Pilot-Projekt mit Tablet-Computer

Rechner statt Papier: Fluglehrer Frank Plumhoff (li.) und Co-Pilot Jörn Tannen mit einem iPad im Cockpit einer Transall.  Foto: höfer
Rechner statt Papier: Fluglehrer Frank Plumhoff (li.) und Co-Pilot Jörn Tannen mit einem iPad im Cockpit einer Transall. Foto: höfer

Das LTG 63 in Hohn testet den iPad im militärischen Flugbetrieb / Weniger Papier und frischere Daten im Cockpit / Zwei Geräte in jeder Transall

shz.de von
31. August 2011, 06:54 Uhr

Hohn | Im Cockpit der Transall prallen neuerdings Welten aufeinander. Vor den Piloten befindet sich Technik aus den 70-er Jahren, zwischen ihnen ein Kultobjekt aus diesem Jahr. Oberleutnant Jörn Tannen (26) vom Lufttransportgeschwader (LTG) 63 in Hohn hält einen iPad 2 in den Händen. Neben dem Co-Piloten sitzt Oberstleutnant Frank Plumhoff. Der 44-jährige Kommandant und Fluglehrer deutet auf die vielen Anzeigen wie Höhenmesser, Kompass, Fahrtmesser. Die Flugnavigation an Bord des Transportflugzeugs reicht noch am weitesten in die Neuzeit. Alles andere ist hydraulisch, elektrisch, Jahrzehnte alt. "In Fliegerkreisen werden diese Instrumente auch Eieruhren genannt", sagt Plumhoff.

Und ausgerechnet hier hält der neueste Apple Einzug. Es ist ein Pilot-Projekt im doppelten Wortsinn: Als erster Luftwaffenverband der Bundeswehr testet das LTG 63 den Tablet-PC im militärischen Flugbetrieb. In jeder Transall sind seit dieser Woche neben der normalen Ausrüstung zusätzlich zwei iPads mit an Bord. Ein Argument, den Truppenversuch zu starten, wiegt schwer - bis zu einen Zentner. So viel bringen die mit Karten und Vorschriften gefüllten Pilotenkoffer auf die Waage. Die so genannten "Navkits" voller Papier könnten auf lange Sicht durch den elektronischen Pilotenkoffer ersetzt werden. Gewichtsersparnis: 1,5 Kilogramm statt bis zu 50.

"Wir loten zunächst die Machbarkeit aus", sagt Plumhoff. "Wie sieht das Einsatzprofil speziell für den deutschen Lufttransport aus?" Der Probebetrieb mit 15 iPads sei diese Woche gut angelaufen. "Damit können wir unseren Flugbetrieb abdecken", sagt der Kommandant. Ganz bewusst habe man sich entschieden, die Digitalisierung des Cockpits schon jetzt voranzutreiben, erklärt Plumhoff. "Wir nutzen unser bewährtes System Transall, bevor wir uns mit der Einführung eines neuen Luftfahrzeugs beschäftigen." Gemeint ist der künftige Militärtransporter A400M. Und in der Transall ist vieles Routine - dort haben die Piloten eher Zeit, sich einer neuen Technik zu widmen, als später in einem Airbus, in dem alles neu ist.

Zweiter Vorteil des iPads gegenüber dem Ballast aus Papier: Die Borddokumentation kann laufend aktualisiert werden, förmlich wie im Flug. Anders als die gedruckten Luftfahrtveröffentlichungen. Angaben zu Flugrouten und Funkfrequenzen werden in der Regel nur einmal im Monat erneuert. "Und die Chance, dass sich da ein Fehler einschleicht, ist höher als bei einem Computer", sagt Co-Pilot Tannen. Der 26-jährige Oberleutnant nutzt den iPad auch privat, dann natürlich sein eigenes Exemplar. Heute fliegt er nach Sardinien und wird dabei den dienstlichen Tablet-Computer mit in die Luft nehmen.

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