Mari Fukumoto in Rendsburg : Orgelkonzert zwischen Bibelpsalm und Ohrwurm

Ekstatisch-kraftvoll bis meditativ: Mari Fukumoto spielte in der Christkirche ein Orgelkonzert mit wechselhaften Themen und Stimmungen.
Ekstatisch-kraftvoll bis meditativ: Mari Fukumoto spielte in der Christkirche ein Orgelkonzert mit wechselhaften Themen und Stimmungen.

Die internationale Organistin Mari Fukumoto bot in der Christkirche Klangerlebnisse der besonderen Art.

shz.de von
10. September 2018, 19:36 Uhr

„Entdecken, was uns verbindet“ als Motto des Tages des offenen Denkmals wurde Wirklichkeit in dem Orgelkonzert mit Mari Fukumoto. Etwa 50 Zuhörer waren in die Christkirche gekommen, um die vielfach ausgezeichnete und weltweit auftretende Organistin aus Japan zu hören. Die derzeit in Hamburg lebende Fukumoto bot unter anderem mit der Vertonung des 94. Psalms von Liszt-Schüler Julius Reubke (1834-1858) Musik-Erlebnisse der besonderen Art an.

Der „Hilferuf gegen die Unterdrücker des Volkes Gottes“ ist eine knappe halbe Stunde Meditation mit wechselnden Stimmungen von sanft bis ekstatisch-kraftvoll und zurück. Der 94. Psalm ist auch eine große Erzählung von Frevlern, die Witwen und Waisen umbringen, von Hoffnung auf den Herrn (Gott), dem alle frommen Herzen zufallen und der als Hort der Zuversicht alle Frevler um ihrer Bosheit willen vertilgen wird: Eine große Spannbreite zwischen Hoffnung, Verzweiflung und Zuversicht in Musik verfasst.

Dank mitgeliefertem Text wurde das große sinfonische Orgelwerk zu einem verbindenden Erlebnis der besonderen Art. Beifall hätte nach diesem fulminanten Orgelspiel bestens gepasst, wurde aber bis zum Schluss aufgehoben. Verdient war er allemal. Eine Entdeckung war auch das kurze Präludium von Paul Hindemith (1895-1963).

Weniger dagegen die neun Strophen für Orgel mit Martin Luthers Worten des „Vater unser“ zu „Vater unser im Himmelreich“ von Manfred Kluge (1928-1971): insgesamt etwas unübersichtlich komponiert, aber bemerkenswert abwechslungsreich registriert. Zwar half auch hier der mitgelieferte Text aus dem Jahr 1539 zum Verständnis. Die Verbindung von Musik und Text jedoch fiel dem Publikum nicht immer ganz leicht. Spätestens mit dem Anfang von Felix Mendelssohns 6. Orgelsonate d-Moll mit der vertrauten Melodie des Bach-Chorals „Vater unser im Himmelreich“ war der Überblick aber wieder gefunden.

Zu seiner Zeit komponierte Felix Mendelssohn zum gleichen Thema ganz anders als Manfred Kluge: Erheblich umgänglicher und von der Melodie her viel einfacher zu verfolgen. So wie Mari Fukumoto es mit klar erkennbarer Entwicklung eindrucksvoll spielte. Das Ohrwurm-Orgelwerk als gelungener Abschluss dieser feinen Musikmeditation ist nicht nur Kennern und Liebhabern von Orgelkonzerten zu empfehlen.

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