Hohenwestedt : Nostalgische Zeitreise

„Zu Gast im alten Hohenwestedt“: Auf dem Titelblatt des Kalenders ist das ehemalige „Bahnhof-Hotel“ zu sehen. Fotos: H.-J. Kühl
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„Zu Gast im alten Hohenwestedt“: Auf dem Titelblatt des Kalenders ist das ehemalige „Bahnhof-Hotel“ zu sehen. Fotos: H.-J. Kühl

„Zu Gast im alten Hohenwestedt“: Diesen Titel trägt ein Kalender mit historischen Postkarten aus dem Fundus des Heimatmuseums Hohenwestedt. Das Thema lautet: Hotels und Gaststätten von anno dazumal.

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05. November 2018, 12:24 Uhr

Eine Zeitreise 100 Jahre zurück in die Vergangenheit der Gemeinde Hohenwestedt kann man mit dem neuen Kalender des Museumsvereins für 2019 antreten. „Zu Gast im alten Hohenwestedt“ hat Jutta Eggers ihre Sammlung von historischen Postkarten aus dem Museumsfundus genannt, die alle ein gemeinsames Thema haben: Hotels und Gaststätten von anno dazumal.

„Dass Hohenwestedt früher so viele Hotels und Gasthäuser hatte, hing nicht zuletzt mit der Landwirtschaftsschule zusammen, deren Schüler zum Teil sogar aus dem Ausland kamen und natürlich irgendwo untergebracht und verpflegt werden mussten“, weiß Jutta Eggers. Die stellvertretende Vorsitzende des Hohenwestedter Museumsvereins hat die Blütezeit des örtlichen Hotel- und Gaststättengewerbes in einem Postkarten-Kalender festgehalten, der zu einer nostalgischen Zeitreise in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts einlädt.

Dass Hohenwestedt von jeher eine Hochburg für Gastwirte und Hoteliers war, hängt auch mit der besonderen Lage der Gemeinde am Schnittpunkt zweier Handelswege zusammen. In Hohenwestedt kreuzten sich der Ochsenweg und die Lübsche Trade, die heute die profanen Bezeichnungen B 77 und B 430 tragen. Es ist vielleicht kein Zufall, dass sich das Hotel und Restaurant, das sich am dichtesten an diesem Kreuzungspunkt befindet – das „Landhaus“ direkt an der B 77 –, das einzige Gasthaus ist, das den Strukturwandel der vergangenen 100 Jahre schadlos überstanden hat. Alle anderen Hohenwestedter Hotels sind Geschichte.

Das Gebäude des Hotels „Im weißen Ross“ zum Beispiel, das auf dem Januar-Kalenderblatt zu sehen ist, steht zwar nach wie vor an der Ecke Rendsburger Straße/Friedrichstraße, dient aber heute als Wohnhaus. Das gleiche Schicksal der Umwandlung in ein Wohn- oder Geschäftsgebäude ereilte das „Bahnhof-Hotel“ (März-Kalenderblatt), „Harders Bierstuben“ in der Friedrichstraße (Mai), das „Café Müller“ in der Itzehoer Straße (Juni), das Café und Restaurant „Vaterland“ in der Tannenbergallee (August) und die Gaststätte „Harmonie“ an der Ecke Friedrichstraße/Wilhelmstraße (November). Gleich ganz abgerissen wurden in den vergangenen Jahren das Gasthaus „Zur Post“ in der Lindenstraße (September), das „Parkhotel“ (Oktober) und die Gaststätte „Ludwigslust“ (Dezember). Die ehemalige Gastwirtschaft „Zur Börse“ (April) präsentiert sich heute als „Pizzeria Ristorante Donna Teresa“ – und nur das „Landhaus“ (Februar) wird als „einziges Hotel und Restaurant aus der alten Zeit noch heute unter gleichem Namen geführt“, wie Jutta Eggers in der Kalenderblatt-Bildunterschrift anmerkt.

Zwölf Postkarten von alten Hotels reichen für einen Kalender, und so konnte die Hobbyhistorikern auf Bilder von den Gastwirtschaften verzichten, die bereits 2017 in einer Museumsvereins-Sonderveröffentlichung zu den örtlichen „Geschäftsgebäuden im Wandel der Zeit“ anlässlich der Hohenwestedter 800-Jahr-Feier vorgestellt wurden: Hotel „Stadt Hamburg“, die „Neue Börse“ und das Hotel „Zur Erholung“. Ihr Kalender sei auch ein Dokument einer gesellschaftlichen Veränderung, so Jutta Eggers: „Die einstige Kneipenkultur mit Stammtischen und regelmäßigen Kegeltreffs gibt es in unserer Gemeinde ja kaum noch.“ Der Jahreskalender „Zu Gast im alten Hohenwestedt“ kostet zehn Euro und ist im Heimatmuseum in der Friedrichstraße (Öffnungszeiten: sonntags und donnerstags, jeweils von 14 bis 17 Uhr) oder im Presseshop von Olaf Kröger bei Edeka Bünning am Hohenwestedter Marktplatz erhältlich.

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