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Musizieren im Keller : Nordkolleg-Pläne für den Untergrund

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Am Gerhardhain in Rendsburg soll für zwei Millionen Euro ein unterirdischer Probenkomplex entstehen. Durch die zusätzlichen Räume erhofft sich die Bildungseinrichtung die Anerkennung als Landesmusikakademie.

Rendsburg | Wenn die Trompeter tagsüber den Marsch blasen, wird es laut. Manchem Nordkolleg-Nachbarn zu laut. Und Nachtmusik ist nicht erlaubt, um spätestens 23 Uhr muss Schluss sein. Allerdings würden manche Musiker gern länger ins Horn stoßen. Eine Lösung ist jetzt in Sicht: Ein unterirdischer Gebäudekomplex auf dem Gelände am Gerhardshain. Das spektakuläre und ungewöhnliche Projekt, für dessen Bau zwei Millionen Euro veranschlagt sind, ist schon seit langem in Planung, wurde in etlichen Gremien präsentiert – allerdings nie öffentlich. Jetzt liegen der Landeszeitung erste Angaben vor.

Auf den ersten Blick wird die Neuerung gar nicht ins Auge stechen – auch wenn sie im Bereich vor dem Haupthaus gebaut wird: 80 Prozent sollen unter der Erde liegen, der Rest schaut nur so weit hervor, dass das Eingangsgebäude noch von der Straße aus zu sehen ist. Mit 360 Quadratmetern wird der Komplex eine beachtliche Größe haben. Ein Raum wird allein 160 Quadratmeter umfassen, so dass ganze Bands hier bequem neue Stücke einstudieren können. Zwei weitere Räume von je 60 Quadratmetern, ein Tonstudio und Freiflächen komplettieren die unterirdische Anlage, die einen extra Zugang erhält. Oberlichter und Fenster werden zudem für Helligkeit sorgen.

Doch es gilt, eine hohe Summe aufzubringen: Zwei Millionen Euro. Davon können 75 Prozent gefördert werden, aber 25 Prozent – also 500 000 Euro – muss das Nordkolleg aus Eigenmitteln beisteuern. Ohne Kredite geht das nicht. Außerdem werden Nordkolleg-Chef Guido Froese und sein Team auf Sponsorensuche gehen.

Ideell, aber nicht finanziell an dem Projekt beteiligt sind die zahlreichen Institutionen, die ihr Domizil auf dem Gelände am Gerhardshain haben – wie zum Beispiel der Musikverband und alle, die mit ihrem Sachverstand die Pläne unterstützt haben. Im letzten Quartal 2013 war es dann so weit, dass sämtliche Unterlagen die baufachliche Prüfung durch das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein bestanden. Und kürzlich segnete auch das Kabinett die Pläne ab. Das war das erste Signal für die Umsetzung des Projektes.

Die ersten Ideen zu dem ehrgeizigen Vorhaben stammen aus dem Jahre 2011. Neben zahlreichen anderen musizierenden Tagungsgästen zog damals das Schleswig-Holstein Musik Festival (shmf) ein. Seitdem nächtigen und proben jedes Jahr rund zwei Monate lang 120 und mehr junge Musiker auf einen Streich in dem Gebäude. Damals gab es die ersten Misstöne zwischen Nordkolleg und einzelnen Nachbarn. Schon bald erfolgte die Anweisung von Guido Froese, beim Üben die Fenster geschlossen zu halten. „Unsere Nachbarn pflegen einen anderen Lebensstil“, stimmte er die Nachwuchsmusiker auf Rücksichtnahme ein und verordnete von 1 bis 7 Uhr morgens eine strikte Nachtruhe. Daher wurden in der Vergangenheit die Probenräume gezielt verteilt: Die Bläser, deren hohe Töne besonders durchdringend sind, übten im schallgedämmten Pavillon.

Von allen Seiten in Stadt und Kreis gibt es Zustimmung für den unterirdischen Probenkomplex. Involviert ist auch das Ministerium für Justiz, Kultur und Europa. Bisher hat das nördlichste Bundesland keine Landesmusikakademie: Allerdings wurde diese Funktion vom Nordkolleg wahrgenommen, das auch Mitglied im Verband der Landes- und Bundes-Musikakademien ist. Mit dem zusätzlichen und verbesserten Angebot an Probenräumen wäre eine Anerkennung als Landesmusikakademie möglich. Dann muss kein Musiker mehr zum Üben in den Wald gehen. Künftig kann er dafür in einen exquisiten Keller hinabsteigen.

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erstellt am 08.Feb.2014 | 06:00 Uhr

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