Gokels : Personalausweis am Storchenbein

Hautnahes Erlebnis: Die Kinder bestaunen den  Storchennachwuchs, der für die Beringungs-Aktion aus dem Nest geholt wurde.
Hautnahes Erlebnis: Die Kinder bestaunen den Storchennachwuchs, der für die Beringungs-Aktion aus dem Nest geholt wurde.

Ringe für Meister Adebar: In Gokels haben zwei Jungstörche ihren „Personalausweis“ am Bein erhalten. Kinder verfolgten die Aktion gespannt.

Avatar_shz von
03. Juli 2014, 11:39 Uhr

Vorsichtig hebt Jörg Heyna die beiden Jungstörche aus dem Nest und bringt sie mit Hilfe des Hubsteigers von Jürgen Ramcke aus Hanerau-Hademarschen in einer Tasche nach unten auf den Rasen. Dort auf dem Grundstück der Familie Powilleit warten schon viele Kinder und ihre Eltern auf den Anblick der Tiere, schließlich bekommt man nicht alle Tage Jungstörche zu sehen.

Fünf Wochen sind die beiden Vögel alt und sollen mit einer Ringnummer versehen werden. „Dazu muss man die Tiere eigentlich nicht aus dem Horst herausholen, aber da wir gerne Kinder daran teil haben lassen wollen, nehmen wir die Störche zum Beringen auch mal aus ihrem Nest“, erklärt der ehrenamtliche Weißstorchgebietsbetreuer der NABU-Arbeitsgruppe Storchenschutz, der an diesem Nachmittag den eigentlichen Gebietsbetreuer für den Kreis Rendsburg-Eckernförde, Jürgen Lustig, beim Beringen unterstützt. Der kann verletztungsbedingt nicht selber mitmachen, erklärt aber das Vorgehen sowie Wissenswertes zu den Weißstörchen. Das Anfassen der Tiere sei kein Problem, im Gegensatz zu anderen Vogelarten nehmen bei den Weißstörchen die Altvögel ihren Nachwuchs sofort wieder an.

Vor dem Beringen werden die Tiere gewogen und nach Verletzungen untersucht. 3200 und 2600 Gramm wiegen die beiden jungen Weißstörche aus Gokels, das Gefieder zeigt neben dem gräulichen Flaum bereits erste schwarze und weiße Federn. Bald schon werden sie flügge und starten ihre ersten Flugversuche. Einer der beiden Vögel besitzt sogar eine schwarze Schwanzfeder, das sei äußerst selten, so die Storchexperten. Bei dem anderen Jungstorch sind die Schnabelspitzen leicht gekreuzt.

All diese Merkmale wird Jürgen Lustig zusammen mit den Ringnummern in einen Meldebogen eintragen und die Daten an das Institut für Vogelforschung, „Vogelwarte Helgoland“ in Wilhelmshaven melden. Die Ringe seien so etwas wie der Personalausweis für Störche, erfahren die Kinder und Erwachsenen. Anhand der Nummern könne man noch Jahre später erfahren, wo und wann sie gefunden und beringt wurden.

Die Nummer des Altvogels in Gokels zeige zum Beispiel, dass er 2012 in Dessau-Mosigkau (Sachsen-Anhalt) beringt wurde und nun zwei Jahre später seinen eigenen Nachwuchs 313 Kilometer weiter nördlich in Schleswig-Holstein aufzieht. Nach dem Wiegen legt Jörg Heyna die Vögel auf den Rasen. Die Jungstörche machen sich ganz flach und stellen sich tot. „Das ist ein angeborener Reflex und nennt sich Akinese, er schützt die Jungvögel vor Raubtieren, während die Altvögel auf Futtersuche sind“, erklärt Jörg Heyna. Beringer nutzen diesen Reflex aus, um die Tiere gefahrlos mit den Nummern zu versehen. Deshalb sei das Zeitfenster zum Beringen beschränkt und reiche von der vierten bis zur siebten Woche. Danach seien die Vögel zu alt, fallen zudem nicht mehr in Akinese und könnten vor Aufregung aus dem Nest springen.

Um möglichst viele Störche beringen und melden zu können, sei man auf die Hinweise der Bevölkerung angewiesen, die den Gebietsbetreuern ihre Jungvögel melden. Darüber hinaus bereisen die Gebietsbetreuer viele der Orte in ihren Kreisen, um nach den Horsten zu schauen, „da kommen schnell einmal 3 000 Kilometer in einem Monat zusammen“, berichtet Jürgen Lustig. Zudem müsse vor Ort ein Hubsteiger zur Verfügung stehen, um an die Nester zu kommen. Deshalb sei man dankbar über jede Firma und jede Gemeinde, die die Arbeit der ehrenamtlichen Storchenschützer unterstützt und entsprechendes Arbeitsgerät unentgeltlich zur Verfügung stellt.


Info: Unter www.stoercheimnorden.jimdo.com und www.schleswig-holstein.nabu.de/naturvorort/weissstorch findet man Informationen über die Neststandorte, den Storchenschutz und die Arbeit der ehrenamtlichen Gebietsbetreuer.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen