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Kein Geld aus Berlin : Nur noch Gnadenfrist für marode Schleuse

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bei der Gieselauschleuse zwischen Nord-Ostsee-Kanal und Eider spricht das Verkehrsministerium erstmals von Außerbetriebnahme.

shz.de von
erstellt am 20.Jul.2017 | 12:19 Uhr

Die Tage der Gieselauschleuse zwischen Nord-Ostsee-Kanal und der Eider sind offenbar gezählt. In einer Antwort auf eine Resolution des Kreistages spricht das Bundesverkehrsministerium erstmals von der Außerbetriebnahme des maroden Bauwerks. In dem Brief wird zwar kein konkreter Termin genannt, das Ende ist jedoch absehbar. Denn aus Berlin fließen keine Investitionen mehr in den Erhalt der Schleuse. Für den Wassersport auf der Eider hätte eine Sperrung fatale Auswirkungen.

Bereits Ende März hatte sich der Kreistag mit einer Resolution an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt gewandt (wir berichteten). Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, die Funktionsfähigkeit der Eider, des Gieselaukanals und der Gieselauschleuse mit Blick auf deren touristische Bedeutung weiterhin sicherzustellen. Denn das Bauwerk in der Gemeinde Oldenbüttel stellt die einzige Verbindung der Flussregion Eider-Treene-Sorge mit dem Nord-Ostsee-Kanal dar. Segler, Motorboote und die Ausflugsschiffe der Adler-Reederei nutzen sie regelmäßig. Hintergrund des Appells an die Bundespolitik ist das Vorhaben des Verkehrsministeriums, den Schleusenbetrieb abzugeben, etwa an Träger aus der Region. Das wird von allen Seiten kritisiert – zu teuer. Kern des Vorwurfs an das Ministerium ist, dass es das über 80 Jahre alte Bauwerk erst durch mangelnde Investitionen habe verkommen lassen und es nun loswerden wolle. Tatsächlich sind bei einer Inspektion vor zwei Jahren schwere Schäden festgestellt worden. Spundwände und Schleusentore rosten, zudem sind die Mauer-Enden (Häupter), die die Tore einfassen, rissig. Die Schleuse wurde für mehrere Monate gesperrt. Zuletzt war die Rede davon, dass Reparaturen für rund zwei Millionen Euro nötig seien.

In der Antwort auf die Resolution schreibt nun der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Enak Ferlemann, dass „wir zu gegebener Zeit alle erforderlichen Schritte für die Außerbetriebnahme der Schleuse durchführen“, wenn sich ihr Bauzustand weiter verschlechtere und sie niemand übernehmen wolle. Bislang hatte das Ministerium nicht von einer Stilllegung gesprochen, sondern lediglich angeboten, die Hälfte der Sanierungskosten zu übernehmen, sollte sich beispielsweise der Kreis Dithmarschen oder ein andere Dritter bereit erklären, Verantwortung für das Bauwerk zu übernehmen. „Dass nun von Außerbetriebnahme geredet wird, ändert nichts an der Tatsache, dass die Schleuse nicht zu finanzieren ist“, sagte der Vorsitzende des Regionalentwicklungsausschusses, Tim Albrecht (CDU). Der Bürgermeister der Eider-Gemeinde Breiholz, Martin Schmedtje, kündigte an, die Bundestagsabgeordneten der Region aufzufordern, sich des Themas anzunehmen.

Wann sich die Tore in Oldenbüttel zum letzten Mal öffnen, ist völlig offen. Thomas Fischer, Sprecher des zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Brunsbüttel, sagte auf Nachfrage der Landeszeitung: „Es ist nichts geplant. Solange wir sie am Leben erhalten können, machen wir das auch.“ Fischer glaube nicht, dass sie in naher Zukunft geschlossen werden muss. „Wenn nichts Außergewöhnliches dazwischenkommt, gehen wir davon aus, dass wir die Schleuse noch einige Jahre betreiben können“, so der Sprecher. Er räumte aber auch ein, dass das WSA die Schleuse nur instand halten darf. Größere Investitionen seien nicht erlaubt. Was das bedeutet, werde im Einzelfall geprüft. Die zuletzt festgestellte Summe von zwei Millionen Euro werde aber sicher nicht mehr hineingesteckt. Die nächste große Inspektion ist in vier Jahren fällig.

Thomas Fischer kündigte an, dass zwischen November und März keine Durchfahrten für Schiffe möglich sind. „Wie in den vergangenen beiden Jahren werden wir die Gieselauschleuse im Winter dichtmachen, um das alte Schätzchen zu pflegen.“ Geplant sind ihm zufolge kleinere Reparaturen, etwa Schweißarbeiten.

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