Interview : Oberst Markus Kleinbauer aus Hohn im Einsatz gegen IS-Terroristen

Oberst Markus Kleinbauer ist seit Dezember in Jordanien stationiert. Der LTG-Chef aus Hohn kommandiert das deutsche Camp, in dem 280 Soldaten tätig sind.
Oberst Markus Kleinbauer ist seit Dezember in Jordanien stationiert. Der LTG-Chef aus Hohn kommandiert das deutsche Camp, in dem 280 Soldaten tätig sind.

Der Kommodore ist Chef von 280 Bundeswehr-Soldaten, die von Jordanien aus zu Aufklärungsflügen starten.

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14. Februar 2020, 20:14 Uhr

Sein Büro in der Kaserne in Hohn hat Oberst Markus Kleinbauer vor knapp drei Monaten mit einer Unterkunft mitten in der Wüste getauscht. Der Kommodore des Lufttransportgeschwaders 63 ist seit dem 4. Dezember Chef des deutschen Einsatzkontingentes „Counter Daesh / Capacity Building Iraq“ in Jordanien. 3300 Kilometer südöstlich von Rendsburg sind die deutschen Soldaten auf einer großen Basis stationiert und unterstützen den Kampf der internationalen Allianz gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Mit Oberst Kleinbauer sprach unser Redaktionsmitglied Dirk Jennert.

Herr Oberst Kleinbauer, wie ist das Wetter bei Ihnen in Jordanien?

Kleinbauer: Es ist zeitweise kälter als aktuell bei uns zu Hause. Damit hatte ich nicht gerechnet, als ich hierher geflogen bin. Am Montagabend zeigte das Thermometer nicht mehr als drei Grad an, dazu kam noch der Wind. Tagsüber ist es meist deutlich wärmer. Für die kommende Woche sind sogar bis zu 18 Grad angesagt. Wenn die Sonne sich zeigt, steigen die Temperaturen sehr schnell.

Der Stützpunkt Al-Asrak liegt mitten in der Wüste – 3300 Kilometer Luftlinie von Rendsburg entfernt.
Der Stützpunkt Al-Asrak liegt mitten in der Wüste – 3300 Kilometer Luftlinie von Rendsburg entfernt.
 

Wo genau befinden Sie sich?

Unser Camp liegt mitten in der jordanischen Wüste. Die irakische Grenze verläuft 220 Kilometer weiter östlich, bis zur syrischen Grenze im Norden sind es zirka 50 Kilometer. Das Camp ist 400 mal 400 Meter groß und Teil der zirka 30 Quadratkilometer großen Muwaffaq Al Salti Air Base. Damit ist sie flächenmäßig 15 Mal größer als der Flugplatz in Hohn. Auf der Base sind auch Streitkräfte anderer Nationen stationiert, die sich am Kampf gegen den IS beteiligen. Etwa drei Kilometer entfernt liegt die Stadt Al-Asrak, in der 40.000 Menschen leben. Ansonsten sind um uns herum nur Sand und Steine.

Dieses Manöver erfordert höchste Präzision: Ein Bundeswehr-Tornado  nähert sich dem Tankflugzeug A400M, das über dem Einsatzgebiet kreist. Der Tankstutzen des Tornados ist bereits ausgefahren. Kurz darauf wird er an die Tankerleitung andocken. Der A400M kann bis zu 50 Tonnen Kerosin mitführen. Bundeswehr
Bundeswehr

Dieses Manöver erfordert höchste Präzision: Ein Bundeswehr-Tornado  nähert sich dem Tankflugzeug A400M, das über dem Einsatzgebiet kreist. Der Tankstutzen des Tornados ist bereits ausgefahren. Kurz darauf wird er an die Tankerleitung andocken. Der A400M kann bis zu 50 Tonnen Kerosin mitführen. Bundeswehr

 

Sind Sie und Ihre Soldaten in Wohncontainern untergebracht?

Nein, ich würde unsere Unterkünfte eher als Baracken in Leichtbauweise bezeichnen. Die Stuben und Büros sind mit Klimaanlagen ausgestattet, weil es hier die meiste Zeit des Jahres sehr warm ist. Derzeit allerdings sind wir froh darüber, dass man damit nachts auch heizen kann.

Der Auftrag der internationalen Allianz ist der Kampf gegen IS-Terroristen. Was speziell ist Ihre Aufgabe?

