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Osterrönfelder wehren sich gegen E.ON-Preise

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Blockheizkraftwerk wird mit Gas betrieben / Preise orientieren sich am Heizöl / Gütetermin im Amtsgericht

Thomas Mädge fühlt sich über den Tisch gezogen. Der Osterrönfelder wohnt im Baugebiet Aspel-Nord und ist Kunde der E.ON Hanse Wärme GmbH. Die betreibt dort ein Blockheizkraftwerk, das Strom produziert und zugleich rund 200 Haushalte mit Strom beliefert und der ist nach Ansicht von Mädge und seinen Mitstreitern viel zu teuer. Nach einem anderen Anbieter zu suchen hat keinen Zweck – bei dem Baugebiet handelt es sich um ein geschlossenes System. Es gibt keine Leitungen. Nach langen und ergebnislosen Verhandlungen trafen sich gestern Kunde und Konzern zu einem Gütetermin vor dem Rendsburger Amtsgericht.

Das Interesse an der Verhandlung hatte das Gericht offensichtlich unterschätzt. Der kleine Saal 4 war hoffnungslos überfüllt, die Vorsitzende Richterin musste mehr als 30 Interessierte bitten, wieder zu gehen.

In der Sache ging es in erster Linie um den stark gestiegenen Arbeitspreis, der in dem Gebiet inzwischen bei rund 148 Euro für eine Gigawattstunde liegt. Bei der Konkurrenz in Rendsburg seien es lediglich 85 Euro, sagte Mädge. Der große Unterschied erklärt sich nach seiner Meinung vor allem durch die Preisbindung an den Heizölpreis. In dem Blockheizkraftwerk arbeitet ein Motor, der aussschließlich mit Gas betrieben wird – die Preiserhöhungen für die Kunden aber orientieren sich an der Entwicklung des Heizölpreises. So steht es im Vertrag. Allerdings gebe es ein höchstrichterliches Urteil, das die Preisbindung an den Energieträger vorschreibe, der tatsächlich auch verwendet wird. „Heizöl hat da also nichts zu suchen“, sagte Mädge, der zudem anführte, dass sich der Preis für Heizöl seit 2005 verdreifacht habe – der Gaspreis dagegen stark gesunken sei.

Nach Ansicht von Jörg Lampe, Geschäftsführer bei E.ON Hanse Wärme, ist die Koppelung an den Heizölpreis duchaus legitim – schließlich müsse das Unternehmen sein Gas ja auch kaufen – und dabei sei der Preis auch an das Heizöl gekoppelt.

In vorangegangenen Gesprächen hatte die E.ON Hanse bereits einen Kompromissvorschlag gemacht – der aber wurde von den Osterrönfeldern glatt abgelehnt. „Insgesamt wäre es für uns genauso teuer geworden wie bisher“, sagte ein Betroffener nach der Verhandlung.

Nachdem die Anwälte beider Parteien noch über Vertragsinterpretationen, mathematische Berechnungsformeln und Preisänderungsklauseln diskutiert hatten, stellte die Richterin auf der Suche nach einer Einigung die entscheidende Frage: Kann sich die E.ON vorstellen, den Preis künftig an die Entwicklung des Gaspreises zu binden?

Geschäftsführer Lampe antwortete mit einem klaren „Ja“. Am 1. Oktober stehe die neue Gasbeschaffung an. „Wir werden versuchen, die Heizölbindung beim Einkauf abzuschaffen. Das ist eine Chance.“ Konkrete Vorschläge konnte er nicht vorlegen, äußerte aber die Vermutung, dass man bei der Preisgestaltung weit ausauseinanderliege.

Am 25. Oktober will die Richterin über die Güteverhandlung entscheiden – bis dahin gibt es noch viele Probleme von der Preisgestaltung bis hin zu Rückzahlungen unter den Beteiligten zu lösen. Nicht ausgeschlossen, dass eine gütliche Einigung scheitert.

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erstellt am 25.Sep.2013 | 00:31 Uhr

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