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Nach Schüssen im Finanzamt : Nortorf: Bewegender Abschied von Wolfgang B.

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Zwölf Tage nach der Schießerei wurde der Rendsburger Finanzbeamte heute beerdigt. Ministerpräsident Torsten Albig versagt bei seiner Ansprache fast die Stimme.

Nortorf | Mit einer bewegenden Trauerfeier hat die Familie des im Dienst erschossenen Finanzbeamten heute Morgen Abschied genommen. Unter den rund 300 Gästen in der Nortorfer St.-Martin-Kirche waren neben vielen Freunden und Kollegen auch Ministerpräsident Torsten Albig und Finanzministerin Monika Heinold.

Vor dem Eingang der neugotischen Backsteinkirche aus dem 19. Jahrhundert waren ein Kranz und ein Blumengesteck aufgestellt. „Danke für Deine Freundschaft“, stand auf einer Schleife. Im Eingangsbereich lagen Kondolenzbücher aus, in die sich die Trauergäste eintrugen.

In seiner Trauerrede sagte Albig über das Opfer: „Er war einer von uns. Er stand an unserer Seite, dass dieses Land gut und gerecht funktioniert.“ Die Tat greife auch die Werte der Gesellschaft an. „Hier geht es auch um uns als Gemeinschaft“, sagte Albig. Vor der Witwe und Angehörigen bekannte der Ministerpräsident, „so gern würde ich Trost spenden, aber mein Blick ist noch zu düster“. Albig warnte davor, Hass und Bitterkeit ins eigene Herz zu lassen. Als Christ wünschte er den Hinterbliebenen Zuversicht auf eine höhere Gerechtigkeit und Hoffnung auf ewiges Leben. Mit gebrochener Stimme beendete er seine Rede mit den Worten: „Sein Land verneigt sich in großer Dankbarkeit und Traurigkeit vor ihm.“

Der 57-jährige Steueroberamtsrat Wolfgang B. aus Groß Vollstedt war am 1. September im Dienst im Finanzamt Rendsburg erschossen worden. Dringend tatverdächtig ist Olaf Lauenroth (55) aus Fockbek. Der als notorischer Querulant bekannte Steuerberater sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Sein Motiv: Er macht das Finanzamt für seine finanzielle Misere verantwortlich.

Furcht und Entsetzen, so Pastorin Babette Lorenzen, habe die sinnlose Tat ausgelöst. „Wohin mit unseren Ängsten, wohin mit unserer Wut?“ Sie appellierte, auf Gott und den Glauben zu vertrauen. Das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten“ sei keine leere Formel. „Du darfst keinen umbringen, nur weil Dich einer geärgert hat oder jemand im Weg steht.“ Das Leben des Opfers zeichnete die Pastorin nach, eines Mannes, der gründlich und besonnen, akribisch und genau gewesen sei - in der Arbeit und in der Freizeit: „Am Ende musste immer alles 150prozentig sein.“ In seiner geliebten Großfamilie habe er die Rolle als Oberhaupt gefunden. Seine Frau hatte er im Finanzamt kennengelernt, seit 24 Jahren waren sie fest zusammen. Pläne für den Ruhestand hatten sie bereits geschmiedet.

Außerdem richtete der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, Thomas Eigenthaler, das Wort an die Trauergemeinde. Wolfgang B. habe das verkörpert, was die Gewerkschaft zusammenhält: „Steuergerechtigkeit war für ihn nicht nur ein Lippenbekenntnis. Unser Beruf löst in der Gesellschaft immer wieder Wut und Aggression aus, aber Freiwild wollen wir nicht sein“, sagte Eigenthaler. „Es hätte jeden von uns treffen können.“

Die Fahnen der Dienstgebäude der obersten Landesbehörden und des Landtags wehten am Freitag auf halbmast. Wegen der Trauerfeier blieb das Finanzamt in Rendsburg an diesem Tag für den Publikumsverkehr geschlossen. Die Kollekte des Trauergottesdienstes geht an den Weißen Ring, der Verbrechensopfer unterstützt. Am Nachmittag sollte Leichnam im engsten Familienkreis beigesetzt werden.

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erstellt am 12.Sep.2014 | 13:42 Uhr

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