Hohenwestedt : Paradiesvogel unter Möwen

Multitalent in Hochform: Annie Heger begeisterte ihr Hohenwestedter Publikum als Plattschnackerin, Sängerin und Kabarettistin.
Multitalent in Hochform: Annie Heger begeisterte ihr Hohenwestedter Publikum als Plattschnackerin, Sängerin und Kabarettistin.

Annie Heger begeistert Besucher beim plattdeutschen Abend der Hohenwestedt-Woche.

shz.de von
28. August 2018, 13:49 Uhr

Sängerin, Schauspielerin, Tänzerin, Kabarettistin, Moderatorin und Kolumnistin: Multitalent Annie Heger hat viele Begabungen und Betätigungsfelder. Klar, dass die Veranstalter des plattdeutschen Abends der Hohenwestedt-Woche sie vor allem als Plattschnackerin gebucht hatten. Mit seinem aktuellen Solo-Bühnenprogramm begeisterte der „Paradiesvogel unter den ostfriesischen Möwen“ 170 Besucher im fast ausverkauften Sport- und Jugendheim.

„Dat harr blond so eenfach ween kunt“: Titel und Thema ihres 2015 erschienenen Kolumnenbuchs passen auch bestens zu dem Musikkabarett-Programm „Watt’n Skandaal“, mit dem Annie Heger in ganz Deutschland unterwegs ist. Das Skandalöse seien ihre schwarzen Haare gewesen, die in ihrer ostfriesischen Heimat Spetzerfehn ziemlich „exotisch“ seien, erzählte die Entertainerin dem Hohenwestedter Publikum zum Auftakt. Diese schwarzen Haare hätten schon in jungen Jahren Konsequenzen gehabt: „weniger Bonscher“ und null Chancen auf den Titel der „Blütenkönigin von Wiesmoor“. Was folgte, war die erste Talentprobe in Sachen Gesang. „As een Diek schütz ik di vor Water“, sang Annie Heger eine plattdeutsche Version von Simon & Garfunkels „Bridge over troubled water“, mit der sie das Publikum im Hohenwestedter Sport- und Jugendheim schon zu diesem frühen Zeitpunkt des Auftritts vollends in ihren Bann zog.

Als nächstes war „Rudelgesang“ angesagt. „Ich will den größten Chor von Wistedt hören“, forderte Annie Heger und gab den Ton an bei dem, „was uns alle eint: Die drei Strophen von ‚Dat du min Leevsten büst‘.“ Erfolglos blieb die Suche der Ostfriesin nach Landsleuten im Hohenwestedter Publikum. „Keine anderen Ostfriesen hier im Saal? Tja, so schnell wird man zur Randgruppe – ich komm mir auf einmal vor wie ein klassischer Wirtschaftsflüchtling.“ Annie Heger suchte das Gespräch mit den Zuhörern und konnte dabei unter anderem feststellen, dass die Nachbarschaft auch in Hohenwestedt so ähnlich funktioniert wie in einer ostfriesischen Methodistengemeinde: „Wi bruukt keen Videoüberwachung – wi hebbt Nabers.“ „De Leev, de is utverköfft“, sang und übersetzte Annie Heger den Beatles-Klassiker „Can’t buy me love“, um dann weiter von ihrer Kindheit in einer „stinknormalen Sieben-Kinder-Familie“ zu erzählen. Schon früh träumte die schwarzhaarige Ostfriesin vom Glanz und Glamour, sah sich als „Spatz von Spetzerfehn“ oder als Liza Minelli mit großem Orchester, „Backgrundsängerinnen und Zappeldeerns“. „Mann oh Mann, ich war ein echter Paradiesvogel“, sagte Annie Heger und sang „Fleeg, Voegel, Fleeg“.

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