zur Navigation springen

Mörel : Pilz aus Asien tötet heimische Eschen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

„Falsches Weißes Stängelbecherchen“ befällt Blätter und Triebe. Nur drei von 100 Bäumen der Art überleben. Der wirtschaftliche Schaden ist beträchtlich.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2015 | 06:00 Uhr

Die Esche verschwindet aus den Wäldern im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Bis auf wenige Exemplare fallen die heimischen Bäume einem Schädlingspilz zum Opfer – dem „Falschen Weißen Stängelbecherchen“. „Von 100 Bäumen überleben lediglich drei diese Erkrankung“, schätzt Sören Reimers von der Försterei Haale. Was für das Waldbild und das ökologische Gleichgewicht noch keine gravierenden Folgen hat, ist wirtschaftlich jedoch ein Desaster.

„Wir von den Landesforsten gehen davon aus, dass 90 Prozent der Eschen von dem Pilz befallen sind“, sagt Förster Reimers. Das „Falsche Weiße Stängelbecherchen“ stammt aus Asien und ist erstmals im Jahr 2002 in Deutschland aufgetreten. Im Gegensatz zum heimischen, unschädlichen „Weißen Stängelbecherchen“ dringen die Sporen des asiatischen Pilzes in die Eschenblätter ein und setzen sich dort fest. „Dadurch hindern sie den Baum an der Photosynthese“, erklärt Reimers. Zudem belegen die Pilze mit ihren Myzelien, den Fadengeflechten, die Leitungen in den Blättern bis in die Triebe hinein. Die Folge: Der Trieb stirbt ab. Je weiter sich der Schädling ausbreitet, desto mehr Teile der Esche sterben – erst Zweige, dann ganze Äste, schließlich der gesamte Baum. Dabei ist es laut Sören Reimers egal, ob der Baum zwei oder 150 Jahre alt ist. „Ist er einmal befallen, hat er kaum noch eine Chance.“

Im Gegensatz zu vielen anderen Schädlingen ist der asiatische Pilz nicht durch menschliches Zutun eingeschleppt, sondern hat sich mit Ostwinden – laut Sören Reimers vermutlich über Russland – bis hierher ausgebreitet. Die Sporen verteilen sich über die Luft.

Der heimische Wald verkrafte es, dass eine Art stirbt, weil die Vielfalt stimme, so Reimers. Für die Forstwirtschaft sei der Ausfall jedoch dramatisch. „Die Esche als Wirtschaftsbaum fällt nahezu aus.“ Das 1700 Hektar große Revier der Försterei Haale bestehe beispielsweise umgerechnet aus rund 100 Hektar Eschen. Befallene Bäume an Wegen und Parkplätzen werden gefällt, bevor sie von allein umfallen. Abgesägt werden aber auch kranke Exemplare, obwohl sie noch nicht ganz tot sind, erklärt Reimers. Solange das Holz noch frisch ist, kann es noch vermarktet werden. „Eschenholz ist besonders, weil es biegsam ist.“ Aus dem Material werden Treppen, Möbel und Parkett hergestellt, aber auch Harfen, Barren für Turngeräte und die Stiele für Gartengeräte. Derzeit sei Esche auf dem Holzmarkt zwar günstig, weil wegen der Krankheit viel davon gefällt werde. Aber in einigen Jahren werde das Holz knapper – dann steige der Preis.

Als Ersatz werden etwa Ulmen, Erlen, Stieleichen und Hainbuchen gepflanzt. Viele der kranken Bäume lässt Reimers auch stehen, sofern sie sich mitten im Wald befinden. Das biete Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Ganz verschwinden werde die Esche aus dem heimischen Wald jedoch nicht, ist sich Sören Reimers sicher. Einige Exemplare seien resistent – und die breiteten sich schließlich aus. Das führe jedoch nicht dazu, dass der Bestand wieder auf das alte Niveau steigt.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen