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Themenwoche (1): Der Nutzgarten : Obst und Gemüse aus eigenem Anbau

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Grete und Reinald Maaß sind seit 46 Jahren Selbstversorger. Die Ernte aus ihrem Nutzgarten wird eingefroren, eingeweckt oder sofort gegessen.

Gärten sind Orte der Erholung, der Schönheit, aber auch von praktischem Nutzen. Eine Woche lange stellt die Landeszeitung die verschiedensten Anlagen und Gärtner aus der Region vor. Und am Wochenende 18. und 19. Juni lädt die Aktion „Offener Garten“ zu Besichtigungen ein.

„Probieren Sie mal.“ Grete Maaß hat in ihrem Eimer leuchtend rote Erdbeeren und streckt dem Gast eine Handvoll entgegen. Die Früchtchen sind zuckersüß. Kein Vergleich mit der manchmal geschmacksneutralen Supermarkt-Ware. „Und ungespritzt“, bemerkt die Gärtnerin stolz. Gemeinsam mit ihrem Mann Reinald beackert sie eine 400 Quadratmeter große Parzelle in der Kleingartenkolonie Hanerau-Hademarschen – fast ausschließlich mit Nutzpflanzen. Rechts vom Eingang wachsen Kartoffeln, links gedeihen unter anderem Erdbeeren, Bohnen, Grünkohl und Erbsen.

„Wir versorgen uns vollständig selbst“, sagen die Eheleute – und das bereits seit 46 Jahren. Selbst wenn Fisch auf den Tisch kommt, hat den Reinald Maaß eigenhändig an Land gezogen. Lediglich Fleisch kauft das Paar dazu.

„Wir haben uns damals geärgert, dass alles gespritzt ist“, erinnert sich Grete Maaß. Die heute 65-Jährige und ihr Mann bevorzugen Obst und Gemüse ohne Chemikalien. „Das Unkraut wird bei uns ausgezogen und nicht mit der Giftspritze getötet“, betont Reinald Maaß. Damit Falter sich nicht am Kohl gütlich tun und dort ihre Larven ablegen, hat Grete Maaß beispielsweise rund um die Parzelle Blumen gepflanzt. „Das ist ein Tipp, den ich von der Insel Reichenau mitgebracht habe“, erzählt sie. Er hat sich bewährt. Und damit Wurzel- und Zwiebelfliegen keine Chance haben, hat sie Zwiebeln im Wechsel mit Karotten angepflanzt.

Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten wissen viele zu schätzen. Auch die Tochter des Paares und ihr Enkel. „Oma-Tomaten“ stehen bei ihm hoch im Kurs. Doch den meisten Menschen sind Anbau und Pflege zu aufwändig. Morgens und abends schauen Reinald und Grete Maaß nach ihrem Nutzgarten. Was aber nicht bedeutet, dass sie auf andere Aktivitäten vollständig verzichten. „Wir haben kürzlich eine Woche Urlaub gemacht“, erzählen sie. Und im Wanderverein sind sie außerdem aktiv.

„Wir sind ständig in Bewegung“, erklärt die Rentnerin, die aber noch im Beruf tätig ist. Einfach nur rumsitzen – nein, das sei nichts für sie, erklären beide unisono. Da verwundert es auch nicht, dass die Parzelle nicht der einzige Garten des Rentnerpaares ist. 1000 Quadratmeter stehen ihnen bei ihrer Wohnung zur Verfügung. Hier dominieren Blumen ein kleines Paradies mit Teich und verschiedenen Sitzplätzen. Eine solche Fülle zu pflegen, erfordert viel Zeit – und Begeisterung. Die ist bei beiden spürbar. Auch das Wohl tierischer Nützlinge liegt ihnen am Herzen.

An vielen Stellen haben sie Nistkästen aufgehängt, in einem propperen Insektenhotel können Hummeln oder Ohrwürmer einchecken. Und mit bienenfreundlichen Pflanzen sorgt Grete Maaß für die Verpflegung bei den Immen, die ein Nachbargärtner seit einiger Zeit beherbergt.

Doch mit dem Anbau ist es ja nicht getan. „Abends wird geerntet“, sagt Reinald Maaß, während seine Frau mit dem Eimer zum Erdbeerbeet geht. Was nicht sofort gegessen wird, frieren oder wecken die beiden Selbstversorger ein. „Drei Gefriertruhen voll haben wir“, erklärt Reinald Maaß. Außerdem selbstgemachtes Sauerfleisch im Keller. Ehefrau Grete ergänzt: „Bei uns kann jederzeit Besuch kommen – wir haben immer etwas zu essen da.“

EXPERTENTIPP

Ein Hochbeet hat zwei Vorteile: „Man muss sich nicht so tief bücken“, sagt Grete Maaß. Und es verschafft den Pflanzen Licht, wo sie sonst nur Schatten hätten, so wie im Hausgarten des Ehepaares in Hanerau-Hademarschen. Reinald Maaß erklärt, wie ein solche Beet angelegt wird. Als erstes wird ein Container aus Bohlen gebaut und dann mit Folie ausgeschlagen. Hineingefüllt werden Strauchschnitt, Gras und anderes Schnittgut. Als erstes grobes Material wie Baum- und Strauchschnitt. Es folgen Grünabfälle, Gartenerde und reifer Kompost dann im oberen Teil. „Aber keine Johannisbeeren, Himbeeren und kein Efeu!“, warnt Grete Maaß. Diese Pflanzen schlagen selbst unter einer dicken Schicht Erde wieder aus und wachsen ans Licht. „Dann können Sie das ganze Beet wieder abreißen“, so die Expertin.

„Am besten“, so Reinald Maaß, „ist es, das Beet im Herbst anzulegen“. Dann könne der mit Erde abgedeckte Inhalt sacken. „Vier Jahre lang müssen Sie das Hochbeet ständig mit Erde auffüllen“, lautet die Erfahrung des Ehepaars, das zu diesem Zweck Gartenerde kaufe.

Im vergangenen Jahr gedieh auf dem hohen Beet Eisbergsalat. „Der mag überhaupt keine Feuchtigkeit von oben“, lautet die Erfahrung der beiden Gärtner. Darum baute Reinald Maaß ein Dach. Auch dem Blumenkohl, der in diesem Jahr angepflanzt wurde, kommt diese Überdachung zu Gute.

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erstellt am 17.Jun.2016 | 19:02 Uhr

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