Kultur hat Konjunktur : Nordkolleg soll kräftig wachsen

Geldwirtschaft und Kulturbetrieb in guter Nachbarschaft: In der linken Bildhälfte die Gebäude der Genossenschaftsakademie, rechts das Nordkolleg (weißer Pfeil). Beide zusammen treten auch als „Eider-Campus“ auf. Oben rechts der Kanal.
Geldwirtschaft und Kulturbetrieb in guter Nachbarschaft: In der linken Bildhälfte die Gebäude der Genossenschaftsakademie, rechts das Nordkolleg. Beide zusammen treten auch als „Eider-Campus“ auf.

Die Übernahme der benachbarten Liegenschaft für 3,6 Millionen Euro ist geplant. Noch vor der Kommunalwahl will die Politik den Kauf besiegeln.

shz.de von
07. März 2018, 10:12 Uhr

Im Nordkolleg bahnen sich große Veränderungen an. Knapp drei Jahre nach dem Bau des unterirdischen Veranstaltungssaals „U“ soll die Kulturakademie am Gerhardshain nochmals erweitert werden. Dieses Mal wäre der Wachstumssprung gewaltig: Die größten Gesellschafter der Nordkolleg Rendsburg GmbH, der Kreis Rendsburg-Eckernförde und die Stadt Rendsburg, erwägen nach Informationen unserer Zeitung den Ankauf der direkt neben dem Nordkolleg gelegenen Genossenschaftsakademie.

Die Bildungsstätte der Geldwirtschaft gehört dem Genossenschaftsverband und wird seit mehr als 50 Jahren länderübergreifend für die Schulung von Fach- und Führungskräften der Volks- und Raiffeisenbanken genutzt. Als „Eider-Campus“ arbeiten die „GenoAkademie“ und das Nordkolleg bereits seit Jahren eng zusammen. Der Kulturbetrieb greift auf Räume beim nördlichen Nachbarn zurück, wenn die eigenen Kapazitäten erschöpft sind. Zum Beispiel während des Schleswig-Holstein Musik-Festivals, wenn die Orchesterakademie am Gerhardshain arbeitet und übernachtet. Die Küche im Nordkolleg wiederum versorgt auch die Mitarbeiter und Gäste nebenan. Zur Verzahnung trägt ebenfalls das Haus der Kulturverbände bei, in dem unter anderem die Aktivregion ihren Sitz hat. Es hat zehn Büros beim Genossenschaftsverband angemietet.

Bei der guten Nachbarschaft soll es bleiben, die Besitzrechte aber wechseln die Seite. Das Nordkolleg wird vom Mieter zum Eigentümer. So lautet der in der Politik favorisierte Plan. Voraussichtlicher Preis des Handels: 3,6 Millionen Euro, die zu zwei Dritteln der Kreis und zu einem Drittel Rendsburg übernimmt. Hinzu kommen noch undefinierte Kosten für die Sanierung und den Umbau der Gebäude. Die „GenoAkademie“ verfügt über 50 Einzel- und Doppelzimmer sowie zahlreiche Schulungsräume. Noch vor der Kommunalwahl im Mai sollen in den Gremien der Hauptgesellschafter Grundsatzbeschlüsse gefasst werden. Ziel ist, einen Vorvertrag mit dem Genossenschaftsverband zu besiegeln. Darauf haben sich die Fraktionschefs von Stadt und Kreis kürzlich bei einem vertraulichen Arbeitstreffen im Nordkolleg geeinigt. Geprüft werden soll eine Beteiligung des Landes.

Für Nordkolleg-Leiter Guido Froese wäre die Erweiterung ein Meilenstein auf dem Weg seines Hauses zur Landesmusikakademie. „Es wäre der größte Wachstum und würde uns neue Entwicklungsmöglichkeiten geben.“

Nicht zuletzt soll die Vergrößerung das Nordkolleg betriebswirtschaftlich festigen. Von 2013 bis 2016 war die Akademie auf Finanzspritzen ihrer Hauptgesellschafter von durchschnittlich 180 000 Euro angewiesen, um schwarze Zahlen zu schreiben – trotz einer Kapitalaufstockung im Jahre 2011, die das Gegenteil bewirken sollte. Der Jahresabschluss 2017 steht noch nicht fest.

Ein Sprecher des Genossenschaftsverbandes betonte, von einer Schließung der „GenoAkademie“ könne keine Rede sein. Man wolle in Rendsburg bleiben. Mit dem Nordkolleg suche man nach einer guten Lösung für beide Seiten. Der Verband ziehe Konsequenzen aus dem Konzentrationsprozess unter den Banken und der stark wachsenden Nachfrage nach Online-Bildungsangeboten.

Die Gesellschafter der Nordkolleg Rendsburg GmbH sind: Kreis Rendsburg-Eckernförde (40,4 Prozent), Rendsburg (20,2), Sparkasse Mittelholstein (7,95), Stiftung Schleswig-Holstein Musik Festival (6,62), Förderverein Nordkolleg, Studien- und Fördergesellschaft der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft, Netzwerkstatt Rendsburg (jeweils 1,99) sowie 19 weitere Anteilseigner mit je 0,99 Prozent. Das Stammkapital der Nordkolleg Rendsburg GmbH beträgt 151 000 Euro.

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