Bilanz : Nur die „Küstrin“ ist ein Sorgenkind

Fähren-Versammlung: Am Standort Nobiskrug fahren regulär die „Küstrin“ und die „Memel“. Außerdem wartet hier die Ersatzfähre „Stolpmünde“ (von links) auf ihren Einsatz.
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Fähren-Versammlung: Am Standort Nobiskrug fahren regulär die „Küstrin“ und die „Memel“. Außerdem wartet hier die Ersatzfähre „Stolpmünde“ (von links) auf ihren Einsatz.

Zuverlässigkeit der Kanalfähren im Kreisgebiet insgesamt gestiegen / Am häufigsten ist ein Schiff am Standort Nobiskrug defekt

shz.de von
26. Januar 2018, 11:29 Uhr

Die Fähren, die die Autofahrer im Kreisgebiet über den Nord-Ostsee-Kanal bringen, sind zuverlässiger geworden: Gemeinsam kamen die fünf Fährschiffe im vergangenen Jahr auf 201 Ausfallstunden, 2016 waren es noch 240. Großen Anteil an der positiven Entwicklung hat eine Änderung am Standort Breiholz: Dort wurde auf einen Zwei-Mann-Fährbetrieb umgestellt. Die Zahl der Ausfallstunden sank in der Folge um über 75 Prozent.

Spitzenreiter in der Ausfallstatistik ist das Schiff „Küstrin“, das am Standort Nobiskrug eingesetzt wird. 89 Stunden lang konnte es nicht fahren. Das entspricht einer Ausfallquote von 1,06 Prozent, teilt Matthias Visser, Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Kiel-Holtenau (WSA), mit. Hintergrund ist, dass die „Küstrin“ noch mit einer „hydraulischen Ansteuerung“ funktioniert. Die Hydraulik-Pumpe sei eine große Defektquelle. Deshalb ziehe man in Betracht, die „Küstrin“ auf die modernere elektronische Schaltertechnik umzustellen. Dies könnte noch in diesem Jahr erfolgen – bei der Generalüberholung, die jedes Schiff alle zwei Jahre erfährt.

Trotz der Probleme mit der „Küstrin“ werden Autofahrer am Standort Nobiskrug am zuverlässigsten übergesetzt. Es ist nämlich der einzige im Kreisgebiet, an dem zwei Fähren fahren: Neben der „Küstrin“ steht hier die „Memel“ zur Verfügung. Bis auf eine achtstündige hochwasserbedingte Unterbrechung lief der Fährbetrieb von und nach Schacht-Audorf 2017 immer, berichtet Visser. Der beste Standort mit nur einem Fährschiff ist Sehestedt: Nur 15 Stunden konnte nicht übergesetzt werden.

Deutlich geringere Wartezeiten als noch 2016 mussten Fahrer, die in Breiholz die Kanalseite wechseln wollten, in Kauf nehmen: Lediglich 31 Stunden lang zeigte die Ampel hier Rot – das entspricht 0,36 Prozent der Betriebszeit. Im Jahr zuvor waren es noch 132 Stunden (1,55 Prozent). Ein wichtiger Grund hierfür ist, dass in Breiholz nun eine Zwei-Mann-Besatzung eingesetzt wird. Zuvor war der Kapitän alleine. Von seinem Steuerstand aus musste er die Auf- und Abfahrt der Fahrzeuge regeln: Per Computer wurden Signale an die Schilderbrücken am Ufer gegeben. Diese Technik war äußerst anfällig. Mittlerweile wird der Kapitän in Breiholz von einem Decksmann unterstützt, der das Boarding übernimmt.

Damit ein Schaden schnellstmöglich behoben werden kann, gibt es eine Rufbereitschaft im WSA-Bauhof in Rendsburg. Fällt ein Schiff durch einen schweren Defekt über einen längeren Zeitraum aus, wird es vom Ersatzschiff „Stolpmünde“ vertreten. Langfristig sollen alle Kanalfähren durch neue ersetzt werden. Teils sind sie bereits über 50 Jahre alt. Der erste Neubau soll 2019 westlich des Kreisgebietes den Betrieb aufnehmen. Visser empfiehlt, sich auf der Homepage des WSA für den Fähren-Newsletter anzumelden, um über alle Fährausfälle informiert zu werden.

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