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Streifzug : Nussige Naturprodukte aus der Stadt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Was wächst denn da? Ein Streifzug durch Park und Straßen in Rendsburg. Viele Eicheln, aber wenig Bucheckern in diesem Jahr.

von
erstellt am 28.Okt.2015 | 19:40 Uhr

Eichhörnchen huschen jetzt von Baum zu Baum, um sich einen Wintervorrat an Nüssen anzulegen. Im Stadtpark können sie reiche Beute machen – genauso wie jene menschlichen Sammler, die Kastanien oder Eicheln zum Basteln suchen. Uwe Jens Lornsen hat dafür keinen Blick. Auf seinem Denkmalsockel sieht er stur geradeaus. Dabei ist er einem wahren Regen stacheliger Fruchtstände ausgesetzt.

Die Hüllen sind stachelig, erst hellgrün, und dann verschrumpeln sie bräunlich. Heraus fallen winzige braune „Kerne“. Eine Passantin betrachtet sie, rätselt, um was es sich handelt. „Das sind Bucheckern“, ist sich eine andere sicher. Sie irrt. „Das sind eindeutig Maronen“, sagt Wilhelm Oeltzen, für das Stadtgebiet zuständiger Förster. Zwei Maronen-Bäume gibt es an dem Denkmal, die auch als Esskastanien bezeichnet werden. Wie der Name schon sagt, kann man diese Nüsse im Gegensatz zu den Ross-Kastanien essen. Allerdings kommen die Bäume überwiegend im mediterranen Raum vor. „Aber wir werden sie in Zukunft wohl auch vermehrt anpflanzen“, sagt Oeltzen – als eine Reaktion auf die Klimaveränderung.

Warum diese Rendsburger Maronen so winzig wie Bucheckern sind, kann Oeltzen nicht sagen. „Vielleicht eine Mangelversorgung des Baumes“, mutmaßt er. Auch auf dem Gelände der Polizei in der Moltkestraße steht eine Esskastanie. „Der Baum ist als Naturdenkmal eingetragen“, weiß Stephanie Schönbach aus dem Rathaus. Die Biologin ist für die Grünbelange der Stadt zuständig. Sie kann auch sagen, um was für einen Baum es sich neben dem Alten Rathaus am Altstädter Markt handelt: „Es ist eine Baum-Hasel, auch türkische Hasel genannt, denn der Baum kommt aus dem asiatischen Raum.“ Im Gegensatz zu den nordischen Haselnusssträuchern wachsen die Nüsse zu mehreren in einer Hülle mit verzweigten „Armen“, aber sie sind genauso essbar wie jene der Sträucher.

Die Stadt hat sogar eine Hasel-Baum-Allee: Diese wurde laut Stephanie Schönbach in der Konrad-Adenauer-Straße gepflanzt. Allerdings tragen die Bäume noch keine Früchte – im Gegensatz zu jenem großen Exemplar, das unweit der Kastanien im Stadtpark zu finden ist. Der ganze Boden ist übersät mit den Nuss-Nestern.

Rund um den Haselnussbaum gibt es viele Mythen. So gilt die Hasel als Sinnbild der Fruchtbarkeit und der Wolllust. Man sagt ihr sogar eine aphrodisierende Wirkung nach. Und sie steht für Unsterblichkeit. Da wundert es nicht, dass sie in die Nähe der Hexerei gerückt wird. Nur mit einem Haselzweig soll man Schlangen töten und Unheil abwenden können, sagen die Überlieferungen.

Die Haselnussernte fällt meist ähnlich wie der Eichel-Ertrag aus, erklärt Wilhelm Oeltzen. In diesem Jahr „tragen die Eichen wie verrückt“, sagt der Förster. Anders ist es um die Bucheckern bestellt. „Die Buchen haben in diesem Jahr fast keine Saat“, erklärt Oeltzen. Alle vier bis fünf Jahre bilden die Bäume viele der kleinen, dreikantigen Nüsse aus. Dafür muss der Baum allerdings auch erst einmal „erwachsen“ geworden sein – nämlich zwischen 40 und 80 Jahren alt. Auch nicht alle Buchen produzieren die Früchte, sondern lediglich Rotbuchen. Roh sollte man die Bucheckern nicht genießen. Sie enthalten Substanzen, die in großen Mengen gegessen giftig sind. Besser ist es, die Nüsschen zu rösten.

Wer zum ersten Mal einen Walnussbaum sieht, wird sich fragen, was für eine Pflanze er hier vor sich hat. In Privatgärten sind sie gar nicht so selten, meint Stephanie Schönbach, als Straßenbaum findet man sie hingegen selten. „Die Walnuss wächst strauchartig oder stammbildend“, erklärt Oeltzen. Ein Exemplar findet sich auch im Stadtpark. Die Biologin Schönbach weiß von einer Schwarz-Walnuss, die auf dem Spielplatz an der Adolfstraße wächst. „Ein schräg stehender Baum“, sagt sie. „Oft sammeln Rendsburger dort Nüsse.“

Das Sammeln von Kastanien zum Basteln ist selten geworden. Auch als Wildfutter werden sie nicht mehr benötigt, da die vergangenen Winter sehr milde waren, so Oeltzen. Aber hin und wieder sind Sammler im Stadtpark anzutreffen – und mancher bringt auch eine Handvoll Nüsse mit.

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