Der Einsatzanteil „Counter Daesh“ besteht aus mehreren Aufgaben. Zum einen erstellen wir im Auftrag der Koalition die Aufklärungsfotos und werten diese aus. Die Ergebnisse dienen der Allianz für die Einsatzplanung. Zum anderen stellen wir die nötige Luftbetankungskapazität zur Verfügung, damit die Flugzeuge länger in der Luft bleiben können. Ich bin außerdem verantwortlich für den Anteil „Capacity Building Iraq“. Das Ziel: die Ausbildung künftiger Ausbilder der irakischen Sicherheitskräfte.

Vier Bundeswehr-Tornados sind in Jordanien stationiert. Sie versorgen die internationale Allianz gegen den IS-Terror mit Aufklärungsfotos.
Bundeswehr

Vier Bundeswehr-Tornados sind in Jordanien stationiert. Sie versorgen die internationale Allianz gegen den IS-Terror mit Aufklärungsfotos.

 

Welche Ausrüstung ist in Jordanien erforderlich – und wie groß ist Ihre Truppe?

Wir verfügen über vier Tornados, außerdem über einen A 400 M als Tanker. 280 Soldaten stehen hier im Camp unter meinem Befehl, das Team umfasst Piloten, technisches Personal sowie Soldaten, die sich um die Administration und den Campbetrieb kümmern. In einer Einheit dieser Größe fallen zudem immer Verwaltungsaufgaben an, die ebenfalls erledigt werden müssen.

Wie lange dauern die Aufklärungsflüge?

Das ist ganz unterschiedlich. Wir nutzen unsere Luftbetankungskapazität, um die Einsätze zu verlängern. Die kürzesten Flüge dauern zweieinhalb Stunden, die längsten können sich auf fünf bis sechs Stunden erstrecken. Pro Tag absolvieren wir eine Mission mit jeweils zwei Tornados, und das an sechs Tagen die Woche. Gleiches gilt für den A 400 M, der hier als Tankflugzeug eingesetzt wird.

Anfang Januar töteten die Amerikaner den iranischen General Qasem Soleimani, wodurch die Lage im Nahen Osten zu eskalieren drohte. Wie haben Sie das miterlebt?

In Jordanien haben wir davon so gut wie nichts gespürt. Die Kameraden im Irak hingegen waren davon schon sehr betroffen. Mittlerweile hat sich die Situation aber beruhigt. Die ausgesetzte Ausbildungsarbeit haben wir im Nordirak wieder aufgenommen, im Zentralirak bereiten wir uns gerade darauf vor.

In der „Zeit“ konnte man lesen, dass keine auf dem Stützpunkt vertretene Armee ein besseres Essen bekommt als die Bundeswehrsoldaten. Wie sehen Sie das?

Das ist natürlich immer ein subjektiver Eindruck, aber das hiesige Essen ist besser als in der heimischen Truppenküche, wobei das auch schon gut ist. Aber die Auswahl hier im Camp ist größer. Alles wird frisch zubereitet. Es ist schon wirklich klasse. Schweinefleisch gibt es allerdings nicht. Da passen wir uns an die Region an. Der Schwerpunkt liegt auf Hühnerfleisch. Als Vergleich kann ich nur das Essen der Amerikaner heranziehen. Ich beschränke mich mal auf folgenden Satz: Die müssen im Zelt essen, und wir haben dafür ein festes Gebäude.

Haben Sie die Zeit, um Heimatkontakte zu pflegen?

Ja, ich möchte natürlich wissen, was in meinem Geschwader passiert. Da gibt es einen regelmäßigen Kontakt, selbstverständlich genauso zu meiner Frau und meinen beiden Kindern. Wir haben hier eine gute Wlan-Anbindung und könnte entsprechend sehr gut skypen.

Wenn Sie mal keinen Dienst, sondern Freizeit haben: Welche Möglichkeiten gibt es auf dem Stützpunkt?

Während der Dienstunterbrechungen gibt es durchaus einiges. Ich selbst spiele abends gern mal eine Partie Billard. Ich habe mir in unserer Mediathek zudem eine gute Serie ausgesucht: „Vikings“.

Wann kehren Sie nach Deutschland zurück?

Am 31. März endet gemäß Mandat des Deutschen Bundestages der Anteil „Counter Daesh“. Derzeit ist daher geplant, dass ich Anfang April wieder zurückkomme. Wie es dann weitergeht, wird man sehen. Diese Entscheidung ist eine politische und fällt im Parlament.

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