Junges Rendsburg : "Nur du selbst kannst dich motivieren"

Zwischen Skepsis und Euphorie: 'Motivationstrainer' Christian Bischoff trat vor Schülern des Gymnasiums Kronwerk auf. Foto: iya Foto:
Zwischen Skepsis und Euphorie: "Motivationstrainer" Christian Bischoff trat vor Schülern des Gymnasiums Kronwerk auf. Foto: iya Foto:

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22. Februar 2011, 08:20 Uhr

Büdelsdorf | "Ein Trainer soll uns motivieren? Spinnt der?" So oder ähnlich hat ein Großteil der Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Kronwerk gedacht, bevor sie sich die Vorstellung von Christian Bischoff am vergangenen Donnerstag ansahen. Die Einstellung war schon nachvollziehbar, denn immerhin kann laut Verhaltenslehre keine Reaktion entstehen, wenn entweder null Reiz oder null Motivation vorherrscht. Wie soll man dann von diesem "Typen mit dem roten Stirnband" motiviert werden?

Christian Bischoff (34), der mit 16 Jahren der jüngste Basketball-Bundesligaspieler seiner Zeit war und zusammen mit Dirk Nowitzki in derselben Mannschaft gecoacht wurde, ist internationaler Top-Experte. Seit 15 Jahren beschäftigt er sich mit der Psychologie des Erfolgs und den Gesetzen des Lebens und hält nun weltweit Vorträge und Seminare auf Deutsch und Englisch.

Zugegeben, als Schüler hat man es nicht leicht: Zu Hause gibt es zahlreiche Ablenkungen wie Handy, Facebook oder Fernsehen, die einem das Lernen und die Hausaufgaben schwerer machen. Da kommt einem so ein Motivationslehrer gerade recht, oder? Die Skepsis seiner jungen Zuschauer wusste Christian Bischoff jedenfalls größtenteils zu beseitigen. Gleich zu Beginn erklärte er, dass jene, die Blickkontakt halten können, im Leben die Sieger sind, da sie auf diese Weise Selbstvertrauen und Konzentration trainieren. Denn: "Deine eigene Einstellung ist der entscheidende Faktor, wie sich dein Leben entwickelt."

Weiterhin wollte der Top-Trainer klarmachen, dass jedes noch so unmöglich scheinende Ziel realisierbar sei. Selbstversuch: Man dreht sich im festen Stand nach rechts um und zeigt mit dem gestreckten Arm auf den am weitesten erreichten Punkt, den man sich jetzt merkt. Danach in die ursprüngliche Haltung zurückkehren und 30 Sekunden lang die Augen schließen. In dieser halben Minute stellt man sich vor, wie man sich erneut umdreht und den fixierten Punkt überholt. In der Umsetzung staunten alle nicht schlecht: Es geht tatsächlich weiter herum als beim ersten Mal. Dieser "Verwirklichung der Träume" fügte Christian aber noch einige Bedingungen hinzu: "Nur, wenn du weißt, was du unbedingt willst, kannst du ins Handeln kommen." Und: "Tue jeden Tag etwas dafür, dass du dein Ziel erreichst." Damit waren wir bei der Selbstdisziplin.

Mit einem Video, das die Geburtstagsparty von Oprah Winfrey in Chicago zeigte, wurde so mancher in Ekstase versetzt: Als die Black Eyed Peas ihren Hit "I got a feeling" singen, bewegt sich kein Einziger unter den 20 000 Zuschauern; sie sind auffallend regungslos und starr. Lediglich eine Frau in der ersten Reihe tanzt enthusiastisch. Nach einiger Zeit machen immer mehr Leute synchron mit, bis schließlich die ganze Menschenmasse bebt. Und weder die Oprah noch die Black Eyed Peas wissen, was vor sich geht. Dieser so genannte "Flashmob" hatte bei vielen ein Gänsehautfeeling hervorgerufen. Dies verdeutlichte: Ein einziger Mensch konnte so viele dazu bewegen, etwas zu tun.

Wissenschaftler hätten herausgefunden, dass jeder über drei bis vier Talente verfügt. Die Schulzeit sei dazu da, seine Stärken kennenzulernen und sie dementsprechend zu spezialisieren. Eine weitere Statistik zeigte, dass Erfolg zu 20 Prozent vom Fachwissen und zu 80 Prozent vom Umgang mit Menschen abhängt.

"Jeder Mensch braucht Anerkennung", sagte Christian, um daraufhin den bekannten Satz "Eigenlob stinkt" in "Eigenlob stimmt; Arroganz stinkt" umzuändern. Auf Anregung von Bischoff folgten teilweise bewegende Szenen: Die Schülerinnen und Schüler bedankten sich bei Lehrern und Freunden, zudem wurde über eigene Stärken und Schwächen gesprochen. Diese mit emotionaler Musik unterbreiteten Minuten brachten eine euphorische Stimmung, die sogar zu Tränen rührte.

"Mir persönlich hat das nicht weiter geholfen, weil ich nichts Neues gelernt habe", meinte die 18-jährige Abiturientin Madlin Loof aus Fockbek. Ihre Freundin Fenja Ramm (18) aus Hohn sah das anders: "Mir hat das sehr gut gefallen, Christian hat das sehr gut vorgetragen und die Menschen berührt. Es war gut, dass wir auch selbst aktiv werden konnten." Letztendlich gab Christian Bischoff selbst zu, dass Motivation nicht trainierbar ist: "Der Einzige, der dich motivieren kann, bist du selbst."

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