Bullentempel : Palkus-Show: Bunt, schrill und originell

Mit ihren aufwendigen Kostümen stach Künstlerin Paula Jackson auf der Bühne im Bullentempel besonders hervor.
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Mit ihren aufwendigen Kostümen stach Künstlerin Paula Jackson auf der Bühne im Bullentempel besonders hervor.

Varieté-Programm überzeugt an zwei Tagen im Bullentempel.

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26. Januar 2015, 05:21 Uhr

Die 27. Rainer Palkus Show – dieses Mal sogar im Doppelpack mit einer Vorstellung am Freitag und am Sonnabend. Wie immer lief der Kartenvorverkauf sehr gut. Konnten früher nicht alle Besuchswünsche erfüllt werden, gab es am ersten Veranstaltungstag noch Platzreserven in der oberen Etage des Bullentempels.

Auch in diesem Jahr gab es wieder den abwechslungsreichen und erfolgserprobten Mix aus Musik (Ageless), Comedy mit Masud, Robert Alan, Yacine Belhousse und Jens Ohle. Als einziger kombinierte er schlagfertige Wortgewandtheit mit Akrobatik, überlistete sogar ein Paar aus dem Publikum, ihn auf seiner freistehenden Leiter als Assistenten auf der Bühne zu unterstützen. Dazwischen Paula Jackson, zwei Mal in ex-trem aufwändigen und fantasiereichen Kostümen. Das erste Mal mit Playback-Gesang und Spracheinlage nicht annähernd so fantasievoll und gelungen wie beim zweiten Auftritt nach der Pause als Außerirdische mit Körper-Laser-Show. Zum Schluss Terrel Woodbury, auch mit intensivem Publikumskontakt: Professioneller, mitreißender Soul-Gesang zur Playback-Begleitung.

Insgesamt wurden es wieder einmal drei Stunden feinsten Varieté-Programms mit mehreren Höhepunkten. Einige davon – wie der Auftritt von Masud und Robert Alan kündigten sich vorsichtig an. Masud, zunächst mit gespielter Unsicherheit, steigerte sich schnell, spielte mit der Skepsis des Publikums (Iraner mit Tasche, „dies hier ist heute mein letzter Auftritt“). Robert Alan hatte zunächst mit den Tücken der Technik seines viele Minuten (gefühlt Stunden) stummen Keyboards zu kämpfen. Lange war nicht klar, ob er schon mit seinem Auftritt „in echt“ angefangen hatte. So gesehen, waren seine ersten zehn Minuten allerbestens gemeistert. Die zweiten zehn Minuten mit Beziehungs- und dem perfekten „Hamsterbacken“-Love-Song auch.

Den am meisten bewunderten, begeisternden und verblüffenden Auftritt des Abends bescherte „Herr Niels“: Ein Pantomime vom Allerfeinsten. Ein großer Könner, der sich an einen Tresen lehnte – der nicht da war. Ungläubige Blicke. Man traute seinen Augen nicht! Und das nicht nur einmal. Beim Stand an der Reling auf schwankendem Ozeanriesen schaukelte man unwillkürlich mit und staunte über die Wirkung seines Zauberpuders. Auch wie sich seine Malerrolle an der nicht vorhandenen Wand vor- und zurückdrehte. Ebenso unvergesslich bleibt sein „Kampf“ mit einem gelben Luftballon und einem zentnerschweren Schwamm.

Jens Ohle war bis dahin, wie wohl die vielen anderen Künstler dieses Programms, nicht mehr als ein Name. Nun füllte er ihn mit lebendigen Erinnerungen. Hoch balancierend auf seiner Leiter, oder als Derwisch, der durchs Publikum lief und so manchen aus der Reserve lockte. Das gelang Yacine Belhousse nicht. Als „ein Experiment“ hatte ihn Rainer Palkus angekündigt. In der Rolle eines englisch sprechenden Franzosen kamen weder seine langatmige Geschichte noch die Art des Humors an. Sehr lange zehn Minuten – nicht enden wollend. Funktionierte nicht, mit Anstand gescheitert.

Der Schluss: Mit Terrel Woodbury die perfekte Vorbereitung auf die After-Show-Party mit „Ageless“ aus Berlin. Die bewährte Truppe hatte schon vorher beide Showteile eingeleitet und fröhliche Partylaune produziert. Und besondere Erwartungen auf die 28. Ausgabe der Rainer-Palkus-Show im nächsten Jahr geweckt.

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