Rendsburgs Bürgermeister : Pierre Gilgenast: "Kein Geld zu haben, bremst"

Das Dilemma des Bürgermeisters: Pierre Gilgenast ist auch angetreten, um die Innenstadt zu beleben...
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Das Dilemma des Bürgermeisters: Pierre Gilgenast ist auch angetreten, um die Innenstadt zu beleben...

Seit einem halben Jahr ist Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast im Amt. Der Verwaltungschef zieht eine Zwischenbilanz - und bittet bei Großprojekten um Geduld.

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29. Juni 2013, 10:59 Uhr

Rendsburg | Ein halbes Jahr ist Bürgermeister Pierre Gilgenast im Amt. Was hat er erreicht? Und was nicht? Die Landeszeitung hat den Verwaltungschef zu ausgewählten Punkten befragt und um eine ganz persönliche Zwischenbilanz gebeten. Die Einschätzung unserer Redaktion zum Stand der Dinge - und die Ansicht von Gilgenast im direkten Vergleich:
Das Stadtmarketing - die beteiligten Akteure kommen nicht voran.
Das "neue" Konzept wurde bereits im März von der Ratsversammlung genehmigt. Seitdem hat sich nichts getan. Die in dem Konzept als "sofort umsetzbare Projekte" bezeichneten Punkte wie die Aktivierung des Wochenmarktes oder die Schaffung eines neuen Stadtslogans sind nicht angegangen worden. Selbst der erste technische Schritt, die Bürogemeinschaft von Susanne Mau (Stadt Rendsburg), Anke Samson (RD-Marketing) und Monika Heise (Tourismus Mittelholstein), ist noch nicht vollzogen. Business as usual - mitten in der Saison.
Gilgenast dazu: "Das kann man so nicht sagen", erklärt der Bürgermeister. "Ein neues Logo für die Stadt ist in Arbeit. Wir sind allerdings noch nicht ganz soweit, es der Öffentlichkeit vorzustellen. Wir wollen aber auf jeden Fall die Bürger beteiligen." Auch in Sachen Zusammenzug sei man auf einem guten Weg. Vertreter der drei beteiligten Organisationen würden sich demnächst zusammensetzen und die weiteren Schritte besprechen. "Es ist unter anderem auch vorgesehen, die Tourist-Information für die Gäste leichter auffindbar zu machen." Gilgenast gab zu bedenken, dass die Beteiligten auch noch andere Aufgaben haben - zum Beispiel die Organisation von Rendsburger Herbst, Brückenjubiläum und anderer Veranstaltungen. "Die Impulse für neue Projekte im Stadtmarketing müssen wohl vom Bürgermeister kommen", so Gilgenast.
Konversion Eiderkaserne - auch hier geht es nur schleppend voran.
Einen Teil des Geländes hat das Krankenhaus gekauft, das Stabsgebäude ist zum naturwissenschaftlichen Zentrum geworden, und ein weiteres Gebäude ist veräußert worden. Damit hat es sich.
Gilgenast dazu: "Ich würde mir auch wünschen, dass es schneller voran geht." Aber wenn man kein Geld habe und auf Fördermittel angewiesen sei, müsse man eben Kompromisse eingehen und auch viel Geduld aufbringen.

Das politische Klima in Rendsburg ist nach wie vor vergiftet.
Vor der ersten Ratsversammlung wurde auf einer Pressekonferenz weitgehende Einigkeit zwischen den Fraktionen dargestellt. In der Sitzung war dann alles wie immer. Wenn nicht gar schlimmer.
Gilgenast dazu: "Das habe ich anders wahrgenommen. Es gibt durchaus den Willen zur Gemeinsamkeit. Das habe ich in den vorbereitenden Gesprächen immer wieder gespürt." Dass es in der Ratsversammlung anders kam, sei unglücklich gewesen. Wenn Klaus Schaffner nicht auf der Grünen-Mitgliederversammlung ein klares Nein zu den Absprachen bekommen hätte, wäre auch alles nach Plan gelaufen, meint der Bürgermeister. Er persönlich ist der Meinung, dass Rendsburg keine Titel wie "Senat" oder "Stadtpräsidentin" brauche. Das Verhältnis zwischen Politik und Verwaltung sei entspannter geworden. "Auf das, was zwischen den politischen Fraktionen läuft, habe ich nur wenig Einfluss. "Das müssen die untereinander regeln."
Es fehlt der große Wurf - ein von Gilgenast angestoßenes Projekt mit Signalwirkung.
Gilgenast hatte ein halbes Jahr Zeit, sich gedanklich auf das Amt vorzubereiten. Der gleiche Zeitraum ist seit seinem Dienstbeginn vergangen. In bleibender Erinnerung ist bislang keine seiner Amtshandlungen geblieben. Zwar gibt es viele kleine Fortschritte, vor allem bei Ausbau und Modernisierung der Schulen und Kitas. Doch einen "Big Point" hat der Rathauschef nicht für sich verbuchen können.
Gilgenast dazu: Er habe viel Zeit damit verbracht, Gespräche zu führen. Nicht nur im Rathaus selbst, sondern auch mit den Bürgern, versichert der Verwaltungschef. "Es dauert lange, eine Verwaltung wieder in Schwung zu bringen. Jetzt ist mehr Bewegung in der Stadt, mehr Rücksprache aus der Bevölkerung." Gleichzeitig seien ihm durch die Überschuldung Grenzen gesetzt. "Kein Geld zu haben, macht wenig Spaß und bremst auch." Natürlich müsse man sich um die Sorgen der Stadt kümmern. "Aber wir müssen auch einen Blick darauf haben, was wir schon erreicht haben und was wir noch erreichen können."

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