Amtsgericht Rendsburg : Pflegehelferin stiehlt Geld – Bewährung

Das Amtsgericht  soll besser gesichert werden.
Das Amtsgericht soll besser gesichert werden.

Ältestes Opfer war 95 Jahre alt / Polizei legte Falle

Avatar_shz von
14. Februar 2018, 13:54 Uhr

Zuerst ist die Angeklagte noch von ihrer Unschuld überzeugt. Ohne Anwalt erscheint die 43-Jährige vor dem Rendsburger Amtsgericht. „Das stimmt alles nicht“, sagt sie zum Richter Jörg Napirata. „Ich habe nie Geld entwendet, ich bin da, um die Leute zu pflegen.“

Laut Anklage hatte die Rendsburgerin auch anderes im Sinn. Sie wird beschuldigt, im vergangenen Jahr insgesamt 485 Euro bei Hausbesuchen aus dem Besitz der Bewohner entwendet zu haben. Die 43-Jährige war für eine Pflegefirma in Rendsburg tätig. Nun ist sie arbeitslos. Ihr ältestes Opfer war 95. Drei Mal klappte der Diebstahl, 260 Euro, 200 Euro und 25 Euro waren plötzlich weg. Beim vierten Mal schnappte die Falle der zwischenzeitlich eingeschalteten Polizei zu. Die Beamten hatten fingierte Geldnoten ausgelegt. Sie wurden später bei der Rendsburgerin gefunden – zusammen mit den leeren Geldbörsen der Opfer.

Auch dafür hat die 43-Jährige vor Gericht zunächst eine Erklärung parat: Das Geld und die Portemonnaies habe sie mitgenommen, um für die Bewohner Einkäufe zu erledigen. Das Geld habe dann ein Bekannter entwendet. „Mein Fehler, ich habe ihn mit auf Tour genommen.“

Dass die Beschuldigte Minuten später doch noch gesteht und mit zehn Monaten Haft auf Bewährung und 80 Stunden Sozialarbeit davonkommt, hat sie dem wohlwollenden Richter zu verdanken. Jörg Napirata macht der Rendsburgerin ein Angebot. Er habe „große Zweifel“ an ihren Schilderungen. „Es gibt wenig Entlastendes nach Aktenlage.“ Napirata will den hochbetagten Opfern ersparen, doch noch vor Gericht erscheinen zu müssen. „Wenn ich über 90-jährige Zeugen laden muss, ist das strafverschärfend zu berücksichtigen. Dann kann ich mich nicht mehr für eine Bewährung einsetzen.“ Bei einem Geständnis sei er bereit, es bei zehn Monaten auf Bewährung, also ohne Gang ins Gefängnis, zu belassen.

Einladende Handbewegung in Richtung der Anklagten. Die versteckt ihr Gesicht hinter den Händen und sagt: „Dann war das eben so.“ Ob Geldnot der Grund war, hakt der Richter nach. Die 43-Jährige ist verschuldet. „Ja.“ Mehr gibt sie nicht von sich. Kein Wort der Reue. Die 485 Euro muss sie den Opfern zurückzahlen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen