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Handball : Opposition will HVSH-Präsident Schwark ablösen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Im Handball-Verband Schleswig-Holstein rumort es: Eine Opposition will Präsident Karl-Friedrich Schwark auf dem Verbandstag in Leck ablösen. Grund ist ein Streit um das Programm zur Eingabe und Veröffentlichung von Daten im Internet.

„Wie die Abstimmung ausgehen wird, kann ich nicht einschätzen“, sagt Karl-Friedrich Schwark. Am Sonnabend auf dem Verbandstag des Handballverbandes Schleswig-Holstein (HVSH) in Leck wird der 67-Jährige ein letztes Mal für das Präsidentenamt kandidieren. Ob der ehemalige Polizeibeamte, der dem Verband seit 1996 vorsteht und 2011 einstimmig bestätigt wurde, wieder gewählt wird, erscheint derzeit ungewiss. Eine Süd-Ost-Allianz aus mehreren Kreishandballverbänden will Schwark stürzen und wird mit Holger Rickert einen Gegenkandidaten ins Rennen schicken.

Hintergrund für die „Palastrevolution“ ist der Streit zwischen Präsidium und den Kreishandballverbänden um die Beteiligung an der „Handball4all-AG“ und damit die Frage, ob die Vereine zum Beginn der neuen Serie das von diesem Anbieter erworbene Spielplan-Programm „Siebenmeter“ zur Eingabe und Veröffentlichung der Daten im Internet nutzen können oder nicht. Im Augenblick sieht es nicht so aus. Im Februar hatte die Arbeitsgruppe Spielplan-AG empfohlen, die Einführung des neuen Programms auf den Saisonstart 2015/2016 zu verschieben, „da die Programmoberfläche noch nicht benutzerfreundlich ist“. Das Erweiterte Präsidium (EP) entschied in einer Sitzung am 22. März, diesem Vorschlag zu folgen und damit ein weiteres Jahr das bisherige Programm „SIS“ der Firma GateCom zu nutzen. Doch die hat Anfang April alle Verträge mit dem HVSH und den Kreishandballverbänden gekündigt. Im Land zwischen den Meeren droht ein Ergebnis-Vakuum im Internet, wenn bis zur neuen Serie das neue Programm „Siebenmeter“ immer noch nicht läuft oder die Vereine und der Verband die neuen Vertragsangebote der GateCom mit einer Laufzeit über drei Jahre zum Teil mit Rabatten ausschlagen.

Das drohende Vakuum ist für Karl-Friedrich Schwark ein hausgemachtes Problem. „Die GateCom wurde über Facebook vom Ergebnis der EP-Sitzung informiert, dafür haben wir Belege“, sagt der HVSH-Präsident und spricht von einer gezielten Torpedierung des Projekts. „Dass die GateCom ihre Verträge kündigen wird, hätte der Vorstand wissen müssen. In Westfalen hat die Firma es genauso gemacht“, entgegnet Wilfried Zabel, Vorsitzender des Kreishandballverbandes Plön. Auch die Westfalen und einige andere Landesverbände wollen das neue Programm einführen. 2011 hatten sie sich zusammen geschlossen und die „Handball4all AG“ gegründet, die mit der Firma „IT4Sports“ das neue Programm an den Start bringen will – in der Hoffnung, auf mittlere Sicht damit im Internet Werbung zu generieren. 2012 hatte der HVSH nach einer Kampfabstimmung im EP mit einer knappen Mehrheit von 11:10 entschieden, vier Anteile an der „Handball4all AG“ zu je 5000 Euro zu erwerben und das Programm ebenfalls einzuführen.

Diese Kampfabstimmung brachte das Fass offenbar zum Überlaufen. Zwar fiel das Ergebnis knapp für den Erwerb der AG-Anteile aus, doch die Kritiker monieren, dass die elf Ja-Stimmen lediglich 22 Prozent der Vereine repräsentieren. „Nur drei Kreise, sieben Präsidiumsmitglieder und der Ehrenpräsident haben mit Ja gestimmt, aber zehn Kreise dagegen“, rechnet Wilfried Zabel, einer der Wortführer der Opposition, vor. „Für ein Programm, das nicht läuft, ist viel Geld ausgegeben worden. Es wird noch mehr Geld kosten, und die Zeche zahlen die Vereine“, befürchtet der Plöner KHV-Vorsitzende.

Nun wollen die KHV aus dem Süden und Osten auf dem Verbandstag die Wachablösung einleiten. „Die Zeit des Absolutismus ist vorbei. Herr Schwark kennt nur schwarz oder weiß und keine Kompromisse“, lautet Zabels Vorwurf an den Präsidenten. Der reagiert gelassen und stellt sich gleichzeitig vor seine seine Vorstandskollegen: „Diese Präsidium ist in der letzten Legislaturperiode auch unbequeme Themen angegangen, um den Mitgliederbestand des Verbandes nicht nur zu erhalten, sondern zu verbessern.“ Schwark sieht dem Verbandstag zwar mit gewisser Skepsis entgegen, was die Stimmenverhältnisse angeht, weiß aber eine eingespielte Mannschaft hinter sich, die sich bis auf den Rechtswart mit dem Präsidenten wieder zur Wahl stellen wird.

Ob Herausforderer Holger Rickert, der ehemalige Vorsitzende des Handballbezirks Süd, eine eigene Führungsmannschaft auf dem Verbandstag präsentieren wird, kann Zabel nicht sagen. „Aber ich gehe mal davon aus.“ Fest steht indes, dass die aktuellen Vorstandsmitglieder ihre Kandidatur zurückziehen werden, falls Karl-Friedrich Schwark abgewählt werden sollte. „Das haben sie mir signalisiert“, so der Präsident. Herausforderer Rickert könnte sich bei einer Wahl damit nicht auf eine bewährte Mannschaft stützen.

Der Verbandstag wird turbulent. Auch was die Frage betrifft, ob das Präsidium eine Lösung für das „Spielplan-Problem“ präsentieren kann. Werner Loges, Sprecher der Kreishandballverbände im Präsidium, ist zuversichtlich. „Bis dahin werden wir eine Lösung haben.“ Loges selbst soll von der Opposition, die ihn als Sprachrohr des Präsidenten sieht, in Leck ebenfalls geschasst werden. Als Gegenkandidat wird Björn Lohmann, Vorsitzender des KHV Lübeck, antreten.

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