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NOK : Plädoyer für eine vollwertige Fähre

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Verkehrsspezialisten aus Neumünster empfehlen einen dauerhaften Schiffs-Pendelbetrieb zwischen Osterrönfeld und Rendsburg. Begründung: Der Fußgängertunnel ist keine gleichwertige Alternative zur zerstörten Schwebefähre.

Im Ringen um angemessenen Ersatz für die im Januar havarierte Schwebefähre lässt Osterrönfeld nicht locker. Jetzt bekommt die 5100-Seelen-Gemeinde Rückendeckung von Verkehrsexperten. Das Wasser- und Verkehrs-Kontor (WVK) empfiehlt den Betrieb einer nach Plan operierenden Fähre auf dem Wasser, bis der an der Hochbrücke hängende Vorgänger wieder startbereit ist.

„Durch die Sperrung der Schwebefähre sind insbesondere die sehr zeit- und umwegeempfindlichen Alltagswege in negativem Maß betroffen“, heißt es in der fünfseitigen Analyse, die von Osterrönfeld in Auftrag gegeben worden war. Die Schwebefähre habe sowohl historisch betrachtet als auch hinsichtlich der Ziele des Nationalen Radverkehrsplans eine große Bedeutung. Um das Radfahren attraktiver zu machen, will die Bundesregierung das Wegenetz um Zentren weiter entwickeln. „Der Ausfall der Schwebefähre konterkariert auf absehbare Zeit die politisch gesteckten Ziele“, kritisieren die WVK-Ingenieure.

Osterrönfelds Bürgermeister Bernd Sienknecht leitete die Stellungnahme an das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) weiter. Die für den Kanal zuständige Behörde stellt ein Schiff nur dann bereit, wenn die Fahrstühle im Fußgängertunnel wegen Pannen oder Reparaturen nicht voll zur Verfügung stehen. Begründung: Mit dem Tunnel sei eine leistungsfähige Ausweichstrecke nahe der Schwebefähre vorhanden.

Dies zweifeln die Fachleute aus Neumünster an. Der örtliche Rad- und Fußgängerverkehr sei erheblich von der Kürze des Weges und dem Kraftaufwand abhängig. In beiden Punkten schneidet der Fußgängertunnel nach ihrer Einschätzung deutlich schlechter ab als die Schwebefähre. Als Beleg führt WVK die Entfernung zwischen dem Kreisverkehr Bahnhofstraße (Osterrönfeld) und der Kreuzung Alte Kieler Landstraße/Kaiserstraße in Rendsburg an. Wer die Schwebefähre nutzte, war 1900 Meter unterwegs (Umwegfaktor    1,00). Deutlich länger ist der Kurs durch den Tunnel; 3500 Meter ergeben einen Umwegfaktor von 1,84. Einen Kompromiss stellt die Ersatzfähre dar. Hier sind 2700 Meter notwendig, um von A nach B zu gelangen. „Die Weglängen liegen im Fall der Ersatzfähre um rund 40 Prozent und im Fall des Fußgängertunnels um rund 80 Prozent höher als der bisherige Weg über die Schwebefähre“, schreiben die Ingenieure. Dies bedeute einen Zeitverlust von sieben Minuten. Weitere Verzögerungen seien beim Zugang zum Tunnel durch die begrenzte Aufnahmefähigkeit der Rolltreppen und Aufzüge zu verzeichnen. Wer nicht warten wolle, könne zwar auf die Treppe ausweichen, aber nicht ohne Kraftaufwand. Durch den Ausfall der Schwebefähre seien die Kapazitäten für den nicht motorisierten Verkehr deutlich eingeschränkt worden. Der bisher einmalige Einsatz einer schwimmenden Fähre am 8. Juni, als 260 Personen befördert wurden, bestätigte nach WVK-Einschätzung die Notwendigkeit eines vollwertigen Pendelbetriebs. „Bereits der einmalige Fähreinsatz erreichte rund 20 Prozent der ursprünglichen Nutzer der Schwebefähre.“

Die Forderung von Osterrönfeld nach einem dauerhaften Ersatzverkehr ist inzwischen politisch beschlossen. Eine entsprechende Resolution verabschiedete der Haupt- und Finanzausschuss am 20. Juni. Die Fähre sollte täglich von 6.45 Uhr bis 18 Uhr verkehren und nach dem Ende der Sommerferien für zunächst zwei Monate den Betrieb aufnehmen, lautet das Gesuch.

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erstellt am 27.Jun.2016 | 19:04 Uhr

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