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Kanaltunnel Rendsburg : Oströhre soll Anfang 2015 fertig sein

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Parallel zu Arbeiten außerhalb des Tunnels wird innen an der Sicherheitstechnik gebaut. Die komplette Fertigstellung ist für 2016 geplant.

shz.de von
erstellt am 26.Aug.2014 | 06:00 Uhr

Rendsburg | Pendlern, die jeden Tag durch den Kanaltunnel fahren, fallen in letzter Zeit zwei Dinge auf: Zum einen der rote Fahrbahnbelag in der Oströhre, zum Anderen einige quadratischen Aussparungen in der Betonschicht. Was unfertig aussieht, kündigt jedoch das Ende der Bauarbeiten in der Oströhre an.

Sönke Meesenburg, Leiter der Planungsgruppe bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, erklärt den aktuellen Bauabschnitt: „Die rote Schicht verbindet den Asphalt mit dem Beton. Der Asphalt würde sonst auf dem Beton hin- und herrutschen.“ Außerdem diene die Schicht als Abdichtung. Die bisher noch offenen Quadrate in der Oberfläche der Fahrbahn erfüllen hingegen einen anderen Zweck. An diesen Stellen wird die oberirdische mit der unterirdischen Fahrbahn-Entwässerung gekoppelt. Die Rohre hierfür sind bereits unter der Erde verlegt.

Bei den Arbeiten in der Oströhre tauchten einige „böse Überraschungen“ auf, die zu erheblichen Verzögerungen führten. So wurden zum Beispiel sogenannte Schalungsanker im Beton entdeckt, die ein Auseinanderdriften der Wände während des Baus verhindern sollten. Eigentlich hätten sie später entfernt werden müssen – was aber nicht geschah. Dies führte zu Problemen beim Einbau des neuen kathodischen Korrosionsschutzes. Dieses System leitet Strom auf die zu schützenden Metallstrukturen, damit es nicht so schnell Rost ansetzt. Da die Schalungsanker aber ebenfalls aus Metall sind, hätte es zu einer Art Kurzschluss kommen können. Damit wäre der Korrossionsschutz nicht wirksam gewesen. Um das zu verhindern, wurden an 15.000 Stellen die Tunnelwände geöffnet und die Anker gekürzt. Ein Jahr Verzögerung war die Folge. Unvorhersehbare Ereignisse wie dieses sorgen für einen Anstieg der Kosten von 25 auf mittlerweile über 30 Millionen Euro.

Die Beseitigung weiterer Altlasten wird derzeit vorbereitet. „Der Tunnel ist über 50 Jahre alt. Die Norm für die Belastbarkeit der Fahrbahndecke hat sich geändert“, so Meesenburg. Die Fahrzeuge sind im Laufe der Jahre größer und schwerer geworden. Deswegen muss die Decke im Einfahrtsbereich stabiler werden – durch zusätzlichen und eine eine Methode, die jeder Heimwerker kennt: das Verdübeln. „Wir verbinden den alten und neuen Beton durch Schrauben.“ Nach dem Einbau müssen die Asphaltdecke und die Fahrbahnmarkierungen aufgetragen werden. Dann ist die Tunnelröhre jedoch noch nicht befahrbar.

Dafür ist noch eine ganze Reihe an Sicherheitstechnik nötig, wie das Fluchtwege- und Überwachssystem, die Beleuchtung sowie die Belüftung. Mit diesen Projekten sind die Firmen zurzeit im Innern beschäftigt. „Das läuft parallel zu den Arbeiten vor dem Tunnel“, sagt Meesenburg. Anfang 2015 soll nach jetziger Planung die Oströhre fertig sein.

Danach soll es so schnell wie möglich in der Weströhre weitergehen. „Wir wollen das bisher Erlebte positiv nutzen“, sagt Meesenburg. Deswegen werden die bestehenden Bauverträge für die Weströhre nachgebessert, um so auf eventuelle weitere „Überraschungen“ vorbereitet zu sein. „Wir sind optimistisch, dass wir in der Weströhre nicht so lange brauchen wie in der Oströhre. Wenn wir aus den Überraschungen nichts lernen würden, hätten wir unsere Arbeit nicht richtig gemacht.“ Die komplette Fertigstellung des Tunnels ist für Anfang 2016 geplant.

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