Kindergärten in Rendsburg : Personalnot setzt Politik unter Druck

Betreuung in den Kindergärten: In Rendsburg ist die Personalnot groß. Das wirkt sich auf den Krankenstand aus. Dieser hat sich seit 2012 verdoppelt.
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Betreuung in den Kindergärten: In Rendsburg ist die Personalnot groß. Das wirkt sich auf den Krankenstand aus. Dieser hat sich seit 2012 verdoppelt.

Die Erzieherinnen in den Rendsburger Kindergärten sind überlastet. Doch der Sozialausschuss vertagt die Einstellung neuer Kräfte.

shz.de von
31. Januar 2018, 10:58 Uhr

Einen solchen Ansturm hat der Ratssaal lange nicht erlebt. Knapp 100 Einwohner verfolgten am Montag die Sitzung des Sozialausschusses. Besonders viele Jugendliche, aber auch Beschäftigte aus den städtischen Kindertagesstätten und Elternvertreter wollten miterleben, was die Politik unternimmt, um die teils prekäre Personalsituation in den öffentlichen Einrichtungen der Stadt zu verbessern. Ergebnis: Der Sozialausschuss vertagte zwei wichtige Beschlüsse – den zum Haushalt 2018 und den, mit dem zusätzliche Kita-Mitarbeiter eingestellt werden können.

Wie berichtet, fühlen sich die Erzieherinnen der Kitas Neuwerk, Stadtpark, Butterberg und Kunterbunt überlastet. Der Krankenstand hat sich seit 2012 mehr als verdoppelt. Ein Grund ist der gestiegene Anteil von Kindern aus Flüchtlingsfamilien (44 bis 49 Prozent). Eine Erzieherin der Kita Butterberg berichtete, dass sie und eine Praktikantin seit drei Wochen für 20 Kinder zuständig seien. Was die Politik ändern wolle, damit sie diese Belastung weiter durchhalte, fragte die Mitarbeiterin. Auch eine Elternvertreterin der Kita Butterberg äußerte ihren Unmut, was zusätzliche Vertretungskräfte angeht. „Seit vier Jahren werden wir immer wieder vertröstet“, sagte sie voller Skepsis. „Ich glaube, es geht so weiter.“ Antwort des Ausschussvorsitzenden Matthias Bruhn (SPD), dessen Fraktion seit langem für mehr Kita-Personal kämpft: „Wir staunen mit Ihnen gemeinsam. Uns brauchen Sie nicht mehr zu überzeugen.“

Über den Beschlussvorschlag, im Stellenplan 2018 für jede Kita eine Vertretungsstelle mit 25 Wochenstunden einzustellen, will das Gremium erst Ende Februar abstimmen. Die CDU hatte auf Vertagung gedrängt. „Das heißt nicht, dass wir nicht die Notwendigkeit sehen. Wir sind keineswegs dagegen“, sagte das bürgerliche Mitglied Uwe Fuchs. Weil es hier um haushaltsrelevante Zahlen gehe, habe man aber noch Beratungsbedarf. Warum die offenen Fragen nicht im Vorfeld geklärt werden konnten, ließen die Beteiligten offen. Die Zahlen lagen seit einer Woche vor.

Keine Entscheidung war zu einem zweiten großen Thema zu fällen. Der Fachdienst Familie informierte über das Projekt „Jugend stärken im Quartier“. Es läuft dieses Jahr aus. Die Fortführung bis 2022 ist möglich, steht aber noch nicht fest. Zielgruppe sind Heranwachsende, die mit herkömmlichen sozialen Hilfsangeboten nicht mehr erreicht werden – etwa Schulverweigerer oder Kinder von Eltern, die jeglichen Kontakt zu den Behörden abgebrochen haben. Matthias Gröning aus dem Rathaus berichtete von Erfolgen, die mit den Projektpartnern „Brücke“, Diakonisches Werk, VHS und Kirchengemeinde St. Jürgen erzielt wurden. Er nannte aber auch Zahlen, die erwarten lassen, dass diese Probleme die Stadt noch sehr lange beschäftigen werden. Mit einem 38,8-prozentigen Anteil von Kindern aus Hartz-IV-Haushalten (siehe Tabelle links) liegt Rendsburg weit über dem Bundesdurchschnitt.

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