Notgruppe: Mit Mama in den Wald

Die Notgruppe macht sichtlich Spaß. Die Eltern um Eva Rademann (rote Jacke) und Christiane Peters (grün) müssen dafür improvisieren.
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Die Notgruppe macht sichtlich Spaß. Die Eltern um Eva Rademann (rote Jacke) und Christiane Peters (grün) müssen dafür improvisieren.

Seit einer Woche werden die Waldkinder der Kita Zauberwald von Eltern betreut / Täglich wechselnde Teams sind mit den Kleinen im Gelände

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26. Mai 2015, 12:51 Uhr

„Liebe Waldeltern, die Kita streikt unbefristet.“ Ein Schild mit dieser Aufschrift begrüßt jeden Morgen die Waldgruppe der Kita Zauberwald. Dass die Kinder trotzdem täglich unter freiem Himmel betreut werden, ermöglichen derzeit die Eltern.

Die Notgruppe startete gestern in ihre zweite Woche. Seit dem 8. Mai haben die Betreuerin der Waldgruppe und die Sozialpädagogische Assistentin ihre Arbeit niedergelegt. Dadurch fiel in der ersten Woche die Betreuung komplett aus. „Mit den Feiertagen ging das noch, aber die Situation der berufstätigen Eltern wird immer brenzliger“, ist die Einschätzung von Mutter Eva Rademann. Gestern übernahm sie gemeinsam mit Christiane Peters die Betreuung der Notgruppe. „Wir sind Lehrerinnen und haben heute unseren freien Tag. An den anderen Tagen sind wir dringend auf Hilfe angewiesen“, so Rademann. Über E-Mails und Elternstammtische organisieren sie sich mit den anderen Betroffenen, so dass an jedem Tag mindestens zwei Eltern bei den Kindern bleiben. Rademann: „Der Plan für diese Woche steht. Wir versuchen, das auch für die nächste Woche aufrecht zu erhalten.“ Normalerweise ist die Gruppe 20-köpfig, in der Notgruppe waren zunächst sieben Kinder, mittlerweile sind es zehn. Peters: „Wahrscheinlich werden es nächste Woche noch mehr, und wir brauchen für jeweils fünf Kinder einen Elternteil.“

Trotz der täglichen Betreuung müssen Eltern und Kinder Abstriche machen: Sonst können die Kleinen ab 7 Uhr bei einem Frühdienst abgegeben werden. Der fällt momentan genauso aus wie die Ganztagsbetreuung. Von 8 bis 13 Uhr sind die Kinder nun im Wald, wissen dort aber auch ohne die Erzieherinnen genau Bescheid. Die Regeln im Wald und die gemeinsamen Rituale kennen sie längst auswendig. Dabei ist besonders Praktikant Svante Harrsen eine Unterstützung für die täglich wechselnden Eltern. Doch die Zeit des angehenden Erziehers in der Waldgruppe könnte aufgrund des Streiks ein jähes Ende nehmen (siehe Interview rechts).

Trotz der widrigen Umstände haben die Eltern Verständnis für die Kita-Mitarbeiter. „Eigentlich unterstütze ich das. Jetzt haben sie das angefangen, jetzt müssen sie das auch zu Ende bringen“, sagt Christiane Peters. Sie und die anderen Eltern waren vor allem angetan von der Transparenz, mit der die Erzieherinnen das Thema angegangen sind. „Wir haben eine Mail bekommen, in der genau aufgeschlüsselt war, wer wie viel verdient und was gefordert wird“, so Rademann. Sie ist besonders froh, dass die Übernachtungsfahrt zum Abschied der 35 baldigen Schulkinder trotzdem stattfinden wird. Das habe die Gemeinde bereits zugesagt.

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