Rendsburger Kanaltunnel : Oströhre dicht: Im Tunnel wirds eng

Letzte Arbeiten bei fließendem Verkehr: Marcel Brunken beseitigt Mauerputz-Reste aus dem Wassersammelbecken. Foto: Beckwermert
Letzte Arbeiten bei fließendem Verkehr: Marcel Brunken beseitigt Mauerputz-Reste aus dem Wassersammelbecken. Foto: Beckwermert

Im Rendsburger Kanaltunnel fließt der Verkehr wegen der Bauarbeiten nur noch durch die Weströhre. Breite Erntefahrzeuge bereiten Sorge.

Avatar_shz von
29. Juli 2012, 11:12 Uhr

Rendsburg | Es ist so weit: Die zweite Bauphase der Tunnelsanierung beginnt. Das bedeutet für viele Verkehrsteilnehmer aus Rendsburg und dem Umland eine erneute Änderung. Denn die Oströhre wird im Lauf dieses Freitags komplett gesperrt. Für die planmäßige Dauer von einem Jahr geht das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Kiel-Holtenau davon aus, dass der Verkehr in beide Fahrtrichtungen durch die Weströhre führt. "Die Umstellung wird schmerzfrei", gibt sich der stellvertretende Projektleiter beim WSA, Manfred Hümmecke, optimistisch. Er gehe davon aus, dass die zweite Bauphase der Sanierung zügig eingeleitet werden könne.
Alle vorbereitenden Arbeiten seien in den vergangenen Wochen fristgerecht erbracht worden, betont das WSA - wohl auch deshalb, weil die bisherigen Bauarbeiten immer wieder durch Verzögerungen in die Schlagzeilen gerieten. Donnerstag wurde dann noch die Asphaltdecke in der Weströhre flott für die zusätzliche Belastung des kommenden Jahres gemacht. Für den heutigen Freitag zwischen 9 und 15 Uhr dann ist die Umstellung angepeilt. "Sie wird bei laufendem Verkehr durchgeführt", teilt eine Sprecherin des WSA mit. Und fügt gleich hinzu: "Eine Sperrung wird planmäßig nicht erforderlich werden". Autofahrer müssen den Kanal-Tunnel also nicht zwingend meiden.
Was passiert bei einem Unfall?
Die Fahrspuren führen während der zweiten Bauphase mit Gegenverkehr durch die Weströhre. Wichtig für Tunnel-Nutzer: Die Verkehrsführung in den Zufahrtsbereichen zum Tunnel bleibt unverändert. "Erst kurz vor der Einfahrt in die Tunnelröhre wird der Verkehr auf die andere Fahrspur übergeleitet", informiert die WSA-Sprecherin.
Für den reibungslosen Ablauf sorgt Bauleiter Frithjof Garrn. Er überwacht alle Prozesse der Sanierungsarbeiten im Kanaltunnel. Auf der einen Seite freue er sich, dass die Bauarbeiter nun in Ruhe, ohne fließenden Verkehr, in der Oströhe arbeiten können, sagt Garrn. Auf der anderen Seite teilen er und viele Kollegen eine Sorge: Was passiert, wenn es zum Unfall kommt? "Phase 2 mit Gegenverkehr wird eine Herausforderung", sagt Garrn - "gerade jetzt mit den breiten Erntefahrzeugen". Für die sei die eine Röhre zu eng. Sollten sich zwei da unten begegnen, sieht der Bauleiter schwarz. Dann kracht es.
"Bei Gefahr drücken wir auf den roten Knopf"
"Eigentlich gibt es in so einem Fall nur den Plan A", sagt er. "Bei Gefahr drücken wir auf den roten Knopf in der Leitstelle, dann schalten sich die Ampeln auf Rot." Die Polizei wird alarmiert, die Bauarbeiten werden abgebrochen, möglicherweise kommt ein Krankenwagen - der darf dann durch die gesperrte Oströhre fahren. Der Tunnel wird komplett dicht sein. Die Autos davor werden sich stauen, und die Autofahrer drinnen werden viel Geduld aufbringen müssen. Ob es dann zum Verkehrschaos kommt - "das können wir nur abwarten", meint Garrn. Deshalb lautet sein Appell an alle Tunnelnutzer: "Haltet euch an die Verkehrsregeln!"
Doch wie kommen die Autofahrer im Notfall aus dem Tunnel? Auch in der neuen Bauphase, so das Wasser- und Schifffahrtsamt, besteht der Fluchtweg über Türen im Mittelgang, die im Abstand von 120 Metern bereitstehen und beschildert sind. Der Weg würde im Notfall durch den Mittelgang in die Oströhre führen. Sobald die Türen betätigt werden, gibt es ein Alarmsignal, und die Bauarbeiten stoppen.
Folgende Maßnahmen stehen nun nach Auskunft des WSA an: Die Asphaltschicht der beiden Fahrbahnen in der Oströhre wird abgefräst. Danach werden Kantsteine und Gehwege abgebaut. Von den Wänden werden die Brandschutzplatten abgenommen, die Farbschichten mit Hochdruckwasserstrahlen entfernt, das neue Korrosionsschutzsystem montiert und in eine Spritzbetonlage eingebettet. Schließlich werden Schutzanstriche aufgebracht. In den offenen Rampenbereichen und Rasterstrecken werden die Wände gereinigt und ein Gerüst für die Sanierung von Rasterbalken aufgestellt. Im Betriebsgang werden derweil die Arbeiten an den Rohrleitungssystemen fortgesetzt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen