außerdem die im März aktualisierte Kita-Bedarfsplanung. Nach Berechnungen des Fachdienstes Familie muss vor allem der Krippenbereich weiter ausgebaut werden. Gemeint sind Plätze für Kleinkinder, die jünger als drei Jahre alt sind. Hier fehlen laut Rathaus 116 Plätze. Der Deckungsgrad beträgt lediglich rund 20 Prozent. Anders im Regelbereich (Kinder ab 3 Jahre) – hier liegt der Deckungsgrad bei etwa 90 Prozent.

Ein Blick in die Geburtenstatistik verrät, dass sich der Druck auf die Betreuungsplätze eher erhöhen als verringern wird. Im vergangenen Jahr wurden im städtischen Melderegister 306 Geburten mit Wohnsitz der Mutter in Rendsburg erfasst – so viele wie seit 2000 nicht mehr, als die Bundeswehr noch in voller Truppenstärke in der Stadt zugegen war.

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