Kreis Rendsburg-Eckernförde : Nur jeder zweite hat Aussicht auf Asyl

Kümmern sich um das Wohl der Flüchtlinge: Barbara Rennekamp, Katharina Artmann und Dr. Thilo Rohlfs (von links).
Kümmern sich um das Wohl der Flüchtlinge: Barbara Rennekamp, Katharina Artmann und Dr. Thilo Rohlfs (von links).

Derzeit kommen wöchentlich mit rund 50 Flüchtlingen so viele wie nie im Kreis an. Neue Fachgruppe „Zuwanderung“ wird gebildet.

shz.de von
31. Juli 2015, 06:00 Uhr

Mit einer neuen Fachgruppe „Zuwanderung“ reagiert die Verwaltung auf die große Flüchtlingswelle. Kreis und Gemeinden sind die letzten Glieder in der Kette des stetig anschwellenden Stroms der Asylbewerber. „Damit müssen wir zurechtkommen“, sagt Dr. Thilo Rohlfs. Deshalb passt er seinen Fachbereich Umwelt-, Kommunal- und Ordnungswesen an – und schafft die neue Abteilung, die am 1. August unter der Leitung von Katharina Artmann ihre Arbeit aufnimmt. Der Umbau ist nicht zuletzt auch deshalb nötig, weil das Land noch weit von dem Ziel entfernt ist, die Neuankömmlinge sechs bis acht Wochen in der Erstaufnahmeeinrichtung zu halten. „Das ist noch blanke Theorie“, sagt Rohlfs.

In der vergangenen Woche hat sich die Zahl der Flüchtlinge, die immer donnerstags im Kreishaus ankommen, noch einmal auf rund 50 erhöht. So viele waren es noch nie. Anfang August werden insgesamt seit Januar rund 920 Asylbewerber ihren Weg nach Rendsburg-Eckernförde gefunden haben. Das übertrifft bereits jetzt die Zahl aus dem vergangenen Jahr (780) und ist sogar mehr als in den Jahren 2009 bis 2013 zusammen. „Ob wir die prognostizierte Zahl von 1800 bis Jahresende halten, ist fraglich“, sagt Barbara Rennekamp, Leiterin des Fachdienstes Allgemeine Ordnungsverwaltung und Verkehr. „Diesen Massen werden die Struktur und die Arbeitsabläufe der Fachgruppe Ordnungswesen nicht mehr gerecht“, sagt sie.

Deshalb kümmern sich inzwischen 14 Mitarbeiter um die Belange der Flüchtlinge – doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Katharina Artmann muss die Arbeit nun koordinieren. Dabei geht es um die Betreuung der Asylbewerber, die Vermittlung in Wohnungen im Kreisgebiet, aber auch um Familiennachzug und die Einbürgerung. Mit dem Ausländerrecht kennt sie sich aus, denn vor ihrer Anstellung in der Zulassungsbehörde des Kreises hat sie zehn Jahre lang in der Ausländerbehörde von Bayerns Landeshauptstadt München gearbeitet. „Ich freue mich auf die Aufgabe“, sagt sie und weiß aber auch, dass viel von ihr erwartet wird. „Mit Blick auf die Flüchtlingslager im nahen Osten wird immer absehbarer, dass sich die Lage nicht entspannt.“

Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Abschiebung. „Die Quote der abgelehnten Asylanträge ist hoch, sie liegt bei 50 Prozent“, sagt Barbara Rennekamp. Diese Fälle verursachen viel Arbeit, weil die Betroffenen in den meisten Fällen weitere Gründe angeben, die einer Abschiebung entgegen stehen, etwa Krankheit oder Verlust des Passes. Das muss die Verwaltung prüfen und für diese Zeit eine Duldung erteilen. Artmann hat Aussicht auf weitere Mitarbeiter, die vom Land gestellt werden und etwa gesundheitliche Bedürfnisse und berufliche Fähigkeiten der Flüchtlinge bei der Zuteilung einbeziehen sollen. Rohlfs: „Das steht und fällt mit dem Ziel, dass die Flüchtlinge sechs bis acht Wochen in der Erstaufnahmeeinrichtung bleiben. Derzeit sind wir aber bei zehn Tagen.“ Das reiche längst nicht, um die beispielsweise die Stärken und Schwächen der Menschen zu ermitteln. Und: „Die Menschen kommen hier im Kreis an, ohne überhaupt einen Asylantrag gestellt zu haben.“ Das bedeutet mehr Arbeit für die Verwaltung und für die Antragsteller zusätzliche Fahrten zur Aufnahmestelle in Neumünster.

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