„Pellhuhn“ sorgt für eine Sensation

Familienausflug: Mama „Paula“ und Papa „Peter“ mit ihrem  Schildkröten-Baby „Pellhuhn“.
Familienausflug: Mama „Paula“ und Papa „Peter“ mit ihrem Schildkröten-Baby „Pellhuhn“.

Das Baby ist nur wenige Zentimeter groß und wiegt gerade einmal zwölf Gramm: Zum ersten Mal ist in der Schildkröten-Auffangstation in Nortorf Nachwuchs geboren worden. Die stolzen Eltern des Winzlings sind die Breitrand-Schildkröten „Paula“ und „Peter“.

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14. Juli 2014, 12:52 Uhr

Es ist nur wenige Zentimeter groß und wiegt gerade einmal zwölf Gramm – das Schildkröten-Baby „Pellhuhn“. Es ist der erste Nachwuchs, der in der Nortorfer Schildkröten-Auffangstation geboren wurde. „Das ist schon eine kleine Sensation für uns“, freut sich Karin Naujoks.

73 Tage brauchte der Nachwuchs, bis er schlüpfte. Die Niederkunft verlief dabei nicht ganz reibungslos. „Wir mussten Geburtshilfe leisten“, berichtet die Leiterin der Auffangstation. „Die Eierschale hatte sich nicht weit genug geöffnet. Das kleine Baby konnte nichts sehen, geschweige denn heraus krabbeln.“ So musste nachgeholfen und die Schale mit einer winzigen Pinzette weiter geöffnet werden.

Normalerweise ernähre sich das Schildkröten-Baby die ersten Tage nach der Geburt von einem Dottersack, der am Bauch hängt. „Erst einige Zeit später zieht sich dieser Sack zusammen und der Bauch wächst dann richtig zu“, erklärt die Schildkröten-Expertin. Aber der Nachwuchs im Hause Naujoks „war von Beginn an topfit und hat sofort Löwenzahn gefressen“, berichtet die Familie. Ob es sich bei dem Tierbaby um ein Weibchen oder Männchen handelt, könne noch nicht gesagt werden. Erst mit sechs bis sieben Jahren könne man erkennen, welches Geschlecht die Schildkröte hat.

Die stolzen Eltern von „Pellhuhn“ sind die 13 Jahre alten Breitrand-Schildkröten „Paula“ und „Peter“. Die Rasse wird bis zu 60 Jahre alt. Ausgewachsene Exemplare werden rund 30 Zentimeter groß. Beheimatet sind die Breitrand-Schildkröten primär auf Sardinien und in Südgriechenland. Nach Nortorf seien „Paula“ und „Peter“ auf eine „dramatische Art gekommen“, berichtet Naujoks. Ein Kunde hatte eine Schildkröte bei Karin Naujoks gekauft. Als die Leiterin einige Wochen später bei dem neuen Besitzer nach dem Rechten fragen wollte, meldete sich niemand. Rund ein Vierteljahr versuchte es die Schildkröten-Liebhaberin telefonisch, „aber ich habe nie jemanden erreicht“. Erst gut ein Jahr später rief die Frau des Besitzers an. Ihr Mann habe monatelang mit einer Krebserkrankung im Krankenhaus gelegen und verstarb letztlich an den Folgen. Auf dem Sterbebett sagte er seiner Frau, dass die Schildkröten nach seinem Tod zu Familie Naujoks sollen. „Das ist eine so tragische Geschichte, aber die Geburt des Schildkröten-Babys hat eine symbolisch positive Bedeutung“, sagt Karin Naujoks. Durch die besondere Geschichte habe Familie Naujoks einen doppelt engen Bezug zum ersten Baby in der Schildkröten-Auffangstation. „Deshalb wird Pellhuhn auch Teil unserer Familie und nicht weitervermittelt.“

Rund 30 Schildkröten leben derzeit bei Familie Naujoks. Sieben verschiedene Rassen, Land- sowie Wasserschildkröten, haben in Nortorf (vorerst) ein neues Zuhause gefunden. „Die meisten Tiere, die zu uns kommen, hatten es vorher sehr schlecht“, bedauert Naujoks. In der Auffangstation werden die Schildkröten wieder aufgepäppelt. „Und danach kommen sie nur in liebevolle Hände“, betont Karin Naujoks. Die Auswahl der zukünftigen Besitzer wird sorgfältig geprüft. Reine Terrarienhaltung lehnt die Familie ab. „Wir suchen ein gutes Zuhause für unsere Schildkröten und nur wer einen Garten hat, wo die Tiere frei herumlaufen können, darf eines mit nach Hause nehmen.“

Finanziert wird die Auffang-Station durch die privaten Einnahmen der Familie. „In Urlaub fahren wäre mal wieder schön, aber das ist einfach nicht drin“, bedauert Karin Naujoks. Nur selten erhalte sie Spenden für die Schildkröten. „Dabei brauchen wir dringend Pflanzen“, betont Naujoks. Ob Lavendel, Rankenpflanzen, Orchideen, Palmen, Wein oder Hoya-Pflanzen – den Schildkröten sei (fast) alles recht. „Es sind die ältesten Tiere der Welt und ganz wunderbare, faszinierende Wesen“, sagt Naujoks, „sie sollen es bei uns gut haben.“ Weitere Informationen gibt es unter www.schildkroeten-auffangstation.de oder unter Tel. 0 176/50 52 72 19 bei Karin Naujoks.

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