zur Navigation springen

Krise des Landestheaters : Notruf nach der Erstaufführung

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Analog zur viel gelobten Premiere „Der Untergang der Titanic“ zieht Intendant Peter Grisebach Parallelen zur Krise des Landestheaters.

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Nach gelungener Premiere und großem Lob für das Ensemble, das unter der Regie von Wolfram Apprich mit 33 Gesängen den „Untergang der Titanic“ im Detail beleuchtete, teilte der um die Zukunft des Hauses besorgte Generalintendant Peter Grisebach seine Gedanken mit. Er schloss sich Hans Magnus Enzensberger an, der am Beispiel der Titanic jeden Einzelnen zum kritischen Nachdenken über das Prinzip „Untergang“ aufforderte.

„Warum lernt die Menschheit nicht aus Katastrophen?“, fragt Enzensberger im „Untergang der Titanic“. Dieselbe Frage stellte Peter Grisebach auch im voll besuchten Foyer des Stadttheaters. Dass er diese Frage nach den Entwicklungen der vergangenen Woche aus eigenem Anlass stellen würde – daran hatte er nach eigenen Worten bei der Programm- und Zeitplanung dieser musikalischen Revue nicht gedacht.

Analog zur Katastrophe und dem Untergang der „Titanic“ zeigte er seine persönliche Parallele zur Krise des Landestheaters auf. „Die erste Katastrophe geschah vor zweieinhalb Jahren mit der Schließung des Schleswiger Hauses wegen Baufälligkeit. Die zweite am vergangenen Montag.“ Grisebach schilderte dazu seine Version am Vorbild der Titanic. „Ich habe mir vorgestellt, die Schleswiger Ratsversammlung wäre auf der sinkenden Titanic. Da sehe ich die Mitglieder der Splitterparteien als erste im Rettungsboot. Die FDP ebenfalls, man würde aber warten, bis einer kommt und rudert. Die SPD würde sofort die Kommandobrücke stürmen und mächtig am Steuerrad drehen – und nichts passiert. Der SSW würde mit untauglichen Mitteln versuchen, das Loch im Rumpf zu stopfen, während die CDU-Mitglieder zurück in den Ballsaal und ins Café gehen. Schließlich hätten sie ja bereits alles bezahlt. Irgendjemand wird die Reederei anrufen und auffordern, etwas zu tun. Die Grünen schließlich würden eine Diskussion darüber anzetteln, ob es überhaupt sinnvoll sei, ein Schiff zu bauen und ob es klug sei, damit auf eine Reise zugehen, auch wenn man das andere Ufer nicht sieht. Auch sei grundsätzlich zu klären, ob man überhaupt Schiffe bräuchte.“

Wenn niemand über seinen Schatten springt und weiter in der eigenen Begrenztheit agiert, davon ist Grisebach überzeugt, „steuert die Schleswiger Ratsversammlung auf eine persönliche Katastrophe zu“. Seine Befürchtungen vor den Auswirkungen einer möglichen zweiten Katastrophe, die mit der Auflösung des Gesellschaftervertrags und dem Ende der Zusammenarbeit auch den Untergang des Landestheaters bedeutet, scheinen nicht unbegründet. Ob es dazu kommen wird, ist derzeit noch offen. Peter Grisebach jedenfalls ist schon fleißig auf der Suche nach finanzkräftigen Unterstützern. Nicht ganz erfolglos, wie der Besuch von Staatssekretär Dr. Eberhard Schmidt-Elsaeßer aus dem Kieler Ministerium für Justiz, Kultur und Europa in der Premierenvorstellung zeigte.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen