Von Erfde nach Pisz : Peter Thomsen in Polen als Held gefeiert

Vorfreude: In Pisz wird Peter bereits von den Schülern und Lehrern erwartet.
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Vorfreude: In Pisz wird Peter bereits von den Schülern und Lehrern erwartet.

Ungewöhnliche Europareise mit dem Oldtimer-Trecker Algaier R 22: Fans in Polen lassen sich mit dem pensionierten Lehrer fotografieren und folgen ihm auf Facebook.

shz.de von
13. Juni 2014, 06:00 Uhr

Schöner und herzlicher hätte eine Begrüßung wohl nicht ausfallen können: Mit einem „Herzlich willkommen, Peter“-Schild und einer extra für ihn organisierten Schulfeier wurde Peter Thomsen aus Erfde im polnischen Pisz, der Partnerstadt des Kreises Schleswig-Flensburg, empfangen. Seit dem 9. Mai ist der pensionierte Lehrer mit seinem Oldtimer-Trecker Allgaier R 22 auf Europa-Tour unterwegs. Pisz war neben Danzig und Ketrzyn (Rastenburg) eines der ersten großen Anlaufziele der Fahrt.

Schon vor der Tour stand Peter Thomsen mit der ehemaligen Lehrkraft an der Schule in Pisz, Magda Geserick, in Kontakt: „Sie hat seinerzeit den Schüleraustausch ihrer Schule und der Stapelholmschule in Erfde entscheidend mitgeprägt“, erklärt Thomsen. Bis zur Ankunft des Treckerfahrers aus Deutschland blieben ihr und den Schülern genügend Zeit, den Empfang vorzubereiten: „Wir erwarten fiebernd unseren Freund und Held! Die Blumengirlande ist schon fertig. Nur noch ein paar Tage und wir werden sie ihm um den Hals hängen“, schrieb sie auf Facebook. Am Donnerstag, 5. Juni, war es endlich soweit: „Mit dem Trecker tuckerte ich los und auf der Straße zur Schule hin standen die Jugendlichen und Lehrkräfte, die an den Austauschen teilgenommen hatten, mit dem Begrüßungsschild. Ich hatte Freudentränen in den Augen“, schildert Peter Thomsen seine Eindrücke in einem seiner Berichte, die im übrigen auch im Internet auf Facebook (Peter mit dem Allgaier auf Europatour) nachzulesen sind. Dort werden auch alle Fotos veröffentlicht, die Peter Thomsen an seine Familie mailt.

Nach der Begrüßung ging es in die vollbesetzte Aula, denn die Schüler hatten auch ein Programm auf Deutsch vorbereitet: Eine Powerpoint-Präsentation zum Thema „Peter“ sowie Lieder, eine Fragestunde auf Deutsch sowie das Überreichen eines Gastgeschenkes. Nach der Schulfeier fand ein offizieller Empfang mit dem stellvertretenden Landrat Marek Wysocky statt. Der nahm sich über eine Stunde Zeit, um mit Peter Thomsen über sein Europa-Tour-Projekt zu sprechen: „Ich glaube nicht, dass ich den Mut gehabt hätte, so etwas durchzuführen“, erklärte der Landrat und ließ es sich nicht nehmen, mit dem Allgaier eine Ehrenrunde um das neue Kreisverwaltungsgebäude zu drehen.

Überhaupt wird Peter Thomsen mit seinem Oldtimer-Gefährt samt Wohnwagen in Polen gefeiert wie ein Held. Egal in welchen Ort er kommt, wird er begeistert fotografiert und eingeladen. Viele wollen einmal auf dem Trecker Platz nehmen, das Tuckern auf Video festhalten oder Fotos von ihm im Internet veröffentlichen. „Das dürfen sie erst, wenn sie sich meine Karte in dem Wohnwagenfenster angeschaut haben. Es darf nie wieder Krieg geben, das ist meine Intention!“, so Thomsen.

Die Bilanz nach 28 Tagen Fahrt lautete: 1345 Kilometer zurückgelegt und 540 Liter Kühlwasser verdampft. Die Route über Danzig bis Pisz führte überwiegend an der Ostseeküste, der Danziger Bucht und durch die masurische Seenlandschaft entlang, tolle landschaftliche Eindrücke inklusive.

Die Schäden an seinem Allgaier hielten sich bislang in Grenzen, zwei Rückspiegel brachen ab und die Schraubmutter vom Kugelkopf an der Ackerschiene hatte sich verabschiedet, „nur das Aufliege-Gewicht des Wohnwagens hielt den Kugelkopf“, berichtet Thomsen in einer seiner Mails. Aber wie erwartet, konnte er sich auf die Hilfsbereitschaft der Polen und deren Improvisationskunst verlassen und nach kurzer Zeit weiter fahren. Anfang dieser Woche gab es dann eine weitere Zwangspause: „Einer der drei Keilriemen zwischen Motor und Getriebe ist gerissen. Alle Riemen werden ausgetauscht“, so Thomsen. Sobald der Allgaier wieder fit ist, geht es noch diese Woche von Pisz aus in Richtung Warschau und von dort aus weiter nach Krakau und Auschwitz.

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