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Frau im Männerberuf : Patrizia Reese ist die erste Kanalbauerin in SH - und die beste

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Zu zimperlich? Das kann man von Schleswig-Holsteins einziger Kanalbauerin nicht behaupten.

Büdelsdorf | Oft heißt es, dass Frauen in Männerberufen nicht bestehen könnten. Sie seien zu schwach oder zu zimperlich. Patrizia Reese ist der lebende Beweis für das Gegenteil: Die 23-Jährige schloss ihre Ausbildung als Kanalbauerin als Jahrgangsbeste ab und wurde von der Industrie- und Handelskammer dafür nun geehrt. Hinzu kommt, dass die junge Studentin in Schleswig-Holstein die einzige Frau auf diesem Fachgebiet ist.

Den Anstoß zu der außergewöhnlichen Ausbildung gab ihr Vater, der selbstständig ist und ein Ingenieursbüro leitet. „Ich habe den Girls'-Day und verschiedene Praktika in der Firma meines Vaters verbracht“, erzählt die frisch ausgelernte Kanalbauerin. „Ich fand das alles spannend und habe mich dann nach meinem Abitur schlau gemacht.“

Über das Programm „StudiLe“, was für Studium und Lehre steht, fand sie schließlich einen Ausbildungsplatz bei der Werner Vollert Tiefbau GmbH & Co. KG in Büdelsdorf. Das „StudiLe“-Programm wird von der Handwerkskammer Lübeck und der dortigen Fachhochschule organisiert. „Es ist quasi ein Duales Studium“, erklärt die 23-Jährige. „Im ersten Ausbildungsjahr hatte ich nur die Praxis und die Berufsschule. Dann kamen auch Vorlesungen mit dazu. Die Ausbildung selbst habe ich inzwischen abgeschlossen, aber ein Jahr Studium fehlt mir noch zu meinem Bachelor im Ingenieurswesen.“

Trotz der gut strukturierten Organisation war es für die junge Itzehoerin nicht immer einfach auf den Baustellen. „Den ein oder anderen Spruch musste ich anfangs wegstecken“, gesteht Patrizia Reese. „Aber damit hatte ich auch gerechnet. Ich hätte mir mehr Sorgen gemacht, wenn niemand einen Witz gemacht hätte. Eigentlich waren ja auch immer alle sehr rücksichtsvoll. Es war schließlich für alle etwas Neues, dass da plötzlich eine Frau war.“

Das galt nicht nur für ihre Kollegen, sondern auch für die verschiedenen Baustellenleitungen. Im Regelfall reicht eine Toilette aus, da alle Arbeiter männlich sind. Doch für die 23-Jährige musste eine zweite Dixi-Toilette auf den Baustellen aufgestellt werden. „Das kann auch nicht jeder behaupten, dass er auf der Arbeit seine eigene Toilette hat“, schmunzelt die Studentin.

Bevorzugt behandelt wurde sie von ihren Kollegen allerdings nicht. „Ich habe alles machen müssen, was die männlichen Kollegen auch machen mussten“, erzählt die Kanalbauerin. Von pflastern über Schächte mauern bis hin zur Bodenverdichtung war alles dabei. „Die Herren waren immer begeistert“, berichtet Jens van der Walle von der Werner Vollert GmbH. „Ich habe nur positive Rückmeldungen bekommen. Wir sind sehr stolz darauf, dass Frau Reese ihre Ausbildung bei uns so herausragend abgeschlossen hat.“

Patrizia Reese hat allerdings noch weitere Pläne. Wenn sie ihren Bachelor abgeschlossen hat, würde sie gerne auch den Master auf dem Gebiet machen. „Wer weiß, vielleicht übernehme ich irgendwann sogar die Firma meines Vaters“, lächelt die junge Studentin.

 

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