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Aukrug : Pächter des „Tivoli“ streicht die Segel

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Wirt der Traditionsgaststätte gibt zum 15. Juli auf. Das Gebäude im Ortsteil Innien soll verkauft werden.

Ins Aukruger „Tivoli“ kehrt keine Ruhe ein: Pächter Sven Lohse wirft das Handtuch, Mitte Juli gibt er den Betrieb der Gaststätte auf. In knapp zehn Jahren ist er damit schon der dritte Pächter, der seine Zelte abbricht. Erst im Oktober 2015 hatte der 56-Jährige zusammen mit seiner Frau Sharon das „Tivoli“ übernommen.

„Ich habe die Nase voll von ignoranten Menschen, die im Namen der Demokratie Sachen beschädigen oder Menschen bedrohen“, so Lohse. Hintergrund ist, dass seit Anfang März insgesamt sechs AfD-Veranstaltungen in dem Gasthof ausgerichtet wurden – unter anderem Wahlkampfveranstaltungen und eine Sicherheitskonferenz der Partei. Schon als die erste Veranstaltung bekannt wurde, sei seiner Familie und ihm gedroht worden, es habe viele Anrufe gegeben. Der Widerstand gipfelte in acht zerstochenen Autoreifen, beschmierten Wänden und Fenstern sowie einem Misthaufen, der vor dem Restaurant abgeladen wurde – mit einem zerrissenen AfD-Plakat darauf. „Ich bin sehr enttäuscht von diesem Demokratieverständnis“, sagt Sven Lohse, „ich habe 32 Jahre lang außerhalb von Deutschland gelebt, doch woanders habe ich so etwas noch nie erlebt.“ Weil er sich seit dem ersten Tag in Aukrug nicht willkommen gefühlt habe, sei ihm diese Entscheidung nicht sonderlich schwergefallen. Bankrott sei er aber nicht, betont Lohse. Die ausbleibenden Gäste aus Aukrug seien durch AfD-Sympathisanten aus allen Teilen des Landes aufgefangen worden. Und deshalb werde es bis zum 15. Juli, seinem letzten Arbeitstag im „Tivoli“, weitere AfD-Veranstaltungen in dem Gasthof geben – getreu dem Motto „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“, sagt Sven Lohse. Er glaubt, dass es für die Entwicklung bis zum heutigen Tage irrelevant ist, dass er die AfD beherbergt hat.

Dafür spricht auch, dass die Geschäfte schon vor den AfD-Besuchen nicht immer rosig liefen. So hat beispielsweise der Aukruger Kulturförderverein (KFV) seine Veranstaltungen nicht mehr in dem Gasthof ausgerichtet – was in den Jahren zuvor gute Tradition war. Der stellvertretende Vorsitzende des KFV, Johannes Carstens, begründet das mit verhaltenen Worten: „Wir als Verein haben uns wirklich Mühe gegeben, aber als Gast ist man auf die Kooperationsbereitschaft des Wirtes angewiesen. Wenn es die nicht gibt, macht es die Sache schwierig.“ Der Wirt hingegen lässt an den Bewohnern des Ortes kein gutes Haar: „Die Aukruger sind Ignoranten und wollen nichts Neues in ihrem Ort“, begründet er sein Scheitern. Weitere Befragte aus dem Dorf halten sich dezent zurück, es gibt nur Andeutungen, dass das Konzept zu starr gewesen sei, Lohse hätte Rückmeldungen und Kritik von Kunden ernster nehmen müssen.

Den Gastwirt und seine Familie verschlägt es nun zunächst nach Hamburg, um irgendwann noch einmal ins Ausland zu gehen. Die Zukunft des „Tivoli“ hingegen ist ungewiss. Nach Informationen der Landeszeitung soll die Traditions-Gaststätte verkauft werden. Es gibt einen Interessenten, der das Gebäude erhalten möchte. Neuer Name und Konzept sollen allerdings geheim bleiben, bis alles in trockenen Tüchern ist.

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erstellt am 01.Jun.2017 | 12:45 Uhr

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